Eine zweite Chance für Straßenkinder in Indonesien

Indien

Bild: © n.v. -

Wer kennt nicht die Bilder von bettelnden Kindern in den großen Städten vieler „Entwicklungsländer“. Die Nächte verbringen sie in dunklen Gassen und schlafen in Kartons oder auf Zeitungen. Ihr Leben ist geprägt von der Angst vor der Justiz, welche diese als Störfaktor betrachtet, verfolgt und vielfach auch ermordet und dem täglichen Kampf ums Überleben. Die Gründe für die Kinder, auf die Straße zu flüchten sind vielfältig. Die Älteren laufen vielfach von zuhause davon, um den Schlägen und sexuellen Übergriffen der Eltern zu entkommen, während die Jüngeren von den Eltern verlassen wurden.

Die WHO schätz die Zahl der Straßenkinder weltweit auf ca. 100 Millionen, andere Quellen setzten die Zahlen deutlich niedriger an. Diese Schwankungen ergeben sich aus der fließenden Grenze zu den arbeitenden Kindern, denn, die sich tatsächlich selbst überlassenen Kinder stellen die Minderheit dar. Viele von ihnen erhalten durch den Beginn einer Tätigkeit den Anschluss an stabilere soziale Beziehungen. Oftmals werden die Zahlen der Straßenkinder durch kriegerische Auseinandersetzungen und soziale, wie politische Umbrüche drastisch erhöht. Weiterhin tragen die Veränderungen des wirtschaftlichen Systems und die Globalisierungstendenzen dazu bei, dass sich das Gefälle zwischen Arm und Reich verstärkt und eine wachsende Zahl an armen Regionen zu verzeichnen ist. Dies macht sich nicht allein in den Entwicklungs- und Schwellenländern bemerkbar, sondern auch in Europa und den USA steigt die Zahl der Straßenkinder kontinuierlich an.

Sie sehen sich Tag für Tag mit lebensgefährlichen Situationen konfrontiert, sei es die Willkür der Polizei oder auch die allgemeinen Kriminalität, welcher sie permanent ausgesetzt sind. In Indonesien sind offiziell 300.000 Kinder als Straßenkinder deklariert und weiter 4,1 Millionen als hilfsbedürftig. Trotz der Verbesserung der wirtschaftlichen Gegebenheiten profitieren die Schwächsten der Gesellschaft nicht davon, sondern werden durch fehlende soziale Absicherung noch stärker gefährdet. Beispielsweise, kann fast jeder eine Anlaufstelle für obdachlose Kinder anbieten und dies nutzen Kriminelle um sich an den Kindern zu vergehen oder sich durch sie zu bereichern. Doch die Berichte über diese und noch weitaus schlimmere Vorfälle üben Druck auf die Regierung aus und drängen dazu, Schritte zum Schutz der Kinder in die Wege zu leiten. Das Ziel, die Straßen von Jakarta bis 2011 von Straßenkindern frei zu machen, hat sich nicht erfüllt, denn es müssen Maßnahmen getroffen werden welche die Bildung und sichere Unterkunft der Kinder gewährleistet. Ebenso sollte das Problem an der Wurzel gepackt werden und Familien gefördert werden, damit ein Kind gar nicht erst auf der Straße landet.

SOS Kinderdörfer fördern beispielsweise im Süden Javas Kinder und ihre Familien, indem Kinderbetreuung, Ausbildung oder medizinische Versorgung zur Verfügung gestellt werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Kindernothilfe, welche mit den Straßenkindern, durch Streetworker, direkt in den Slums Kontakt aufnimmt. Das Ziel dabei ist es, die Kinder wieder in ihre Familien zu integrieren. Doch oft ist gerade dies nicht möglich, weshalb die Organisation ein Kinderdorf betreibt, in welchem bis zu 100 Mädchen und Jungen unterkommen und neben der Grundversorgung auch eine Ausbildung in speziell handwerklichen Bereichen erlangen können. Die Älteren haben die Möglichkeit ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum zu besuchen und dort die Viehzucht oder den Anbau von Gemüse zu erlernen. Weiterhin dienen diese Orte dem Drogenentzug, da viele der Kinder in ihrem bisherigen Umfeld vom Klebstoffschnüffeln oder anderen Substanzen abhängig waren.

Allerdings wird hier nur einem Bruchteil der betroffenen Kinder geholfen, die große Mehrheit lebt weiterhin auf der Straße unter schlimmsten Bedingungen. Dennoch sind viele Bemühungen zu erkennen die Gegebenheiten zu ändern und den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Link zum Artikel über Straßenkinder in Indonesien: 

Link zum Artikel über Mordserien an Straßenkindern

 

 

Über Chantal / EarthLink

Ich habe 2009 in München meinen Bachelor in Geographie abgeschlossen und mache momentan in Wien meinen Master im selben Gebiet. Zusätzlich studiere ich im Nebenfach Tourismus und Internationale Entwicklung. Um einen Einblick in die Arbeit einer NGO zu bekommen, mache ich ein acht-wöchiges Praktikum bei EarthLink. Ich schreibe Blogeinträge zum Thema Kinderarbeit und Drogen, bereite eine Radiosendung vor und werde mich noch mit dem Zusammenhang zwischen Tourismus und Kinderarbeit auseinandersetzen.
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