Großbritannien: Vietnamesische Kinder müssen als Sklaven auf Cannabis-Plantagen arbeiten

Drogen, Krieg, Cannabis, Plantage, Anbau

Bild: © n.v. - Wiki Commons

In einer neuen Folge „People & Power“ des arabischen Fernsehsenders Al-Jazeera wurde diese Woche die Ausbeutung von vietnamesischen Kindern auf Cannabis-Plantagen in Großbritannien angeprangert. Die Kinder werden aus ihrer Heimat über Mittelsmänner ins Vereinigte Königreich gebracht, um dort die Schulden der Eltern sowie ihre Reisekosten abzuarbeiten. Die Mädchen und Jungen sind zwischen 13 und 16 Jahre alt und müssen als „Gärtner“ in den Plantagen arbeiten. Sie werden in den Hallen und Wohnung gefangen gehalten und mit Drohungen gefügig gemacht. Aus Angst vor den angeblichen Gefahren außerhalb der Wohnungen unternehmen viele der Kinder keinen Fluchtversuch. 24 Stunden am Tag müssen die Kinder die Cannabis-Pflanzen bewässern und pflegen. Sie essen, schlafen und arbeiten unter Heizlampen und sind giftigen Düngemitteln sowie der Gefahr von Stromschlägen oder Feuer ausgesetzt. Gewalt, Einschüchterung und Erpressungen sind Alltag der vietnamesischen Kinder – sie sollen arbeiten, bis all ihre Schulden abbezahlt sind, falls dieser Tag überhaupt kommt. Werden die Kinder bei Razzien der Polizei auf den Plantagen entdeckt, werden sie meist ebenfalls als Verbrecher behandelt, nicht als Opfer. Bisher wurden lediglich 58 Kinder als verschleppt und versklavt freigesprochen, alle anderen wurden wegen Beihilfe bestraft. Und bis heute gibt es keine Verhaftungen von Personen, die für Verschleppung und Versklavung der Kinder auf die Plantagen verantwortlich sind.

Bereits 2004 machte die englische Polizei die Entdeckung, dass vietnamesische Kinder und Jugendliche über Menschenhändler aus ihrer Heimat nach Europa gebracht werden und hier als Sklaven arbeiten müssen. Die meisten der Kinder, die von Menschenhändlern nach Großbritannien gebracht werden, sind aus Vietnam. Gemäß den Angaben einer englischen Behörde werden etwa 300 Kinder jährlich in das Land eingeschleppt – ein Viertel von ihnen muss auf einer Cannabis-Farm arbeiten. Nach der Befreiung kehren viele der Kinder zu ihren Peinigern zurück, aus Angst um die Familie zu Hause und Angst vor Abschiebung durch englische Behörden. In Vietnam, einem der ärmsten Länder Asiens, hat die durchschnittliche Familie zwischen 25.000 und 60.000 US-Dollar Schulden. Solche Summen zurückzuzahlen, ist für viele ein Ding der Unmöglichkeit – Menschenhändler haben daher leichtes Spiel. Sie haben ein internationales Netzwerk aufgebaut, mit dem die Kinder von Land zu Land gebracht, mit gefälschten Ausweisen versorgt und dann ohne ihren Ausweis als Sklaven gehalten werden.

Der Indoor-Anbau von Cannabis hat in Großbritannien in den letzten Jahren massiv zugenommen. Die Plantagen werden in Wohnungen in der Vorstadt oder in leerstehenden Hallen versteckt, viele von ihnen werden von vietnamesischen Banden geführt. Für die Polizei ist es schwer, gegen diese Kriminellen vorzugehen – kaum ist eine Plantage gestürmt und die Pflanzen dort zerstört, entstehen an anderen Orten neue Plantagen. Vor 10 Jahren wurden lediglich 11 Prozent des in Großbritannien konsumierten Cannabis selbst angebaut – heute sind es etwa 90 Prozent. Vor allem in England und Wales (West Midlands und Greater London), aber auch in Nordirland sind einige Plantagen mit Kinderarbeitern gefunden worden.

 

Link zu Video und Artikel (englisch)

Über bernadette / EarthLink

Nach meinem Studium an der Universität Regensburg (Bachelor in Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Öffentliches Recht und VWL) habe ich Land und Leute in Australien kennen gelernt und bin jetzt für ein zweimonatiges Praktikum bei EarthLink gelandet.
Hier schreibe ich hauptsächlich Einträge für den Blog der Kampagne „Aktiv gegen Kinderarbeit“ und beteilige mich am Projekt „Drogen Macht Welt Schmerz“.

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3 Kommentare zu Großbritannien: Vietnamesische Kinder müssen als Sklaven auf Cannabis-Plantagen arbeiten

  1. Herbert E. Conrad sagt:

    Wir sind selbst schuld an diesen Zuständen in Europa. Vietnam ist kein Kriegsland mehr, also warum werden die Vietnamesen nicht nach Hause geschickt? Logisch, weil sie sich in den verschiedensten Sparten des legalen wie auch illegalen Business etabliert haben und die Einheimischen gewissenlos und ohne jedwede Zurückhaltung mit den Vietnamesen Geschäfte machen an denen viele „Einheimische“ viel viel Geld verdienen. So einfach ist das. Über englische Kultur zu diskutieren ist deswegen sinnlos; (… Diffamierende Äußerung durch Administrator gelöscht …). Davon abgesehen brauchen sich die Saudis oder sonstigen Araber garnicht so aufblasen bei Al-Jazeera; Die sollten mal darüber berichten was die Araber in allen arabischen Staaten mit den Asiaten, Indern und wo die Ausländer sonst noch alle herkommen die mit Geld und Jobs in arabische Länder gelockt werden, alles machen müssen was sie wollen und die sie wie Sklaven halten diese Schmuftis. Die haben es gerade nötig.

  2. justus erb sagt:

    Aber da kann ja Cannabis nichts dafür , sondern diese seit Jahrzehnten durchgeführte repressive Drogenpolitik, die zu solchen Zuständen führt

  3. justus erb sagt:

    Aber da kann ja Cannabis nichts dafür , sondern diese seit Jahrzehnten durchgeführte repressive Drogenpolitik, die zu solchen Zuständen führt

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