Libanon: Die Gemeinschaft der Dom bleibt aus der Gesellschaft ausgeschlossen, Kinder sind von den Folgen am schlimmsten betroffen

Bild: © n.v. -

Von allen verschiedenen Ethnien im Libanon sind die Dom, die manchmal als die „Zigeuner des Libanon“ bezeichnet werden, diejenigen, die am stärksten als Randgruppe gesehen werden. Einem neuen Bericht zufolge gehen bis zu 68 Prozent der Dom Kinder nicht in die Schule. Charles Nasrallah, der Direktor der Insan Gruppe, einer Nichtregierungsorganisation, die den Respekt für die Rechte von verletzlichen Gemeinschaften fördert, betont, dass der Zugang zu Rechtsschutz, dem Gesundheitssystem, Bildung, ausreichender Unterkunft und Essen für die Dom sehr schwierig sei, nahezu unmöglich. Er ist der Meinung, dass diese Probleme durch die soziale Ausgrenzung der Gruppe entstehen.

Die Dom sind eine ethnische Minderheit, die in verschiedenen Ländern des Mittleren Ostens lebt. Neben dem Libanon, haben auch Jordanien, die Palästinenser Gebiete, die Türkei, der Irak und der Iran größere Dom Gemeinschaften. Historiker vermuten, dass die Dom von einem wandernden Künstlervolk abstammen, das vor Jahrhunderten von Indien nach Westen ausgewandert ist.   

Der Bericht, der am 8. Juli von Insan und der schweizer Nichtregierungsorganisation Terre des Hommes (TDH) veröffentlicht wurde, legt dar, dass zwar viele Dom die libanesische Staatsangehörigkeit haben, aber dennoch die weit verbreitete Diskriminierung zu der gesellschaftlich schlechten Lage der Dom geführt hat. Sie sind schlechter dran als die palästinensischen Flüchtlinge im Libanon, deckt der Bericht auf. Mehr als 30 Prozent der Dom, die für den Bericht befragt wurden, leben von weniger als einem Dollar am Tag. Die Expertenkommission des The Dom Research Centre sagt, dass nur wenige Dom einen festen Arbeitsplatz in den Städten hätten, sondern stattdessen die Mehrheit auf der Straße betteln, auf Hochzeiten und Partys Instrumente spielen, als Wahrsager arbeiten oder sonstiger niedriger Arbeit nachgehen müsse.

Für ihren Report haben Insan und TDH an vier verschiedenen Orten Menschen der Dom befragt. Dabei haben sie herausgefunden, dass die meisten in rudimentären Wellblechhüttensiedlungen leben, in denen es nicht mal eine Verbindung zur Kanalisation gibt. Mütter haben keine Möglichkeit, auf das Gesundheitssystem zuzugreifen und die Kinder werden von ihren Eltern, die versuchen, die Familie durchzubringen, oft vernachlässigt. Über 68 Prozent der Kinder haben noch nie eine Schule besucht. 1994 wurde den Dom im Libanon die Einbürgerung angeboten, aber trotzdem ist die Ausgrenzung der Ethnie groß. Kristen Hope, die Projektmanagerin des Dom Projekts bei TDH, sagt, dass ein Zeichen für die schwerwiegende Diskriminierung der Dom der Wunsch sei, die eigene ethnische Identität zurückzulassen. Die eigene Sprache der Dom, Domari, verliert zunehmend gegen Arabisch. Von den Interviewten spricht die Hälfte der Erwachsenen Domari, aber nur noch ein Drittel der Kinder. Hope ist der Meinung, dass Eltern versuchen würden, die Sprache zu unterdrücken, um ihre Kinder gegen Diskriminierungen zu schützen, da die Sprache sie eindeutig als Dom kennzeichnen würde.

Durch die erfahrene Diskriminierung, und die Empfindung einer zweitrangigen Klasse anzugehören, zögern viele Mitglieder der Dom Gemeinschaft sich an öffentliche Dienste, wie etwa Gesundheitsbehörden oder Bildungseinrichtungen, zu wenden. Dadurch sind vor allem die Kinder gefährdet Ausbeutung, Gewalt, Unterernährung, Kinderheirat und schlechten Arbeitsbedingungen zum Opfer zu fallen. Allerdings, durch die Einbürgerung ermöglicht, lassen die Dom zunehmend ihre nomadische Lebensweise hinter sich und werden sesshaft. Außerdem würden die Familien vermehrt versuchen, ihre Kinder in Schulen einzuschreiben, nachdem sie keine Angst mehr hätten, dafür verhaftet zu werden, betont ein Mann der Dom in einem Interview.   

Link zum Artikel (englisch)

Über amelie / EarthLink

Ich bin gerade fertig geworden mit meinem Bachelor of Arts in European Studies an der Universität in Maastricht, Holland. Um ein bisschen Arbeits- und Lebenserfahrung zu sammeln mache ich momentan ein Praktikum bei Earthlink, bis ich im Herbst einen Master-Studiengang in International Security and Law in Dänemark beginne. Bei Earthlink schreibe ich Blogeinträge für die Website Aktiv gegen Kinderarbeit und bin mit Recherche für das Projekt Facing Finance beschäftigt.
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