Kenia: Interpol ermittelt wegen Organhandel

Bild: © n.v. - Wikipedia

Kenia hat die höchste Menschenhandelsrate in ganz Ost- und Zentralafrika. Vor allem Frauen und Mädchen aus Somalia, die das Land über Flüchtlingslager betreten sind von Menschen- und Sexhandel betroffen. Allerdings steigt in letzter Zeit die Anzahl an Frauen, die aufgrund von Organentnahmen verschleppt werden. Junge Frauen und Mädchen werden als lebender Organnachschub benutzt. Laut Interpol ist der Menschenhandel zum Zwecke der Organentnahme, vor allem von Nieren, ein wachsender krimineller Sektor. In vielen Ländern sind die Wartelisten für Spenderorgane sehr lang, darin sehen Kriminelle eine Möglichkeit die Verzweiflung der Patienten und der möglichen Spender auszunützen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht der Großteil der weltweit gehandelten Organe nach Westeuropa und in die USA. Interpol ermittelt momentan gegen mehrere NGOs aus Kenias Hauptstadt Nairobi sowie der Metropole Kisumu. Ihnen wird vorgeworfen in den nationalen und internationalen Menschen- und Organhandel verwickelt zu sein. Aufgrund von rechtlichen Bestimmungen könne die Namen der NGOs allerdings erst nach Beendigung der Ermittlungen veröffentlicht werden.

Laut der Ermittlungen wurden Mädchen unter 16 Jahren von Kenia nach Europa oder Amerika verschleppt, um ihnen dort Organe zu entnehmen. Die Opfer werden oft über die medizinischen Risiken oder die versprochene Bezahlung im Unklaren gelassen oder getäuscht. Sie setzen ihre Gesundheit aufs Spiel bei Operationen die unter widrigen Bedingungen und ohne nachträgliche medizinische Versorgung durchgeführt werden. Eine wachsende Anzahl von jungen Frauen findet sich in kriminellen Organspenderingen wieder, in denen ihre Organe ohne ihr Einverständnis entnommen werden. Zuvor überzeugen die Täter die Mädchen und deren Eltern davon, dass sie im Westen ein besseres Leben erwarten würde.

Aber auch der Organhandel für den kenianischen Markt ist gestiegen. Dies lässt sich vor allem mit der erhöhten Anzahl an Diabetes Erkrankten erklären. Momentan hat Kenia über sechs Millionen Diabetiker und über 2 Millionen Menschen benötigen eine neue Niere. Interpol stellt momentan Nachforschungen an, ob die besagten NGOs auch an Entführungen in Kenia beteiligt gewesen sind, bei denen jungen Frauen und Mädchen in kleinen kenianischen Kliniken Organe wie Nieren und Leber entfernt wurden. Auch die Kenianische Kommission für Menschenrechte (KNHCR) ermittelt gegen 15 kenianische Organisationen, die in solche Machenschaften verwickelt seien sollen. „Es ist eine Schande, dass Organisationen, die die Stimmlosen beschützen sollen, deren Rechte misshandeln“, sagt Omar Hassan, Kommissar bei der KNHCR. „Viele NGO-Funktionäre sind in kurzer Zeit sehr wohlhabend geworden und können dies nicht offiziell begründen.“

Die am öftesten illegal entfernten Organe in Kenia sind Nieren und Bauchspeicheldrüsen, allerdings wurde auch schon von Hornhaut- (Auge) oder Herztransplantationen berichtet. In Kenia kostet eine „offizielle“ Niere bis zu 20.000 US-Dollar. In den Hinterhofkliniken kann man allerdings schon eine Niere für grade mal 650$ erwerben. Insgesamt hängt der Preis für Organe an der internationalen Nachfrage. Diese ist in den letzten Jahren stark angestiegen, was ein Geschäft mit illegalem Organhandel immer lukrativer macht. Erschwerend kommt hinzu, dass Kenia momentan keine durchsetzbaren Gesetze zur Regulierung von Organtransplantation besitzt. Des Weiteren verhindert die allgegenwärtige Korruption die Bekämpfung dieser Missstände. Es ist abzuwarten, ob die Ergebnisse der Momentanen Ermittlungen von Interpol zu einer Verbesserung der Lage in Kenia führen werden.

Link zum Artikel (englisch)

Bericht der UN-Initiative gegen Menschenhandel

Bericht der Internationalen Migrationsorganisation (IOM) zum Menschenhandel in Ostafrika

Über Heiko / EarthLink

Ich mache momentan im Rahmen meines Sozialwissenschaftsstudium ein 2-monatiges Praktikum bei EarthLink. Ich befasse mich hauptsächlich mit dem Schreiben von Blog-Einträgen für aktiv-gegen-kinderarbeit.de und der Recherche für Facing Finance.

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