Flüchtlingslager: Rekrutierungsort für Kindersoldaten

Darfur Flüchtlingslager im Tschad

Bild: © Mark Knobil from Pittsburgh, USA - Wikimedia Commons

In einem Interview mit der Internetnachrichtenplattform „The Conversation“ spricht Professor Simon Reich von der Rutgers University über die Verteilung und Rekrutierung von Kindersoldaten weltweit.

 Weltweit wird die Anzahl an Kindersoldaten auf 200,000 bis 250,000 geschätzt. Allerdings gibt es laut Prof. Reich eine große Variation in dem Grad der Beteiligung von Kindersoldaten. In afrikanischen Konflikten schwankt die Prozentzahl von beteiligten Kindersoldaten von 0% bis 53%. Auch sei das allgemeine Bild eines Kindersoldaten nicht unbedingt korrekt. Die meisten Menschen stellen sich unter einem Kindersoldaten einen siebenjährigen afrikanischen Jungen mit einer Kalashnikov in der Hand vor. Reich betont aber, dass dieses medientaugliche Bild oftmals nicht stimmt. Die meisten Kindersoldanten sind keine Afrikaner, auch sind es größtenteils Jugendliche und keine kleinen Kinder, es gibt ebenfalls viele weibliche Kindersoldaten und die meisten tragen keine Waffen. Es ist eher üblich, dass sie als Träger, Spione, Köche oder Sex-Sklaven arbeiten.

 In dem Interview geht Professor Reich auch auf die besondere Rolle von Flüchtlingslagern bezüglich der Rekrutierung von Kindersoldaten ein. Bekannte Risikofaktoren wie Armut oder eine hohe Anzahl von Waisen seien laut Reich nicht so ausschlaggebend wie die mangelnde Bewachung von Flüchtlingslagern. In den letzten 50 Jahren kam es laut Reich zu mindestens 1.100 Angriffen auf Flüchtlingslager. Bei diesen Angriffen wurden immer wieder Kinder rekrutiert. Viele Lager sind gar nicht bewacht, andere werden von nationalen oder multilateralen Truppen beschützt. Allerdings sind die lokalen und nationalen Truppen meist nicht gut genug ausgerüstet um Angriffe abzuwehren. Ein Problem ist, das neben der Bereitstellung von Wasser, Essen und Unterkunft, Schutz meist als letztes eintritt. Allerdings werden die meisten Kinder zu Beginn des Krieges gezwungen, Soldaten zu werden. Bis Schutz eintrifft, ist der größte Schaden bereits entstanden und die Kinder wurden rekrutiert.

Auf die Frage, wie er die momentane Situation in den kenianischen Lagern nahe der somalischen Grenze beurteilt, gibt Professor Reich eine negative Prognose. Laut ihm bieten diese Camps potentiell gute Bedingungen für die Rekrutierung von Kindersoldaten. Es gab viele Vertreibungen und einen Zusammenbruch von Ordnung und Gesetz. Die internationale Gemeinschaft versucht Unterkunft, Nahrung und medizinische Versorgung zu gewährleisten. Allerdings fehlen weiterhin Sicherheitsbestrebungen. Solange sich dies nicht ändert, bleiben die Lager ein Risikofaktor.

Link zum Artikel (englisch)

Profil Prof. Simon Reich (englisch)

Über Heiko / EarthLink

Ich mache momentan im Rahmen meines Sozialwissenschaftsstudium ein 2-monatiges Praktikum bei EarthLink. Ich befasse mich hauptsächlich mit dem Schreiben von Blog-Einträgen für aktiv-gegen-kinderarbeit.de und der Recherche für Facing Finance.
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