10 Jahre nach der Irak-Invasion: Kinder und Frauen sind die Leidtragenden

Der Beginn des Irak-Krieges jährte sich gestern zum zehnten Mal. Unter dem Präsidenten George W. Bush fielen am 20. März 2003 US-amerikanische Truppen ohne UN-Mandat in das Land ein und stürzten noch im selben Jahr den diktatorischen Machthaber Saddam Hussein. Dieser wurde drei Jahre später zum Tode verurteilt.1)2)

Während sich in den Medien die Berichte über die Folgen des Krieges für die US-amerikanische Außenpolitik häufen und internationale Diskurse über den damit verbundenen Imageverlust der einstigen Weltmacht geführt werden, gerät die Frage nach den Lebensumständen der irakischen Bevölkerung in Vergessenheit.

Dies könnte vermutlich daran liegen, dass die Menschen vor Ort auch heute noch unter den Kriegswirren leiden. Neben dem Ausbleiben einer stabilen Demokratie3), die de facto nur formal besteht, wurden im Zuge des Krieges circa 2,7 Millionen Iraker und Irakerinnen aus der Heimat vertrieben. Ein Teil von ihnen suchte Zuflucht in den Nachbarländern, der andere Teil blieb innerhalb der irakischen Landesgrenzen4) – meist obdachlos oder in der Hoffnung auf Hilfe der UN-Blauhelme, die sich seit 2003 im Rahmen der Unterstützungsmission UNAMI im Land befinden.5)

Derzeit zwingt der Bürgerkrieg in Syrien tausende, sowohl irakische als auch syrische, Flüchtlinge zurück in den Irak. Vor allem Frauen und Kinder scheinen  die Leidtragenden zu sein. Schließlich sind sie es, die primär der Gefahr des Menschenhandels ausgesetzt sind. Insbesondere alleinstehende, verwitwete Frauen gehören zusammen mit ihren Kindern zu den Betroffenen. Meist werden sie zum Zwecke der Zwangsarbeit, sexuellen Ausbeutung sowie Prostitution von Fremden verschleppt oder in Länder wie Syrien, Kuwait, Jordanien, Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate,  Jemen oder die Türkei verkauft. Aber auch Angehörige treiben Frauen wie Kinder in dieses Milieu. Gründe hierfür sind ökonomische Notlagen sowie Aussöhnungsprozesse zwischen verfeindeten Familien. Häufig kontaktieren Iraker die Menschenhändler aber auch selbst, in der Hoffnung, durch die Kriminellen gefälschte Dokumente zu erhalten, mit denen sie in einem Nachbarland Arbeit finden. Diese Sehnsucht nach einem „normalen Leben“ wird ihnen jedoch meist zum Verhängnis.6)7)

Eine UNICEF-Studie zur Situation von Frauen und Kindern im Irak schätzt, dass über 6% der 5 bis 14 Jährigen arbeiten gehen müssen, um den Lebensunterhalt der eigenen Familie mitzufinanzieren. Vor allem in ländlichen Regionen ist dies der Fall. Auch wenn festgestellt wurde, dass 65% dieser Kinder neben ihrer arbeitenden Tätigkeit zusätzlich die Schule besuchen, bleibt fraglich, ob dies überhaupt in einem für die positive Entwicklung der Kinder zuträglichen Rahmen geschehen kann. Es scheint vielmehr, als würde dies nur zu einer Doppelbelastung der noch viel zu jungen Menschen führen.

Nach Angaben des „Trafficking in Persons Report 2012“ des US-amerikanischen Außenministeriums kommt die irakische Regierung äußerst wenigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels nach. Zwar habe das irakische Parlament im April vergangenen Jahres ein Gesetz verabschiedet, welches den Handel mit Menschen zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie Zwangsarbeit bestraft, dennoch fehlen systematische Präventiv- sowie Betreuungsprogramme. Daher empfiehlt das U.S. Außenministerium neben der Implementierung eines Verbots aller Formen des Menschenhandels zusätzlich eine professionellere Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte, um eine proaktive Identifizierung potentieller Opfer zu fördern und diese zu beschützen.8)

Am 1. Mai 2003 erklärte der damalige Präsident Bush die Hauptkampfhandlungen im Irak für beendet. Doch erst neun Jahre später zogen die letzten US-amerikanischen Truppen unter Präsident Barack Obama ab. Dass dieser lange Einsatz nicht unbedingt mit einer Verbesserung der Situation der Menschen vor Ort einherging, beweisen alleine schon die aktuellen Lebensumstände der Frauen und Kinder.9)10)

  1. Der Irak-Krieg 2003 – Ladeszentrale für Politische Bildung BaWü – aufgerufen am 21.03.13 []
  2. Irak nach dem Krieg – Ladeszentrale für Politische Bildung BaWü – aufgerufen am 21.03.13 []
  3. Jahrestag Irak-Krieg: “Das Land ähnelt nicht mal einer Demokratie” – Stern – aufgerufen am 21.03.13 []
  4. Iraq 10 years on: In numbers – BBC News – aufgerufen am 21.03.13 []
  5. Fakten zur UNO-Unterstützungsmission im Irak (UNAMI) – UNRIC – aufgerufen am 21.03.13 []
  6. Trafficking in Persons Report 2012 Country Narratives D-I – U.S. Department of State – aufgerufen am 21.03.13 []
  7. Iraqi Children: Deprived Rights, Stolen Future – Global Research – aufgerufen am 21.03.13 []
  8. Trafficking in Persons Report 2012 Country Narratives D-I – U.S. Department of State – aufgerufen am 21.03.13 []
  9. Chronik des Irak-Krieges – DW – aufgerufen am 21.03.13 []
  10. Irak nach dem Krieg – Ladeszentrale für Politische Bildung BaWü – aufgerufen am 21.03.13 []

Über Laura G. / earthlink

Ich studiere im 6. Semester Politikwissenschaft und Soziologie an der LMU München.
Zu meinem Aufgabenbereich bei earthlink e.V. gehört unter anderem das Verfassen von Blogbeiträgen sowie das Recherchieren von Hintergrundinformationen zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitk.

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