Aktivist in Thailand angeklagt: „Sie wollen mich zum Schweigen bringen!“

Ungleichgewicht, Urteil

Bild: © n.v. -

Der britische Anwalt für Arbeitsrecht Andy Hall wird in Thailand von einem Unternehmen wegen Diffamierung verklagt, nachdem er für die NGO „Finnwatch“ Untersuchungen zu den Arbeitsbedingungen in der Firma angestellt und veröffentlicht hatte. Ihm drohen bis zu 7 Jahre Haft und die Verurteilung zu einer hohen Entschädigungzahlung.

In seinem Bericht erhob Hall schwere Anschuldigungen gegen die Firma „Natural Fruit“, die auch den europäischen Markt beliefert. Die Vorwürfe beziehen sich auf die „Nutzung von Kinder- und Zwangsarbeit, Verwicklungen in den Menschenhandel und (Zahlung von) rechtswidrig niedrige(n) Löhne(n)“.1)

Der Fall erregt besondere Aufmerksamkeit, weil Hall auch Kontakte zu Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi2) bzw. zur burmesischen Regierung hat.1)  Zudem soll “Natural Fruit” auch Refresco mit Ananas- Konzentrat beliefern, einen europäischen Getränkehersteller, dessen Produkte unter anderem bei Lidl, Aldi, Edeka und Rewe verkauft werden. Ein Sprecher von Finnwatch nannte es „unüblich“, dass ein internationales Unternehmen mit derart einflussreichen Kunden „solch schwerwiegende Verletzungen fundamentaler Rechte“ begehe.3) “Natural Fruit” wies die Anschuldigungen jedoch zurück.4)

Andy Hall sieht sich als das Opfer einer Verschwörung, die ihn davon abhalten soll, seine Arbeit gegen „die  systematische Ausbeutung“ von Migranten als billige Arbeitskräfte fortzusetzen. Der Missbrauch von zugezogenen Arbeitskräften hänge laut Hall eng mit der Korruption von Behörden und Politikern zusammen.1)

Auch das United States Department of Labour zeichnet in seinem Bericht zu Menschenhandel in Thailand 2012 ein erschreckendes Bild vom Umgang mit Migranten dort. Auch wenn viele, aber nicht alle, freiwillig nach Thailand kommen, um der Armut in ihren Heimatländern zu entkommen, fallen sie oft in Thailand selbst Menschenhändlern zum Opfer, weil ihre Papiere von Behörden oder Arbeitgebern einbehalten werden. Kinder solcher Familien werden meistens verschleppt, um sie in der Sexindustrie auszubeuten, wobei vor allem der blühende Sextourismus die Nachfrage besonders fördert.5) Andere Minderjährige verrichten Zwangsarbeit in der Landwirtschaft, in Privathaushalten und in der Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie.6)

Ob die Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit gegen “Natural Foods” gerechtfertigt sind, lässt sich nicht sagen. Zwei Tatsachen sind aber bedenklich. Erstens, dass die schockierende Lage der Menschenrechte die thailändische Regierung nicht zu größeren Anstrengungen gegen Kinderarbeit, Menschenhandel, Armut und Korruption bewegt. Und Zweitens, dass ein internationales Unternehmen auf Kritik einseitig mit rechtlichen Schritten reagiert, anstatt im Dialog mit den Beteiligten die Vorwürfe zu entkräften, sofern sie nicht zutreffen. Denn das Image einer Firma hängt nicht nur von Kritik ab, sondern auch von ihrer Reaktion darauf.

  1. „British activist fighting to avoid Thai jail term“ – dvb – aufgerufen am 15.03.2013 [] [] []
  2. „British Human Rights Activist Andy Hall Faces Thai Jail Threat“ – Chiangrei Times – Link nicht mehr abrufbar – 09.01.14 []
  3. „Serious human rights violations at Natural Fruit factory“ – Prachatai – aufgerufen am 15.03.2013 []
  4. „Migrant workers‘ advocate sued“ – Bangkok Post – aufgerufen am 15.03.2013 []
  5. „2012 Trafficking in Persons Report – Thailand“ – UN- Dept. of Labour – aufgerufen am 15.03.2013 []
  6. „2011 Findings on the Worst Forms of Child Labor – Thailand“ – US- Dept. of Labour – aufgerufen am 15.03.2013 []

Über Katharina / earthlink

Ich studiere im 5. Semester Politik und Recht an der LMU München. In meinem Semesterpraktikum bei earthlink recherchiere ich zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitik.

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