Der Berg Sinai – eine Offenbarung der anderen Art

Bild: © Hillel Assaf - Wikimedia Commons

Immer wieder sind in den letzten Jahren einzelne Fälle von Flüchtlingen bekannt geworden, die auf dem Berg Sinai in Ägypten gefangen gehalten wurden. Menschenhändler und bewaffnete Gruppen kontrollieren das Gebiet rund um den Berg – ihre Ware sind meist Immigranten aus den Ländern Sub-Sahara-Afrikas, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Israel einwandern wollen. Doch bis dahin kommen Sie nicht – und es ist egal wer einwandern will, Frauen, Männer, Mädchen, Jungen, Babies – alle gehören zu der Beute der Menschenhändler in diesem Gebiet.

In der Vergangenheit gab es schon mehrmals Berichte über Flüchtlinge, die auf ihrem Weg die Wüste Sinai durchqueren wollten – und abgefangen worden sind. Damals lag der Fokus auf dem Organhandel. Den Flüchtlingen wurden Organe entfernt, ohne Narkose,  ohne jegliche Professionalität. Viele von Ihnen sind an den Folgen dieser unsauberen Eingriffe gestorben.

Jetzt scheint sich seit einiger Zeit der Schwerpunkt auf den Menschenhandel verschoben zu haben, wobei dieser Begriff auch nicht ganz genau das trifft, was die Entführer machen.

Denn Menschenhandel würde bedeuten, dass Sie die Flüchtlinge weiterverkaufen oder gegen Lösegeld wieder frei lassen – dem ist aber nicht so.

Einigen von den Gekidnappten ist es gelungen aus den Lagern der Gruppen zu fliehen – die Zustände, die von Ihnen geschildert werden, sind unmenschlich.1)

Zunächst werden sie alle eingesperrt, zusammengepfercht in Löchern. Sie bekommen so gut wie nichts zu Essen oder zu Trinken. Es gibt keine sanitären Anlagen, oftmals auch kein Licht, hinzu kommen noch extreme Temperaturschwankungen.

Dann werden Sie auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen gefoltert. Sie werden an den Armen für mehrere Stunden aufgehängt, geschlagen, unter ihrem Rücken wird Plastik entzündet, Mädchen und Frauen berichten zudem, dass sie tagtäglich vergewaltigt wurden, zu jeder Zeit – egal wann. Selbst mit Schlafentzug wurden sie bestraft.2)

Später werden dann die Angehörigen der Gefangenen telefonisch kontaktiert – es wird Lösegeld gefordert. Zu Beginn betrug die zu zahlende Lösegeldforderung etwa 2500 US Dollar, inzwischen ist sie angestiegen auf bis zu 30.000 US Dollar, und nur in seltenen Fällen werden die Gefangenen dann auch tatsächlich freigelassen.3)

Einzelfälle bestätigen immer wieder, dass sogar Babies und Kinder misshandelt werden.4) Wie groß allerdings der Anteil der Kinder und Babies an den Gefangenen ist, kann man nicht genau abschätzen. Allerdings ist von insgesamt tausenden Gefangen die Rede.5)

Fest steht auch, dass viele der Gefangenen in diesen Lagern sterben – immer wieder finden Anwohner aus der Gegend Leichen, die einfach in der Wüste abgelegt worden sind. Aber auch alle anderen, die geflüchtet oder noch dort sind, sind für ihr Leben geschädigt.

In einem Interview von einem lokalen Polizisten mit einem Vertreter der Organisation „Human Rights Watch“ hieß es, dass die ägyptische Polizei dagegen nichts machen könne. Das Gebiet sei in der Hand von gut bewaffneten Truppen, die Polizei könne dort nicht eingreifen.6)

Abschließend bleibt somit noch die Frage zu klären, wer denn dann dort eingreifen soll?

  1. Human Trafficking in the Sinai: Refugees Between Life and Death – Jadaliyya – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []
  2. The Sinai crossing: African migrants‘ desert nightmare – Africa Review – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []
  3. Menschenschmuggel auf dem Sinai: Gefangen und gefoltert – Spiegel Online – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []
  4. Child torturers of the desert: Horrific footage reveals human traffickers are even targeting Babies to get families to pay ransoms – DailyMail – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []
  5. Death in the Desert – CNN – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []
  6. Egypt: End Sinai Nightmare for Migrants – Human Rights Watch – zuletzt abgerufen am 27.03.2013 []

Über Lukas / earthlink

Zurzeit studiere ich im dritten Semester Politikwissenschaft mit Nebenfach Französisch an der Universität Trier. Bei earthlink e.V. absolviere ich ein Praktikum, in dem ich mich mit den Kampagnen Drogen Macht Welt Schmerz und Aktiv gegen Kinderarbeit auseinandersetze, zu diesen Themen recherchiere und Artikel dazu schreibe.
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