Jamaika schult Polizisten im Kampf gegen Kinderarbeit

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Führt die Legislative ein Gesetz gegen Kinderarbeit ein, so denkt man oft, das Problem wäre bereits gelöst. De facto gibt es  jedoch eine Vielzahl an Hindernissen bei der Umsetzung dieser Normen. Und selbst wenn die Normen richtig angewendet werden und eventuell Betroffene aus den Fängen der Kinderarbeit gerettet werden, so ist die Gefahr noch nicht zu Ende.

„Unser Sozialsystem ist bereits überbeansprucht…was tun wir also mit dem Kind? Wir haben die Pflicht, es zu beschützen…also stecken wir das Kind in eine Situation, die positiver ist als die zuvor, oder nicht?“, skizziert Nasolo Thompson von der ILO das Problem.1)

Knapp 50.000 Kinder zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten in Jamaika, das entspricht einem Anteil von 8,4%. Viele von ihnen leben auf der Straße und arbeiten als Verkäufer oder betteln. Andere arbeiten wiederum in der Landwirtschaft, in der Fischerei oder auf Baustellen. Besonders problematisch ist der vorherrschende Kinderhandel, wodurch viele der Betroffenen sexuell ausgebeutet und in die Prostitution verkauft werden oder für Kinderpornographie missbraucht werden.2)

Zudem werden viele Kinder auch früh verheiratet – UNICEF schätzt die Zahl auf 9.000 Betroffene. Überhaupt keine Statistiken gibt es zu den Minderjährigen, die auf der Straße in die Fänge der organisierten Kriminalität geraten und für Gangs Aufgaben im Bereich des Raubs, der Erpressung und des Drogenhandels übernehmen müssen.3)

Hauptursache sind wie so oft finanzielle Aspekte – 75% aller Kinderarbeiter geraten aufgrund von Armut in ihre missliche Lage.

Die Gesetzeslage ist in diesem Bereich eindeutig. Jamaika hat alle ILO-Konventionen zu Kinderarbeit ratifiziert – damit wird u.a. Zwangsarbeit verboten und das Mindestarbeitsalter auf 15 Jahre (bei gefährlichen Arbeiten: 18 Jahre) festgelegt. Auch UN-Konventionen, welche die Rechte des Kindes schützen und u.a. Kinderhandel, -prostitution und –pornographie verbieten, wurden unterzeichnet.2)

Und dennoch sind die Gegenmaßnahmen noch nicht so effektiv, wie sie sein könnten. „Viele Polizeikräfte sind sich nicht sicher, wie sie mit Kinderarbeit umgehen sollen“, erklärt Thompson. „Sie sind sich nicht sicher, wann welche Gesetze unter welchen Umständen angewendet werden müssen, und selbst wenn sie es wissen, sind sie sich nicht sicher, welche Abläufe eingeleitet werden müssen, um der Situation angemessen zu begegnen.“ Besonders über die ILO-Konventionen herrscht noch viel Unkenntnis.1)

Um dies zu beheben, fand nun ein dreitägiger Workshop im Alhambra Inn in der Hauptstadt Kingston statt. Dieser richtete sich vor allem an Polizisten aus den urbanen Gebieten – das schließt neben Kingston vor allem die Städte St. Andrew und St. Catherine mit ein. Ziel des Trainingsprogramms ist, neben der Information der Teilnehmenden über die bestehende Rechtslage und über Kinderarbeit an sich, die Entwicklung von Strategien im Kampf gegen Kinderarbeit.1)

Der Workshop findet im Rahmen des sogenannten TACKLE-Programms (Tackling Child Labour Through Education) – übersetzt: Bekämpfung von Kinderarbeit durch Bildung – statt. Dieses wird von der ILO mit finanzieller Unterstützung der EU geführt. Neben Jamaika nehmen 10 andere Länder daran teil: Angola, Kenia, Madagaskar, Mali, Sierra Leone, Sambia, Guyana, Fidschi, Papua-Neuguinea und der Sudan.4)

  1. Cops get training on child labour issues – Jamaica Observer – aufgerufen am 22.03.2013 [] [] []
  2. 2012 Findings on the Worst Forms of Child Labor – Jamaica – U.S. Department of Labor – Englisch – aufgerufen am 23.05.2014 [] []
  3. Assessment of Implementation and Enforcement Machineryto Combat Child Labour in JAMAICAILO – PDF-Datei – Seite 5 – Englisch – aufgerufen am 22.03.2013 []
  4. Tackle child labour through educationILO – PDF-Datei – Englisch – aufgerufen am 22.03.2013 []
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