Kinderboxer in Thailand

Bild: © n.v. -

Anlässlich der großartigen Fotoreportage „Die Kampfkinder“, für die die Fotografin Sandra Hoyn aktuell mit dem diesjährigen Henri Nannen Preis ausgezeichnet wurde, wollen wir einen Blick auf diese extreme Form der Kinderarbeit werfen: Kinderboxer in Thailand. Kinderkämpfe werden in Thailand aus einer langen Tradition heraus für Touristen, aber auch für wettwillige Einheimische organisiert.

Gute Boxer können große Berühmtheit erlangen und haben finanziell ausgesorgt. Deshalb werden selbst sehr junge Kinder im Alter von sechs Jahren von ihren Eltern häufig aus ländlichen Gebieten im Nordosten Thailands nach Bangladesch oder in andere Größstädte in sogenannte Trainingscamps geschickt. Die Chance, einmal wirklich Profi zu werden, hat nur ein Kind, das von klein an hart trainiert und täglich an seine psychischen und physischen Grenzen stößt. Aber auch Kinder, die mit Beginn der Pubertät aufhören zu kämpfen – immerhin beträgt deren Anteil 80% – sorgen mit ihrem Verdienst für ein Einkommen in ihren oft hoch verschuldeten Familien.

Es gibt kein Mindestalter für die Schaukämpfe und auch jüngere Mädchen dürfen teilnehmen. Die Kinder trainieren in den Camps drei bis fünf Stunden täglich. Zusätzlich müssen sie bei Außentemperaturen um die 30° Celsius eine Stunde lang joggen. Es ist extrem wichtig, dass sie ihr Gewicht halten – ein paar hundert Gramm zuviel müssen sofort abtrainiert werden, notfalls durch Schwitzen. Da kann es vorkommen, dass ein 10jähriger von seinem Trainer gezwungen wird, stundenlang in einem überhitzten Auto zu sitzen, ohne trinken zu dürfen, bis das Gewicht passt.

Annan Chalerm leitet eines dieser Boxcamps mit harter Hand. Bei Verletzungen gibt es keine Auszeit, damit sich die Kinder an die Schmerzen gewöhnen und  abhärten: „Jetzt sind sie noch Kinder und man kann sie zwingen, weiterzutrainieren, wenn sie keine Lust haben […]“ Diese Aussage widerspricht dem Prinzip der Freiwilligkeit, auf das sich viele Trainer in Thailand berufen.

Unmittelbar vor den Kämpfen werden die Kinder emotional aufgepeitscht. Neben den physischen Strapazen stellt sich hier die Frage nach der psychischen Belastbarkeit eines kleinen Kindes auch im Zusammenhang mit den Schuld- und Schamgefühlen angesichts der hohen Erwartungshaltung, wenn es den Kampf verliert und den Eltern kein Geld abliefern kann. Es sind nur umgerechnet zwei Euro pro Kampf, die die Kinder verdienen. Der Preis ist sehr hoch: Neben den alltäglichen Entbehrungen, den Schmerzen und Trainingsverletzungen wie Platzwunden und Prellungen kann es zu bleibenden Gehirnschäden sowie Lähmungen kommen.

Link zum Beitrag bei Galileo, Pro 7  (27.08.2012)

Link zur Fotoreportage von Sandra Hoyn im missio magazin 6/2011

Über nikoletta / EarthLink

Projektmitarbeiterin: „Drogen und Entwicklung“, „Facing Finance“, „Aktiv gegen Kinderarbeit“, „Fluchtgrund“. Praktikanteneinarbeitung und -betreuung, Betreuung von Bundesfreiwilligen, Beantragung von Fördermitteln, Blogeinträge, Recherche

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