Misshandlung und Rekrutierung: UN prangern Verbrechen gegen syrische Kinder an

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Drei Jahre ist es inzwischen her, dass syrische Oppositionelle sich gegen das Regime stellten. Der anfangs friedliche Protest entwickelte sich jedoch zu einem blutigen Bürgerkrieg. Über 120.000 Tote forderte er bislang1) – darunter mehr als 10.000 Kinder. Jetzt legt ein Bericht der Vereinten Nationen detailliert das Elend der Kinder in dem Bürgerkrieg offen. Die Ermittler erheben schwere Vorwürfe gegen beide Konfliktparteien: Regierungstruppen sollen Kinder misshandelt haben, Aufständische dagegen sind angeklagt sie für den Kampf zu rekrutieren.2)

Dem Bericht zufolge begehe die syrische Regierungsarmee seit Beginn des Syrienkonflikts Menschenrechtsverletzungen an Kindern. Sie soll Kinder willkürlich erschossen oder verhaftet haben. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon macht Regierungskräfte öffentlich verantwortlich „für die willkürliche Festnahme und Folter von Kindern aufgrund einer vermuteten oder tatsächlichen Verbindung zur Opposition“.3) Um Geständnisse von Verwandten oder Angehörigen zu erzwingen sollen sogar Elfjährige mit Schlägen, vorgetäuschten Hinrichtungen oder Schlafentzug gefoltert worden sein. Zeugen zufolge misshandelten Regierungskräfte unzählige Kinder sexuell, mit Stromschlägen oder mit Metallkabeln als Peitschen. Einige Jugendliche starben, als Armeeangehörige mit Hämmern auf sie einschlugen.4) Der Stellvertreter des syrischen Außenministers jedoch wehrte die Ergebnisse der Ermittlungen ab. Auf der Genfer Friedenskonferenz bezeichnete er die Anschuldigungen als „Gerüchte“.

Auch die Rebellen weisen die ihnen vorgeworfenen Verbrechen an Kindern zurück.3) Die Ermittler der Vereinten Nationen klagen in dem Bericht besonders die Freie Syrische Armee und kurdische Milizen an, zahlreiche Jugendliche für die Kämpfe zu rekrutieren. Sogar in den Nachbarländern, vor allem in Flüchtlingscamps, sollen die Rebellengruppen Soldaten anwerben.4) Speziell für die Kinderrekrutierung gäbe es zwar keine Maßnahmen, doch das Alter der Bewerber würde nicht überprüft. „Viele Jungen sagten, es sei ihre Pflicht, sich den Aufständischen anzuschließen“, so die Ermittler.3)

Auch die miserablen Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten bewegten wohl viele geflohene Jugendliche dazu, an der Seite der Rebellen in dem Kampf zu ziehen: Nur jedes vierte syrische Flüchtlingskind geht derzeit in die Schule.5) Eine Million syrische Kinder sind auf der Flucht, die meisten kommen in den Nachbarstaaten unter.6) Die Menschen leben dort in Camps in dichtgedrängten Zelten, die Grundversorgung und die Hygiene sind miserabel.7) Laut einer unserer Leserinnen, die sich derzeit in Beirut aufhält, nutzen in letzter Zeit auch einige „Sextouristen“ die sich zusehends verschlechternde Situation der Flüchtlingskinder aus. Für umgerechnet 2000 € werden syrische Mädchen für eine Zwangsheirat an ältere Männer verkauft. Die Leserin startete deshalb eine Petition auf Avaaz.org, um Zwangsehen syrischer Flüchtlingskinder zu stoppen. Die Petition finden Sie hier.

„Das Leid der Kinder in Syrien seit Beginn des Konflikts ist unaussprechlich und inakzeptabel“, schreibt Ban Ki Moon in dem Bericht der Vereinten Nationen. Er drängt auf ein sofortiges Ende der Gewalt und fordert die Konfliktparteien auf, „ohne Verzögerung alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte der Kinder in Syrien zu schützen.“2)

 

  1. Salzburger Nachrichten: Bereits mehr als 120.000 Tote in Syrien []
  2. Süddeutsche Zeitung: Unicef berichtet von Gräueltaten an Kindern ; aufgerufen am 05.02.2014 [] []
  3. Zeit online: UN werfen Bürgerkriegsparteien Verbrechen gegen Kinder vor; aufgerufen 05.02.2014 [] [] []
  4. Spiegel:  Opfer des Bürgerkriegs: Uno prangert Gräueltaten an syrischen Kindern an; aufgerufen am 05.02.2014 [] []
  5.  Spiegel: Syrische Flüchtlinge im Libanon: Nur jedes vierte Kind kann in die Schule; aufgerufen am 05.02.2014 []
  6.  Spiegel:  Opfer des Bürgerkriegs: Uno prangert Gräueltaten an syrischen Kindern an; aufgerufen am 05.02.2014 []
  7. Caritas: Syrien: Humanitäre Hilfe im Konflikt; aufgerufen am 05.02.2014 []

Über anila / earthlink

Im Sommer 2013 habe ich mein Abitur gemacht. Vor meinem Studium leiste ich meinen Bundesfreiwilligendienst bei EarthLink. :)

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