Bald beginnt die Ernte und Kinderarbeit in der Türkei geht weiter

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Auch heute gibt es noch fast eine Million Kinderarbeiter in der Türkei. Und das, obwohl die Regierung des Landes 2004 einen Aktionsplan im Rahmen ihrer Verpflichtungen gegenüber der International Labor Organization (ILO) vorbereitet hat. Das Ziel war es noch im selben Jahr, Kinderarbeit in der Möbelindustrie, auf den Straßen und in der saisonalen Landwirtschaft zu beenden.1)

Ankara war nicht erfolgreich. Das Datum des Aktionsplanes wurde zunächst auf das Jahr 2015 verschoben und schließlich auf 2016 verlegt. Die Situation soll sich in den letzten Jahren sogar noch verschlechtert haben. Von 2006 bis 2012 scheint die Anzahl der Kinderarbeiter um 3 000 Arbeiter gestiegen zu sein.1)

Türkisches wie internationales Recht verbietet es Kindern unter 15 Jahren zu arbeiten.1) Zudem besteht in der Türkei eine zwölfjährige Schulpflicht.2) Deshalb beklagt Melis Alphan, eine Autorin der Hürriyet Daily News, es sei relativ einfach, Kontrollen zum Schutz der Kinder durchzuführen, aber es mangele an der Entschlossenheit. Käme ein Kind nicht zur Schule, müssten Fragen gestellt werden und es müsste geprüft werden, ob diese Kinder einer Arbeit nachgingen. Es mangele nicht an den Mitteln, sondern am Willen, das Gesetz gegen Kinderarbeit zu implementieren.1)

Laut einer Datenerhebung über das Jahr 2012 findet die meiste Kinderarbeit in der Türkei in der Landwirtschaft statt, gefolgt von Dienstleistungen und Industrie. Die Arbeitsquote der sechs bis 17-jährigen lag bei 5,9 Prozent. Immerhin 2,6 Prozent der sechs bis 14-jährigen arbeiteten, das machte 292 000 Kinder aus.3)

Die Situation der Wanderarbeiter und saisonalen Arbeiter in der Türkei ist schlecht. Sie sind teilweise sehr arm und brauchen das Einkommen ihrer Kinder zum Überleben. Die Plantagenbesitzer interessieren sich nicht für das Alter der Arbeiter. So kommt es, dass Kinder von Wanderarbeitern mit ihren Eltern ihr Zuhause verlassen und drei bis sechs Monate in Zelten mit acht bis zehn Menschen leben. Sie arbeiten dann Vollzeit auf dem Feld und haben nur einmal in der Woche die Möglichkeit, sich zu waschen. Diese Menschen arbeiten auch am Wochenende, erhalten weniger als den Mindestlohn und haben keine sozialen Sicherheiten oder Rentenansprüche.1)

Einer der landwirtschaftlichen Bereiche, in dem Kinderarbeit stattfindet, ist der Haselnussanbau. 2011, so wird geschätzt, waren zehn Prozent der Arbeitskräfte bei der Haselnussernte Kinder.4) Aus der Türkei kommen 70 Prozent der weltweiten Haselnussernte. Ein Großteil davon findet seinen Weg nach Europa und wird in Süßwaren verarbeitet.5)

UTZ Certified beginnt nun eine dreijährige Initiative für nachhaltigen Haselnussanbau in der Türkei. Ziel ist es, gewisse Nachhaltigkeitsstandards einzuführen. Das Projekt wird in den Regionen Trabzon und Giresun im Nordosten des Landes sowie in Duzce im Nordwesten durchgeführt. Angeblich nehmen rund 175 Betriebe werden an der Initiative teil. Han De Groot, Executive Director von UTZ Certified erklärte: „Wir bei UTZ […] gehen davon aus, dass wir Anfang 2016 die erste zertifizierte Haselnussproduktion auf den Markt bringen können“.5)

Es wird allerdings auch durchaus Kritik an UTZ Certified geübt. Mehr Informationen finden Sie hier.

  1. Hürriyet Daily News, 05.05.14: Child labor; the invisible problem – aufgerufen am 05.05.14 [] [] [] [] []
  2. Auswärtiges Amt, März 2014: Kultur- und Bildungspolitik, Medien – aufgerufen am 06.05.14 []
  3. Turkish Statistical Institute, 02.04.13: Child Labour Force Survey, 2012 – aufgerufen am 05.05.14 []
  4. Confectionery News, 17.04.14: Chocolatiers back project for world’s first certified sustainable hazelnuts – aufgerufen am 05.05.14 []
  5. Presseportal, 25.04.14: UTZ Certified startet Initiative in der Türkei zum nachhaltigen Haselnussanbau – aufgerufen am 05.05.14 [] []

Über Carina / earthlink

Mein Name ist Carina und ich bin 24 Jahre alt. Ich habe im April 2014 mein Bachelorstudium der Politikwissenschaften (Nebenfach Rechtswissenschaft) abgeschlossen und mache nun ein Praktikum bei earthlink e.V.
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