Europäischer Profifußball: Der Handel mit minderjährigen Talenten blüht

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Nach der Weltmeisterschaft sieht sich Brasilien mit der Aufgabe konfrontiert, die Fußballstrukturen des Landes grundsätzlich zu ändern. Der brasilianische Sportminister Aldo Rebeo beklagt insbesondere, dass „Brasilien seine Talente schon verliert, wenn sie noch Kinder sind.“ Zwar sind Auslandswechsel unter 18 Jahren grundsätzlich verboten, so ist es von der FIFA vorgeschrieben, doch viele europäische Fußballklubs würden dies umgehen. „Sie holen die Eltern. Und die Kinder gehen natürlich mit. Das machen die Vereine in Barcelona, Madrid und München so.“ Was den FC Bayern München betrifft, so hat sich der Verein seit ein paar Jahren aus dem Südamerika-Scouting gänzlich zurückgenommen. In Barcelona ist das Thema jedoch weitaus präsenter.1) Der spanische Klub gilt als die Maxime im Weltfußball. Vor einigen Monaten wurde dem Verein von der FIFA eine Transfersperre verhängt, da er mit minderjährigen Fußballern handelte.

Aber auch Fälle in vielen anderen europäischen Vereinen sind bekannt. Kinderhandel im Fußball ist ein florierendes Geschäft. Die jungen Spieler sind für zahlreiche Klubs eine Art Investment. Man erhoffe sich viele zukünftige Topspieler, die den Vereinen Erfolge bringen und viel Geld in die Kassen spülen. Nicht immer werden von den Fußballvereinen auch die Eltern ins Land geholt. Häufig verlassen die Kinder ihre Heimat alleine in Richtung Fußballparadies. In ihren Heimatländern sind die Optionen zumeist in keinster Weise so attraktiv. Deshalb erhoffe man sich in Europa einen sozialen Aufstieg, von welchem auch die ganze Familie profitiert. Dass es kritisch ist, wenn Kinder und Jugendliche aus ihrem familiären Umfeld gerissen werden, wird von den Vereinen nicht bedacht.

Besonders begehrt bei europäischen Fußballklubs: Afrikanische Kinder. „Tausende Talentscouts durchkämmen die provisorischen Fußballplätze in Afrika, immer auf der Suche nach dem einen fantastischen Spieler, der dem Scout zu Reichtum verhelfen kann“, so die norwegischen Journalisten Lars Madsen und Jens Johansson in ihrem Buch über Kinderhandel im Fußball („Der veschwundene Diamant“). Zwischen sechs und sieben Millionen Euro werden für solche Wunderspieler bezahlt. Daraus sei eine richtige Industrie um Fußballtalente geworden. Den beiden Journalisten nach hielten sich ca. 20.000 Kinder in Europa auf, denen eine glorreiche Zukunft versprochen wird, welche für die Kinder allerdings in den meisten Fällen nie eintreten wird. Nur den allerwenigsten gelingt tatsächlich eine Profikarriere. Wenn ihnen nach dem geplatzten Traum keine Rückkehr in ihre Heimat gelingt, enden viele auf der Straße, arbeiten illegal oder prostituieren sich. Sind sie für die Vereine nicht mehr interessant, werden sie fallen gelassen.

Mittlerweile gibt es Unternehmen, die Talente scouten und an die Vereine die Geldsumme für einen vorgesehenen Spieler-Transfer geben. Dafür sichern sich die Unternehmen das Recht, zu einem bestimmten Anteil am Weiterverkauf des jeweiligen Spielers mitzukassieren. „Ein Kind zu bezahlen, damit es gegen einen Ball tritt, unterscheidet sich kaum davon, ein Kind zu bezahlen, am Fließband zu arbeiten. In beiden Fällen handelt es sich um die Ausbeutung von Minderjährigen“, so der Präsident des europäischen Fussballverbandes UEFA Michel Platini. Was man jedoch gegen diese Ausbeutung tun könne, ließ Platini nicht verlauten. Die FIFA versucht zwar, alle Kindertransfers zu überwachen, jedoch schaffen es viele Klubs, die Regeln des Verbandes zu unterlaufen. Alle Aktivitäten der Fussballvereine zu kontrollieren sei zudem schlicht und einfach nicht machbar.2)

  1. OVB online: Brasilien erhebt Vorwürfe gegen den FC Bayern – zuletzt aufgerufen am 25.07.2014 []
  2. The Huffington Post: Kinderhandel – das schmutzige Geschäft mit Minderjährigen im Fußball – zuletzt aufgerufen am 25.07.2014 []

Über julia / earthlink

Hallo, ich bin Julia und studiere momentan Politik und Recht in München. Bei earthlink möchte ich ein bisschen Erfahrung in Sachen NGO-Arbeit sammeln :)

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