Menschenhandel: Internationaler Druck auf Indien weiterhin erforderlich

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Jedes Jahr verschwinden mehr als 8 Millionen Kinder weltweit. In Indien sind es pro Stunde 11 Kinder, sieben davon kehren nie wieder zurück. Die meisten von ihnen enden als Sklaven. Vor allem Mädchen und Frauen sind vom Menschenhandel betroffen. Von 2005 bis heute wurden offiziell 300.000 indische Frauen und 64.000 indische Mädchen entführt. Diese stammen in den meisten Fällen aus den ärmeren Gegenden Indiens. Anlässlich des Ende Juni erschienenen Trafficking in Persons (TIP) Report der USA ist fraglich, warum Indien dieses Jahr erneut nicht auf der Beobachtungsliste des TIP Berichts landete.1) Dieser soll Auskunft darüber geben, welche Länder daran scheitern, Mindeststandards im Kampf gegen Menschenhandel zu setzen. Die U.S. Regierung nutzt diesen Bericht, um mit anderen Regierungen in einen Dialog zu treten und Reformen gegen Menschenhandel voranzutreiben. Indien befindet sich lediglich auf dem zweiten Rang (Tier 2, insgesamt vier Ränge), der von solchen Ländern besetzt wird, die sich nicht komplett an die vom TIP vorgesetzten Mindeststandards halten, dahingehend jedoch Fortschritte machen. Vor vier Jahren war Indien noch auf der Beobachtungsliste (Tier 2 Watchlist).2)

Haben sich die Zustände in Indien über diesen Zeitraum wirklich zum Positiven verändert? Aktuellen Statistiken nach scheint dies nicht der Fall zu sein.
Laut einer Kinderrechtsorganisation aus Neu Delhi stiegen die Entführungen von Mädchen im oben genannten Zeitraum ungefähr um 23 Prozent. Der illegale Handel mit Menschen produziert jährliche Gewinne von 150 Milliarden Dollar. Experten zufolge sind Millionen von indischen Frauen und Kindern Opfer von Sexhandel. Das Ausmaß des Menschenhandels in Indien gilt als noch verheerender im Vergleich zu Thailand oder Malaysia, welche sich dieses Jahr im Gegensatz zu Indien auf der Beobachtungsliste befinden. Wenn es darum geht, Menschenhändler strafrechtlich zu verfolgen, versagt das indische Rechtssystem trotz vermehrten Bemühungen nach wie vor. Nur wenige Menschenhändler werden strafrechtlich verurteilt. Oftmals arbeiten Staatsanwälte und Polizei mit den Menschenhändlern zusammen. Letztere sind darüber hinaus besser denn je organisiert. In manchen Fällen werden bestehende Gesetze auch gegen die Opfer von Menschenhandel verwendet, diese landen auch schon einmal wegen Prostitution im Gefängnis. In vielen Fällen werden Opfer mit unangenehmen Fragen gelöchert, um sie dazu zu bringen, die Klage fallen zu lassen.1)

Ob der Schritt, Indien nicht auf die Beobachtungsliste zu setzen und somit den internationalen Druck auf Indien hinsichtlich der Bekämpfung von Menschenhandel zu verringern, sinnvoll erscheint, ist stark zu bezweifeln.
Hier der komplette TIP Bericht 2014: http://www.state.gov/j/tip/rls/tiprpt/2014/index.htm

  1. Gulfnews.com: India must step up fight against human trafficking. http://gulfnews.com/opinions/columnists/india-must-step-up-fight-against-human-trafficking-1.1356923, 07.07.2014 [] []
  2. U.S. Department of State: Trafficking in Persons Report. http://www.state.gov/j/tip/rls/tiprpt/ []

Über julia / earthlink

Hallo, ich bin Julia und studiere momentan Politik und Recht in München. Bei earthlink möchte ich ein bisschen Erfahrung in Sachen NGO-Arbeit sammeln :)

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