Kind oder Kleinwagen?

Bild: © ameestauffer - Morguefile

„Wie bestellt und nicht abgeholt“. Ein Fall aus Thailand löst kontroverse Diskussionen zum Thema Leihmutterschaft aus:
Ein australisches Paar bot einer Thailänderin eine erhebliche Summe, um sich einen Wunsch zu erfüllen – ein Kind. Sie sollte als Leihmutter fungieren – für Geld. Bei einer pränatalen Untersuchung ein paar Monate später zeigte sich, dass die 21-Jährige Zwillinge bekommen würde und eines davon schwer behindert zur Welt kommen würde. Das Paar bat die Frau, den behinderten Embryo abzutreiben, doch die Schwangere verweigerte dies aufgrund ihres buddhistischen Glaubens. Nach der Geburt nahmen die Wunscheltern nur die gesunde Zwillingsschwester mit und ließen den Jungen, der das Down-Syndrom hat, bei der leiblichen Mutter zurück.1)

Bei diesem Vorfall könnte es sich auch um ein Auto oder Möbelstück handeln, bei welchem die Abnahme verweigert wird, da es Mängel aufweist und nicht dem gewünschten Qualitätsanspruch entspricht. Ebenso das Baby – es entspricht nicht den Erwartungen und wird nicht mitgenommen – eine gewisse Ähnlichkeit, nicht? Ein Kind, das zum Produkt degradiert wird? Nimmt das Prozedere der Leihmutterschaft schon Züge von Kinderhandel an?
Kinder sollen keine käufliche Ware sein, argumentieren Kritiker und bezeichnen Leihmutterschaft als Kinderhandel.
Leihmutterschaft gehört nicht dazu, meinen Befürworter, da hierbei nicht Kinder gekauft, sondern Gebärmütter verliehen würden. Organe darf man dauerhaft spenden, warum also nicht auch eine temporäre Bereitstellung der Gebärmutter.

Im Vergleich zu den USA sind vor allem in Indien und Thailand die Preise besonders niedrig, hier wird sogar schon von einem regelrechten „Reproduktionstourismus“ gesprochen. Doch auch dort handelt es sich immer noch um fünfstellige Beträge. So sind es meist sehr wohlhabende Kunden aus westlichen Industrienationen, die sich ihren Kinderwunsch erfüllen können.2)

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten. Im bürgerlichen Gesetzbuch ist festgeschrieben: Die Frau, die das Kind geboren hat, ist die Mutter des Kindes. Durch das Verbot soll vor allem die Beziehung zwischen Mutter und Kind, die sich während der Schwangerschaft entwickelt, geschützt werden. Natürlich gibt es auch viele Gefahren, die eine Leihmutterschaft mit sich bringen kann, psychische als auch physische.  Gerade weil viele Frauen sich aus finanzieller Not dazu entschließen, sich als Leihmutter anzubieten, verschiebt sich eine Auseinandersetzung mit den Folgen in den Hintergrund. Und wird nicht gerade diese finanzielle Not ausgenutzt, um das Gesetz im eigenen Land zu umgehen. So ist in Australien eine freiwillige Ersatzschwangerschaft erlaubt, bei welcher aber nur die medizinischen Kosten erstattet werden dürfen. Diese Regelung hat durchaus seinen Sinn, eben den Handel von Kindern gegen Geld nicht zu unterstützen.
Trotz der restriktiven Gesetzeslage in Deutschland finden immer mehr Paare die Erfüllung ihres Kinderwunsches im Ausland. Die Klinik für Reproduktionsmedizin BioTexCom in der Ukraine ist eine häufige Anlaufstelle für kinderlose Paare aus Deutschland. Allein im Jahr 2012 hat BioTexCom 115 Leihmutterschaften vermittelt, einen großen Teil an deutsche Paare.3)

Die Möglichkeit der Leihmutterschaft ist für viele Paare, welche selbst keine Kinder bekommen können, natürlich die Erfüllung eines großen Wunsches. Doch ist die Austragung eines Kindes wirklich bezahlbar? Insbesondere wenn die leibliche Mutter dies aus finanziellen Gründen tut. Trägt der Austausch von Kindern gegen Geld somit nicht doch einen „Hauch zu viel Kinderhandel“ mit sich?

  1. welt: Paar lässt leihmutter mit behindertem Baby sitzen. erschienen am: 02.08.14, aufgerufen am: 19.08.14 []
  2. nzz: Kind als Produkt? erschienen am 12.08.14, aufegrufen am 20.08.14 []
  3. faz: leihmutterschaft: Käufliches Elternglück. erschienen am: 30.05.13, aufgerufen am: 19.08.14 []

Über jana / earthlink

Hi! Mein Name ist Jana, ich studiere Politik und Interkulturelle Studien in Regensburg. Um mehr Erfahrung im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln, mache ich derzeit ein Praktikum bei earthlink e.V. :)

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