Deutschland bricht UN-Kinderrechtskonventionen

Bild: © Lucidwaters - Dreamstime.com

Bildungszugang, Beratung und Unterstützung, Privatsphäre, Integration- Fehlanzeige. Flüchtlingskinder werden in Deutschland oft vergessen, auch von Jugendhilfe und -ämtern. UNICEF hat die Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland untersucht. Der Bericht „Flüchtlingskinder in Deutschland“ unterstreicht das, was von Flüchtlingsorganisationen seit einigen Jahren massiv kritisiert wird. Das Urteil der Autoren ist vernichtend: „Deutschlands Umgang mit den Flüchtlingskindern verletzt die UN-Kinderrechtskonventionen.“

Eines der Kinder, die von UNICEF zu ihrer Lebenssituation befragt wurden, ist Ehmal. Ehmal ist zehn Jahre alt, als er seine Familie bei der Flucht aus Afghanistan verliert. Alleine schlägt er sich nach Hamburg durch. Doch selbst dort enden die Hindernisse für ihn noch lange nicht. Eher ähnelt es einem Hürdenlauf ohne Ende. Mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern lebt Ehmal in einem Raum. Sprach- oder Integrationsförderung bekommt er nicht, vieles bringt er sich darum selbst bei.1)

Der Bericht stellt heraus, dass sich die eh schon minderen Asylbewerberleistungen (AsylbLG) noch diskriminierender auf die Kinder auswirken und die Situation, der die Kinder ausgeliefert sind, ihrer Entwicklung schadet. Die medizinische Versorgung und der Zugang zur Bildung sind eingeschränkt, spezifische Fluchtgründe bleiben oft unaufgeklärt. Die Kinder werden oft über Jahre lang in Flüchtlingslagern untergebracht. Es sind enge und kleine Räume und dazu meist Gemeinschaftsunterkünfte. Bäder und Küche werden neben der Familie noch oft mit weiteren Personen geteilt. Die den Flüchtlingen zustehende Mindestquadratmeterzahl liegt weit unter dem Niveau von Hartz IV-Empfängern. Privatsphäre gibt es nicht. Gerade bei Pubertierenden ist das, zufolge der Experten, ein schwerer Einstich in die Kindesentwicklung. Ihre Schulfreunde möchten die Kinder an diesen Ort sicher nicht einladen. Das Flüchtlingsleben wirkt stark stigmatisierend auf die Kinder. UNICEF fordert u.a. aus diesen Gründen eine Unterbringung in Wohnungen.

Der Studie zufolge verstoßen viele deutsche Behörden gegen die UN-Kinderrechtskonventionen. Diese Bestimmungen gelten für alle Menschen unter 18 Jahren und wurde 1992 von Deutschland ratifiziert. Nicht selten kommt es vor, dass Behörden die Flüchtlingskinder in den Dokumenten älter machen als sie eigentlich sind, dadurch fällt die ein oder andere staatliche Leistung weg. Die Kinder haben meist keine Ausweise mehr bei sich, deswegen wird das Alter oft nur geschätzt.

Auch bei den Asylverfahren wird oft nur oberflächlich gearbeitet. Kinderspezifische Fluchtgründe, wie Drohung der Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten, Zwangsheiraten oder innerfamiliäre Konflikte, werden meist nicht beachtet. Die schlimmste Folge: Die Flüchtlingsfamilien werden abgeschoben, da häufig nur überprüft wird, ob die Eltern in Lebensgefahr sind. Dazu droht ihnen, in andere europäische Länder, wie Bulgarien, Malta, Zypern, Italien abgeschoben zu werden, wo ihnen häufig Obdachlosigkeit, Inhaftierungen, sowie eine fehlende medizinische Versorgung drohen. Dieser Umstand ist auf die Dubliner II- Verordnung zurückzuführen, welche besagt, dass die Asylverfahren in dem Mitgliedsstaat der Europäischen Union überprüft werden müssen, welchen die Flüchtlinge als erstes betreten haben.

Vor allem der psychische Druck, der auf den Kindern lastet, ist gravierend. Die alltägliche Unsicherheit, ob sie in Deutschland bleiben dürfen und wenn wie lange? Ob sie bald von ihrer Familie getrennt werden? Von einem auf den anderen Tag können die Behörden beschließen, sie abzuschieben, ohne Vorwarnung. Bis die Flüchtlinge eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, vergehen oft Jahre. Studien von UNICEF belegen, dass Ende 2013 25.000 Kinder und Jugendliche nur einen Duldungs-Status in Deutschland hatten. 40. 000 befanden sich in einem Asylverfahren. UNICEF fordert eine Reformierung des Asylrechts. Den Flüchtlingskindern und ihren Familien muss auf einem schnelleren Weg der Aufenthalt bewilligt werden.2)

  1. spiegel: unicef-kritisiert-deutschlands-umgang-mit-kindern.  zuletzt geöffnet am: 10.09.14 []
  2. proasyl: fluechtlingskindern-in-deutschland-alleingelassen-und-ausgegrenzt. zuletzt aufgerufen am: 10.09.14 []

Über jana / earthlink

Hi! Mein Name ist Jana, ich studiere Politik und Interkulturelle Studien in Regensburg. Um mehr Erfahrung im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln, mache ich derzeit ein Praktikum bei earthlink e.V. :)
Dieser Beitrag wurde unter sonstiges abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.