Irak: Hunderttausende können nicht zur Schule gehen

Bild: © DFID - UK Department for International Development - Wikimedia Commons

Letzte Woche hat im Irak das neue Schuljahr begonnen. Dennoch werden hunderttausende Kinder den Unterricht nicht besuchen können. Aufgrund der seit Monaten andauernden Offensive islamistischer Terrormilizen sind große Teile der Bevölkerung auf der Flucht und müssen häufig in provisorischen Notunterkünften unterkommen.1)

Im Juni dieses Jahres begannen die Kämpfer des Islamischen Staates mit der Erstürmung der Stadt Mossul ihre Offensive im Irak. Bis dato kannte man die Organisation nur als Partei im syrischen Bürgerkrieg, wo sie an Kämpfen gegen das Assad Regime, sowie gegen andere Oppositionsgruppen wie der Freien Syrischen Armee beteiligt war. Bei ihrem Vordringen in irakische Gebiete ist die sunnitische Terrormiliz mit äußerster Brutalität vorgegangen und durch grausame Massaker an Zivilisten aufgefallen. Oft ließen die Dschihadisten Angehörigen von religiösen Minderheiten nur die Wahl zwischen der Konversion zum Islam und dem Tod. Dies veranlasste große Teile der Bevölkerung zur Flucht.

Inzwischen wurden etwa 1,8 Millionen Iraker aus ihren Heimatgebieten vertrieben, wovon ein großer Teil in der autonomen Region Kurdistan Zuflucht gefunden hat. Durch den Mangel an Kapazitäten zur Aufnahme von Flüchtlingen werden inzwischen hunderte Schulen für deren Unterbringung genutzt. Dies führt dazu, dass nicht nur die Kinder, die auf der Flucht sind, sondern auch die Kinder in den Regionen, die mit großen Flüchtlingsströmen zu kämpfen haben, nicht zur Schule gehen können. Laut Aussagen von lokalen Verantwortlichen wird hart daran gearbeitet, alternative Unterbringungen für die Flüchtlinge zu errichten. Allerdings wird dies noch einige Zeit beanspruchen und auch nach Verlassen der Schulen werden diese nicht sofort einsatzbereit sein. Die massive Belastung der Schulgebäude hat zur Beschädigung von Einrichtungsgegenständen und übermäßigen Benutzung der sanitären Anlagen geführt.2)3)

Nach Angaben von Save the Children werden in diesem Schuljahr über 500.000 Kinder nicht zur Schule gehen können. Die Organisation, sowie auch die UN sind damit beschäftigt, vorübergehende Bildungseinrichtungen zu schaffen.3) Allerdings ist dies auch nur eine kurzfristige Lösung. Auf lange Sicht gesehen ist es essentiell, den Kindern wieder dauerhafte Bildungseinrichtungen bereitzustellen, um zu große Lerndefizite zu vermeiden. Bildung stellt eine der wichtigsten Determinanten für die Vermeidung von Armut und Arbeitslosigkeit dar. Sollte den Kindern über einen längerfristigen Zeitraum der Zutritt zu den Schulen verweht bleiben, könnte dies fatale Folgen für sie selbst und auch zukünftige Generationen haben.

  1. Save the Children: Schulanfang im Irak: 500.000 Kinder können nicht zur Schule gehen – Zuletzt aufgerufen am 17.09.2014 []
  2. Your Middle East: Children face education emergency in Iraq – Zuletzt aufgerufen am 17.09.2014 []
  3. Save the Children: No School for Half a Million Children in Northern Iraq – Zuletzt aufgerufen am 17.09.2014 [] []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.

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