Kinderarbeit in der Türkei breitet sich durch syrische Flüchtlinge weiter aus

Bild: © Grand Parc - Bordeaux, France - Wikimedia Commons

Für viele syrische Familien, die es in das Nachbarland Türkei geschafft haben, hört die Misere auch dort nicht auf. Aufgrund ihrer finanziellen Notlage ist ein bedeutender Anteil der Flüchtlingsfamilien auf das Einkommen ihrer Kinder angewiesen. Laut Angaben von Unicef gehen bis zu 10% der syrischen Kinder in der Türkei einer Beschäftigung nach.

Hazma ist 7 Jahre alt. Bis vor ein paar Monaten lebte er mit seiner Familie in der syrischen Stadt Aleppo, die mit ihrer historischen Altstadt im Jahr 2006 den Titel „Kulturhauptstadt des Islam“ verliehen bekam. Als die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen auch dort ankamen, flüchtete Hazma mit seinen Eltern und seinen zwei Brüdern (12 und 13) in die benachbarte Türkei. Da der Vater aufgrund von Verletzungen keine Beschäftigung findet, müssen alle drei Söhne arbeiten, um die Miete für ihre kleine Wohnung bezahlen zu können. So schuften er und seine beiden Brüder sechs Tage die Woche in einer kleinen Bäckerei in Antakya, oft bis zu 12 Stunden am Tag.1)

Wie Hazma geht es vielen Syrern in der Türkei. Bisher haben in dem Land am Bosporus über eine Million Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien Zuflucht gefunden. Während nur etwa jeder fünfte von ihnen in einem der 22 Flüchtlingscamps betreut wird, ist die überwiegende Mehrheit in den Städten auf sich allein gestellt. Das führt dazu, dass nur ein geringer Teil der Kinder zur Schule gehen kann. Während in den Flüchtlingscamps circa 60% der Kinder eine Schulbildung genießen, sind es außerhalb nur etwas mehr als ein Viertel.1) Auf Grund dessen und der häufig im Krieg erfahrenen Traumata sprechen einige Beobachter schon von einer verlorenen Generation.2)

Doch Kinderarbeit stellt in der Türkei kein neues Phänomen dar. Bereits im April dieses Jahres berichteten wir auf unseren Kampagnenseite über beinahe eine Million minderjährige in Beschäftigungsverhältnissen in der Türkei. Zwar hat das Land die ILO-Konvention bezüglich des Verbots der Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren ratifiziert, jedoch, so bemängeln Kritiker, fehle ein Bewusstsein in der Gesellschaft, sowie ernsthafte Anstrengungen der Regierung, um das Verbot durchzusetzen.3)

So lange die türkische Regierung keine ernsthaften Anstrengungen unternimmt, um Kinder vor Ausbeutung zu schützen, wird sich auch an der Situation der syrischen Kinder nichts ändern. So ist es ebenso die Aufgabe der Bürger in der Türkei, auf die Situation der Kinder aufmerksam zu machen, um sie vor Ausbeutung zu schützen und den Familien gleichzeitig menschenwürdige Alternativen (z.B. durch höhere Löhne) zu ermöglichen. Währenddessen schichtet Hazma vorsichtig einige frisch gebackene Fladenbrote auf der Ladentheke auf.

  1. The Guardian: Syrian refugees trigger child labour boom in Turkey – Zuletzt abgerufen am 03.09.2014 [] []
  2. Spiegel Online: Kinder im Krieg: Syriens verlorene Generation – Zuletzt abgerufen am 03.09.2014 []
  3. Todays Zaman: Child labor in Turkey – Zuletzt abgerufen am 03.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.

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