Situation auf amerikanischen Tabakplantagen: Erster Verband reagiert

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In den USA ist es Kindern unter 18 Jahren verboten, Zigaretten und andere Tabakprodukte zu erwerben. Gleichzeitig dürfen zwölfjährige Kinder ohne zeitliche Begrenzung auf Tabakplantagen arbeiten, wo sie extremen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind. Aufgrund eines Berichts von Human Rights Watch, der die Situation der Kinder beschreibt, könnte sich nun ein Wandel in dieser Thematik abzeichnen.

„Manchmal glaubte ich, ich müsse mich übergeben. Es fühlte sich an, als würde ich gleich in Ohnmacht fallen. Dann hielt ich kurz inne und stützte mich an einer der Tabakpflanzen ab.“ So beschrieb die 13 jährige Elena ihre Situation auf einer Tabakplantage in North Carolina gegenüber Aktivisten von Human Rights Watch. Die Organisation hat im Mai dieses Jahres einen Bericht veröffentlicht, in dem sie die Zustände auf amerikanischen Tabakplantagen anprangert. Dazu hatte sie 141 Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren, die in den letzten Jahren auf solchen Plantagen beschäftigt waren, interviewt. Viele von ihnen berichteten über Arbeitspensen von wöchentlich bis zu 50 oder 60 Stunden in extremer Hitze. Dazu fehle es an Schutzkleidung und Sicherheitstraining.

Laut den Erkenntnissen von Human Rights Watch birgt die Arbeit mit Tabakpflanzen erhebliche Gesundheitsrisiken für die betroffenen Kinder. So wird beispielsweise das giftige Nikotin bei längerem Kontakt mit Tabakblättern durch die Haut absorbiert. Typische Symptome einer dadurch hervorgerufenen Nikotinvergiftung sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Die bisher wenig untersuchten Langzeitfolgen des über die Haut aufgenommenen Nikotins könnten noch deutlich schwerwiegender sein. Dazu kommt der regelmäßige Einsatz von hochgiftigen Pestiziden auf den Plantagen. Einige Kinder berichteten sogar von deren Einsatz während sie auf den Feldern beschäftigt waren. Ein weiteres Risiko stellen die scharfkantigen Werkzeuge dar, mit denen die Tabakpflanzen geerntet werden. Neben der ohnehin schweren Arbeit ist so ein erhebliches Verletzungsrisiko festzustellen.

Bezüglich der Rechtslage stehen die USA im krassen Gegensatz zu führenden Tabakproduzenten wie Brasilien und Indien. In den zuletzt genannten Ländern ist Kindern unter 18 jegliche Arbeit, die im Kontakt mit Tabakpflanzen oder (getrockneten) Tabakblättern steht, untersagt. Im Vergleich dazu reicht in den Vereinigten Staaten lediglich eine Erlaubnis der Eltern, damit Kinder ab 12 Jahren zeitlich uneingeschränkt auf Tabakplantagen arbeiten dürfen. Ab dem 14. Lebensjahr ist selbst diese nicht mehr notwendig. Diese Regelung steht im klaren Kontrast zu anderen Branchen, wo deutlich strengere Beschränkungen gelten. So dürfen Kinder beispielweise in der Gastronomie während der Schulzeit nur 18 Stunden die Woche arbeiten, während es auf Tabakplantagen mehr als 50 sein können (so lange es nicht die Zeit betrifft, wo die Kinder in der Schule sein müssen).1)

Erfreulicherweise gibt es auch einen Lichtblick in dieser Thematik. Denn die „Council for Burley Tobacco“, ein Verband aus Kentucky, der 5000 Tabakbauern vertritt, hat auf den Bericht von Human Rights Watch reagiert und im Juli eine Resolution verabschiedet, die die Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren auf Tabakplantagen untersagt. Zusätzlich ruft sie andere Tabakverbände dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen. Human Rights Watch fordert außerdem den Kongress der Vereinigten Staaten dazu auf, ein Gesetz zu verabschieden, das Minderjährige vor der gefährlichen Arbeit mit Tabakpflanzen schützt. Die Beschäftigung von Kindern in der Tabakindustrie sei nicht notwendig und es brauche sinnvolle Maßnahmen um der gefährlichen Arbeit von Kindern auf Tabakplantagen ein Ende zu bereiten.2)

  1. Human Rights Watch: Tobacco’s hidden children – Hazardous Child Labour in United States Tobacco Farming – Zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []
  2. Human Rights Watch: US: Tobacco Growers act to Protect Child Workers – Zuletzt aufgerufen am 09.09.2014 []

Über Sebastian / earthlink

Hallo, ich bin der Sebastian. Ich komme aus München und habe dort im März mein Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Derzeit engagiere ich mich in einem zweimonatigen Praktikum bei Earthlink.
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