„Sie sollen sich an den Anblick von Blut gewöhnen“ – Kinder in den Fängen des IS

Bild: © wintersixfour - morgueFile

Zwei Wochen bis einen Monat – so lange dauert die Ausbildung in einem IS-Lager. Von diesen Ausbildungsstätten für Kinder gibt es viele. Sie sind gut in Syrien und im Irak verteilt. Jedes Lager beherbergt 40 bis 60 Kinder.1)

Der IS (Islamischer Staat) hat eines erkannt: Die besten Rekruten sind Kinder, sie lassen sich einfach beeindrucken und manipulieren. Deshalb zählt nicht nur militärisches Training zur Ausbildung angehender IS-Kämpfer, sondern auch ideologische Erziehung. „Wir müssen sie trainieren, denn sie werden das vollenden was wir begonnen haben: die Expansion des islamischen Kaliphats“, sagt Abu Dujana.1) Der Salafist aus Bonn predigt den „wahren Islam“ auf Youtube.2) Mit Propaganda-Videos gelingt es dem IS immer wieder neue Anhänger zu rekrutieren – auch aus Europa.3) Die Rekrutierung vor Ort findet nicht selten durch ein Familienmitglied statt.4) An Zulauf mangelt es dem IS nicht. Und doch: es mehren sich Stimmen, die dem IS ein baldiges Ende voraussagen. Experten sprechen vom „Anfang vom Ende“ des Vormarschs der terroristischen Vereinigung. Als Grund gilt der verstärkte Kampf gegen IS-Milizen mit Hilfe internationaler Waffenlieferungen nach Syrien und den USA, der erste Erfolge zeigt. In Kobane, der einst hart umkämpften syrischen Stadt, befinden sich die IS-Terroristen auf dem Rückzug.5) Doch der Anfang vom Ende kann sich noch Monate, wenn nicht Jahre hinziehen, und selbst wenn sich der IS bald auf dem Rückzug befände, bleibt folgendes Problem: was wird aus den jungen IS-Anhängern?

Charlie Winter von der Quilliam Foundation in London spricht in dieser Hinsicht von Gehirnwäsche: „Diese Kinder werden außer dem Djihadismus keinen Bezugspunkt haben. Die Ideologie wird stark in ihren Köpfen verankert sein und es wird schwer sein, sie davon zu befreien.“1) Neben dem IS gibt es zahlreiche andere Milizen in Nahost, die sich über ausgebildeten Zuwachs freuen würden. Zwar sind diese „IS-Gefolgschaften“ zersplittert und verfügen nicht über die internationale Aufmerksamkeit und Schlagkraft, wie es beim IS der Fall ist, gefährlich sind aber auch sie.5)

In Kriegszeiten wie diesen, gibt es für Kinder keine Perspektive. Die meisten Schulen haben geschlossen oder dienen als Flüchtlingsunterkunft. Durch den nun drei Jahre andauernden Bürgerkrieg in Syrien ist ein Großteil der Bevölkerung traumatisiert. Kinder schreien und verstecken sich sobald sie ein Flugzeug sehen, berichten Eltern aus der syrischen Stadt Homs.6) Die Halbwüchsigen, die in die Fänge des IS gelangt sind, werden sich von Kampfflugzeugen nicht beeindrucken lassen. Sie wurden, was Artilleriebeschuss, Bombardements und Explosionen angeht, trainiert. Auch der Anblick von Blut soll sie nicht zurückschrecken lassen.1)

Die Ausbildung und der Einsatz von Kindern in Konflikten ist ein Kriegsverbrechen. Die seelischen Schäden nicht abschätzbar. UNICEF warnte bereits im März vor einer „verlorenen Generation“.7)

 

Mehr Berichte zum Syrienkonflikt und dessen bisherige Auswirkungen auf Kinder findet ihr auf unseren Seiten.

  1. NBC News: ISIS Trains Child Soldiers at Camps for ‚Cubs of the Islamic State‘ – 24.11.14 [] [] [] []
  2. The Huffington Post: Die bekanntesten Islam-Prediger auf YouTube – 24.11.14 []
  3. Deutsche Welle: Rekruten für den Dschihad – 24.11.14 []
  4. Spiegel online: Islamisten-Vormarsch im Irak: Kindersoldaten für den Dschihad – 24.11.14 []
  5. Die Welt: Das Kalifat der Wahnsinnigen beginnt zu wanken – 24.11.14 [] []
  6. Human Rights Council: Report of the independent international commission of inquiry on the Syrian Arab Republic – 25.11.14 []
  7. Tagesschau: Eine verlorene Generation – nicht mehr aufrufbar 2.2.15 []

Über carolin / earthlink

Die Globalisierung verbindet uns alle. Nur mit Bildung und Aufklärung kann sie sozial und ökologisch verträglich ablaufen. Dafür engagiere ich mich bei earthlink.

Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.