„Konfliktmineralien“ und was dein Mobiltelefon damit zu tun hat

Bild: © Rob Lavinsky - Wikimedia Commons

Wusstest du, dass in deinem Smartphone über 40 Mineralien und Metalle stecken? Tantal, Zinn, Wolfram, Gold und Kupfer sind nur ein paar davon. Wolfram, beispielsweise, bringt das Handy zum vibrieren.1) Was viele nicht wissen: Einige dieser Rohstoffe sind „Konfliktmineralien“.

Man spricht von „Konfliktmineralien“, wenn sich Warlords oder Milizen über den Abbau dieser Rohstoffe finanzieren. Ein Zustand, der zum Beispiel auf die Demokratische Republik (DR) Kongo, Kolumbien oder die Zentralafrikanische Republik zutrifft. In den Konfliktregionen dieser Länder sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung, 9,4 Millionen Menschen wurden bereits vertrieben. Auch die Bergbauunternehmen in Kolumbien sollen grundlegende Menschenrechte verletzt haben.2)

Kinder sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen. In der DR Kongo, beispielsweise, sind 40 Prozent der Minenarbeiter minderjährig. Sie bauen vor allem Coltan ab, das zur Gewinnung von Tantal benötigt wird.3) Zudem werden Kinder von bewaffneten Gruppen in den Konfliktgebieten in der DR Kongo und der Zentralafrikanischen Republik als Soldaten rekrutiert. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder zehnte Kindersoldat aus dem Kongo stammt.4)5)

Damit die Wirtschaft die Gewalt und Ausbeutung in diesen Staaten nicht weiter anheizt, verabschiedete die USA 2010 den Dodd Frank Akt. Kapitel 15 dieses Gesetzes verpflichtet börsennotierten Unternehmen und deren Zulieferer dazu, die Herkunft der verwendeten Rohstoffe zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Auf diese Weise sollen „Konfliktmineralien“ als solche erkannt und gemieden werden. Konkret nennt der Dodd Frank Akt Gold, Wolfram, Kassiterit und Coltan als „Konfliktmineralien“.6)

Was auf den ersten Blick als erfolgversprechende Maßnahme erscheint, könnte, konkret für die DR Kongo, schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben. Unternehmen, die beim Abbau von Mineralien und Metallen auf Nummer sicher gehen wollen, könnten alle kongolesischen Abbaufirmen meiden, gleich ob diese der Konfliktfinanzierung dienen oder nicht. Aus diesem Grund bezieht das Unternehmen Fairphone gezielt Rohstoffe aus der DR Kongo – „konfliktfrei“, versteht sich – um die Lage vor Ort zu verbessern. „Konfliktfrei“ bedeutet, dass sich über die Einnahmen aus dem Verkauf keine bewaffneten Gruppen finanzieren. Für Zinn und Tantal kann Fairphone bereits „Konfliktfreiheit“ garantieren.7)

Zwei Metalle von 40, die in einem Handy verarbeitet wurden, das ist nicht viel. Trotzdem: Fairphone ist einer der Pioniere in der Elektronikindustrie, was fairen Handel angeht. Das niederländische Unternehmen gibt zu, noch einen langen Weg vor sich zu haben. Mit dem Fairphone, wie das Smartphone der gleichnamigen Firma heißt, soll über globale Handelswege und Zusammenhänge aufgeklärt werden sowie auf die im Handy verwendeten Rohstoffe. Bewusstsein schaffen, zur Diskussion anregen, einen Ausgangspunkt für eine faire Wirtschaftsordnung setzen, um dann irgendwann ein fair gehandeltes Smartphone in den Händen zu halten – das ist die Vision von Fairphone. Konfliktfreies Tantal und Zinn sollen nur der Anfang sein. Dennoch räumt Fairphone ein: Ein zu 100 Prozent fair gehandeltes Produkt wird es wohl nie geben – allein wegen der auseinandergehenden Definitionen von „fair“. Nichtsdestotrotz: die Diskussion darüber, was wir als „fair“ empfinden, ist wichtig. Fairphone möchte mit seinem Smartphone Impulse für diese Debatte liefern, von der in Deutschland 68,2 Millionen Menschen betroffen sind. So viele Menschen besitzen hierzulande ein Mobiltelefon. (davon besitzen 40,4 Millionen ein Smartphone).8) Nach Weihnachten dürften es wieder mehr geworden sein.

Bald ist der deutsche Handymarkt gesättigt, müsste man annehmen. Doch die Branche boomt, was auch mit der durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Mobiltelefons zusammenhängt: 18 Monate – solange verwendet ein Deutscher im Schnitt sein Mobiltelefon.9) Gerade angesichts dieser Zahlen bekommt das Anliegen von Fairphone zusätzliches Gewicht.

Anlehnend an den us-amerikanischen Dodd Frank Akt hat die EU im März 2014 ein Gesetz entworfen, das die Herkunft von Zinn, Wolfram, Tantal und Gold aufdecken und somit die Entstehung legitimer Handelswege begünstigen soll.10) Aus Sicht von INKOTA und vieler anderer NGOs ist dieser Entwurf nicht ausreichend: In der derzeitigen Form basiert die EU-Verordnung auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Unternehmen und würde darüber hinaus zu wenige Mineralien einschließen.11)

Dass gesetzliche Kontrollen für die Elektroindustrie in Europa fehlen, zeigt ein aktuelles Beispiel: Gerade erst hat das belgische Bergbauunternehmen Entreprise Générale Malta Forrest (EGMF) eingeräumt, von der Zwangsräumung und anschließender Zerstörung von 387 Gebäuden im kongolesischen Kawama 2009 gewusst zu haben. Kawama liegt neben einer Kupfer- und Kobalt-Mine, in der EGMF tätig war. Den Bewohnern der zerstörten Häuser wurden keine Ersatzunterkünfte geboten. Amnesty International wirft dem Unternehmen vor, aktiv an der Zerstörung beteiligt gewesen zu sein.12)

  1. Fairphone: Mining – 05.12.14 []
  2. Amnesty International: European companies allowed to reap rewards from deadly conflict mineral trade – 05.12.14 – Link nicht mehr abrufbar: 16.06.2015 []
  3. CNN: Child miners face death for tech – 05.12.14 []
  4. SOS Children’s villages: Child Soldiers in DRC – 05.12.14 []
  5. Deutsches Bündnis Kindersoldaten: Schattenbericht Kindersoldaten 2013 – 05.12.14 []
  6. Medico: Zertifizierung von Konfliktressourcen – 05.12.14 – Link nicht mehr abrufbar: 16.06.2015 []
  7. Fairphone: Mining – 05.12.14 []
  8. statista: Anzahl der Mobiltelefonnutzer in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2015 – 05.12.14 []
  9. BISS Dezember 2014 – Seite 10 []
  10. European Commission: Press release – 05.12.14 []
  11. epo: INKOTA: Handel mit Konfliktrohstoffen muss reguliert werden – 05.12.14 []
  12. Amnesty International: Kongo: Belgisches Unternehmen verletzt Menschenrechte – 08.12.14 []

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