UN: Weltweiter Kinderhandel ist gestiegen

Bild: © tat - Morguefile

Kinderhandel ist ein weltweites Problem: in keinem Land sind Kinder vor Verschleppung sicher. Jede dritte verschleppte Person weltweit ist mittlerweile minderjährig. Das ist die ernüchternde Bilanz des am vergangenen Montag veröffentlichten UN-Berichts über Menschenhandel aus den Jahren 2010 bis 2012.

„Die dem UNODC gemeldeten Daten spiegeln nur das wider, was entdeckt wurde. Das Ausmaß moderner Sklaverei ist eindeutig größer“, sagte Yury Fedotov, Geschäftsführer des UNDOC.1)

Offiziell ist Menschenhandel in mehr als 90 Prozent der Länder verboten. Trotzdem werden jeden Tag Menschen verschleppt und verkauft. Der Handel mit Kindern hat sogar seit 2007 stetig zugenommen (um 27 Prozent zwischen 2007 und 20102) sowie um 5 Prozent zwischen 2010 und 20123) ). Nur ein Problem in Entwicklungsländern, könnte man meinen. Der UN-Bericht aber zeigt ein anderes Bild: Kein Staat ist frei von Menschenhandel. Mit 152 Herkunftsstaaten der Opfer und 124 Zielländern der Verschleppung, stellt Menschenhandel ein globales Problem dar.4)

Weite Entfernungen werden in diesem Geschäft trotzdem selten zurückgelegt, die Händler agieren meist regional. Vielleicht ist dies ein Grund für die niedrige Entdeckungs- und Aufklärungsrate, denn viele Länder melden kaum oder gar keine Verstöße bezüglich Menschenhandel.3)

Das Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität der Vereinten Nationen, unter die auch das Protokoll gegen Menschenhandel fällt, greift nur bei internationalen Verschleppungen. Das ist ein Problem, wenn es innerhalb eines Landes zu Menschenschmuggel kommt. Hier können Menschenhändler weitgehend unbemerkt agieren. Menschenhandel ist ein profitables, risikoarmes Geschäft.3)

Ein Grund für den Anstieg von Kinderhandel sind jedoch auch Kriege, Krisen und Konflikte. In allen drei Fällen wird die staatliche Kontrolle geschwächt. Unübersichtlichkeit und fehlende Ordnung begünstigen den Schmuggel. Kinder sind vor allem dann betroffen, wenn sie nicht registriert wurden und somit offiziell nicht existieren. Damit wird eine rechtliche Verfolgung drastisch erschwert, sollte ein Kind verschwinden. Einmal verschleppt, werden die meisten Kinder Opfer sexueller Ausbeutung. Doch auch andere Formen von Ausbeutung haben zugenommen. Kinder werden vor allem in Krisengebieten als Soldaten eingesetzt, im Kleinkriminellensektor angestellt oder auf der Straße zum Betteln gezwungen. Besonders Mädchen sind betroffen, zwei von drei verschleppten Kindern sind weiblich. Während in Europa und Zentralasien der Handel mit Erwachsenen (größtenteils Frauen) überwiegt, werden in Afrika und im Mittleren Osten mehr Kinder verkauft.1)

Aktuell bietet der Syrienkonflikt dem Menschenhandel günstige Ausgangsbedingungen. Abgesehen von der katastrophalen Lage vor Ort, kommen viele Flüchtlinge ohne Papiere nach Deutschland, darunter auch viele Minderjährige. Bis diese Menschen registriert sind, genießen sie keinen rechtlichen Schutz, denn sie sind praktisch staatenlos. Zwar kann ein Ausweis nicht vor Verschleppung schützen, doch beweist er die Existenz des Besitzers.

Um den Menschenhandel in Zukunft effektiver bekämpfen zu können, müssen Menschen registriert werden. Nur so kann ihr Verschwinden auffallen. Doch dafür braucht es geordnete staatliche Strukturen, die bereit und fähig sind, Menschenhandel zu dokumentieren und zu bekämpfen.

  1. Deutsche Welle: Child trafficking on the rise, says UN – 27.11.14 [] []
  2. UNODC: Global Report on Trafficking in Persons 2012 – 28.11.14 []
  3. UNODC: Global Report on Trafficking in Persons 2014 – 27.11.14 [] [] []
  4. New York Times: UN report shows an increase in child trafficking – 27.11.14 []

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