Die lange Nacht des Menschenrechtsfilms – eine Reflexion

Bild: © InverseHypercube - wikimedia commons

Die bei der langen Nacht des Menschenrechtsfilms gezeigten Filme spiegeln Situationen wider, die wir uns hier nicht annähernd vorstellen können. In den Filmen geht es um Menschen, deren Geschichten für uns nicht nachvollziehbar sind. Man kann es kaum in Worte fassen, was diese Menschen erlebt haben.
Wie erklärt man Kindern hier in Deutschland, was Gleichaltrige, die auf der Flucht sind, in ihrem Leben schon durchgemacht haben? Mit einem Film, der die Flucht aus den Augen eines Kindes zeigt. Mohammed auf der Flucht, ein Film, der für den KIKA produziert wurde, dokumentiert das Leben eines syrischen Jungen, der mit seiner Familie in einem provisorischen Zeltlager in der Türkei lebt. Den Jungen plagen Albträume, denn er hat mit seinen 13 Jahren schon mehrere Familienmitglieder sterben sehen. Er ist wütend auf die Regierung, die alles tut, damit Assad an der Macht bleibt, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Und er kann seine Geschichte kaum in Worte fassen. Er zeichnet, um die Gedanken und schmerzlichen Erinnerungen aus dem Kopf zu bekommen. Dabei bricht er immer wieder in Tränen aus, so schmerzhaft sind die Erinnerungen, die ihn einholen.
Das im Moment sehr präsente Thema Flucht und Asyl spielt in allen Filmen eine zentrale Rolle.
Wie ist es, wenn man aus seiner Heimat fliehen muss, um sein Leben zu retten? Unvorstellbar. Zumindest für die meisten Menschen, die hier in Deutschland geboren sind. Und ich kann es nicht in Worte fassen, was in den Menschen vorgeht, die Wohnheime anzünden, in denen Menschen unterkommen sollen, die alles verloren haben. Sie haben vielleicht Angst, dass wir nicht genug Arbeit haben, dass das Geld nicht für alle reicht. Ich kann solche Taten nicht nachvollziehen. Und ich bin froh, dass die Mehrheit hier in Deutschland so denkt wie ich. Wenn man sich darüber im Bewusstsein ist, was ein Flüchtling in seinem Leben schon alles aushalten musste, sollte die natürliche Reaktion sein, diesen mit offenen Armen aufzunehmen und zu unterstützen.
Gezeigt wurde auch der Film Camp 14 – Total Control Zone.
Er handelt von dem Nordkoreaner Shin Dong-hyuk, der 2005 aus einem Gefangenenlager floh, in das er hineingeboren wurde.
Momentan gehen Meldungen um die Welt, dass die Geschichte, die Shin anfangs erzählt hatte, nicht in allen Punkten mit der Realität übereinstimme.
Greg Scarlatoiu vom Committee for Human Rights in North Korea sagt zu der Dikussion, ob die Geschichte jetzt noch glaubwürdig sei: „Er ist ein Überlebender aus einem politischen Gefangenenlager. Dieser junge Mann wurde auf verabscheuungswürdige Weise gefoltert. Das ist wahr.“1)
Letztendlich ist es auch nicht entscheidend, ob alle Details genau so stattgefunden haben. Die Tatsache, dass es diese Lager gibt und dass die Menschen dort gefoltert und bei kleinsten Vergehen erschossen werden, ist mehr als erschreckend.
Die Filme, die ich an diesem Abend gesehen habe, werden mir wohl lange im Gedächtnis bleiben. Hoffentlich haben noch viele Menschen die Möglichkeit, die Filme sehen zu können. So schmerzhaft diese Bilder auch seien mögen, sie können uns helfen, die Situation, in der sich die Flüchtlinge befinden, besser zu verstehen – auch wenn wir sie wohl nie ganz begreifen können.

  1. sueddeutsche.de: Menschenrechtler revidiert Bericht über Straflager – stand 29.1.15 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.

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