Syrische Flüchtlingskinder als Hauptversorger der Familie

Krieg Bild: © Voice of America News - Wikimedia

Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 wird die Anzahl der Toten, die der Konflikt gefordert hat, auf 200 000 geschätzt. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gibt an, dass jeder vierte Getötete ein Zivilist gewesen sei.
2014 ist das Jahr mit der höchsten Opferzahl. Über 76 000 Menschen, darunter 3 500 Kinder und fast 2 000 Frauen verloren ihr Leben.1)
Erstmalig stellte Syrien 2014 die meisten Flüchtlinge weltweit. Im vergangenen Jahr waren mehr als drei Millionen Syrer auf der Flucht – fast so viele Menschen, wie Berlin Einwohner hat.2)
Die meisten dieser Heimatvertriebenen werden in den angrenzen Ländern aufgenommen, der Großteil in Jordanien und im Libanon. Mit über einer Million Syrer auf die rund vier Millionen Einwohner, ist jeder vierte in Jordanien ein Flüchtling.
Ein kleiner Teil der Menschen lebt in Flüchtlingslagern. Das Zaatari-Lager ist das weltweit zweitgrößte Flüchtlingslager und mittlerweile die fünftgrößte Stadt in Jordanien.3) Mehr als 80% der Syrer leben in jordanischen Städten, vor allem im weniger weit entwickelten Norden, in den Städten Ramtha, Zarqa und Mafraq.4)

Offiziell dürfen die Flüchtlinge in Jordanien nicht arbeiten. Um nicht ausgewiesen zu werden, bleiben die Männer meist zuhause und gehen nur selten ihren Berufen nach. Die Frauen sind traditionell im Haushalt tätig. Somit bleiben oft nur die Kinder als Versorger der Familie übrig. In vielen Fällen sind die Familienväter auch noch in Syrien oder schon im Krieg gefallen.
Das jordanische Arbeitsministerium schätzte die Anzahl der arbeitenden Kinder 2013 auf 30 000. Mittlerweile sind es mit 60 000 doppelt so viele. Laut diesen Angaben wäre jeder fünfte syrische Flüchtling unter 16 Jahren von Kinderarbeit betroffen.
Fast die Hälfte der Familien ist auf ihre Kinder als Hauptverdiener angewiesen. Diese müssen zehn bis 12 Stunden, sechs bis sieben Tage die Woche arbeiten. Dabei verdienen sie weniger als die Erwachsenen – gerade einmal 1,15 Euro am Tag.
Kinderarbeit ist in Jordanien für unter 16 Jährige eigentlich verboten. Für schwere und gefährliche Arbeit gibt es weitere Einschränkungen. In der Realität fehlt es letztendlich an der konsequenten Umsetzung. Es finden zu wenige Kontrollen statt und Kinderarbeit ist kein Abschiebegrund. Die Arbeitgeber müssen zwar eine Geldstrafe bezahlen, allerdings ändert das an der Situation der Kinder nichts. Da die Erwachsenen ein Arbeitsverbot haben, müssen die Kinder arbeiten, damit die Familien überleben können. Und erlaubt man den Erwachsenen das Arbeiten, ist das die Erlaubnis, zu bleiben.4)

Mit der Flüchtlingswelle kämpft auch das krisengerüttelte Libanon  schon seit längerer Zeit.
Am Montag hat das Land die Immigration von Syrern durch eine neue allgemeine Visumspflicht eingeschränkt. Seit Oktober 2014 besteht ein grundsätzliches Einreiseverbot für syrische Flüchtlinge, das jetzt besser durchgesetzt werden soll. Ab dem 5.1.15 reicht der Pass nicht mehr für die Einreise. In mehreren verschieden Kategorien können Syrer aktuell eine Einreiseerlaubnis beantragen. Ziel dieser verschärften Einreisebestimmungen ist die Kontrolle des Flüchtlingszustroms. Gemäß Rod Redmond, dem Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, seien seit Oktober 2014 die offiziellen Registrierungen von Flüchtlingen um mehr als 50% zurückgegangen.5)

  1. stern.de: Über 76 000 Menschen sterben 2014 im syrischen Bürgerkrieg – nicht mehr aufrufbar 19.2.15 []
  2. spiegel.de: Uno-Studie: Die meisten Flüchtlinge auf der Welt sind Syrer – aufgerufen am 8.1.15 []
  3. wikipedia.org: Zaatari – aufgerufen am 8.1.15 []
  4. tagesspiegel.de: Syrische Flüchtlinge – um die Jugend betrogen – aufgerufen am 8.1.15 [] []
  5. stern.de: Libanon führt erstmals Visumpflicht für Syrer ein – aufgerufen am 8.1.15 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
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