Flüchtlinge sind auf unserer „Insel“ nicht willkommen

Bild: © InverseHypercube - wikimedia commons

Es kommen immer mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) nach Europa. Von 2010 bis 2013 steigerte sich die Aufnahme der UMF um 133 Prozent, so eine Referentin des „Bundesfachverband für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge“ (Berlin). Die Kinder werden entweder auf der Flucht von den Eltern getrennt, oder diese schicken sie alleine nach Europa, um ihnen eine bessere Zukunft bieten zu können. Damit die Überfahrt finanziert werden kann – circa 10.000 Euro pro Person von Afghanistan nach Italien – verkaufen die Eltern nicht selten ihren gesamten Besitz.

In Deutschland leben derzeit schätzungsweise 18.000 UMF. Zwei Drittel sind Jungen aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Eritrea. Die Minderjährigen fallen unter das Kinderschutzgesetz, was eine Unterbringung in eine „kindeswohlgerechte Unterkunft“ vorsieht. Das nächste Jugendamt ist dafür verantwortlich, dass die Kinder nicht in den Sammelunterkünften unterkommen. Durch den rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen sind viele Kommunen damit überfordert.1)

Was treibt die Menschen zur Flucht? Viele Flüchtlinge verlassen ihre Heimat aufgrund von Kriegen und anderen gewaltvollen Auseinandersetzungen, die ihnen ein Leben in Sicherheit verwehren. Ein anderer Grund ist die Armut, Ausbeutung und Versklavung. Die Menschen sehen keinen anderen Ausweg mehr, als das Land zu verlassen, um ihre Familie ernähren zu können. Gerade Kinder leiden oft unter den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen bei der Produktion von Waren, die hauptsächlich in den Westen exportiert werden.

Politische Veränderungsansätze – Meinung von „Terre des hommes

Die Politik äußert sich unterschiedlich zu den vergangenen Flüchtlingsdramen. Bei dem EU-Ministertreffen mitte April in Luxemburg einigten sich die Innen- und Außenminister auf einen 10 Punkte Plan.
Die Bundesregierung setzt sich für die Stärkung der Seenotrettung, die Bekämpfung von Schleuserkriminalität, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern sowie die bessere Koordinierung bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Europa ein.2)

Die Grünen fordern die Einführung einer gemeinsamen europäischen Seenotrettung. Seit der Abschaffung der italienischen Operation Mare Nostrum, auch durch Deutschland vorangetrieben, können viel weniger Flüchtlinge gerettet werden. Außerdem spricht sich die Partei für eine Erleichterung der legalen Einreise aus, mithilfe von Aufnahmeprogrammen, großzügiger Visaverteilung und unkomplizierter Familienzusammenführung3)

Gregor Gysi von den Linken plädiert für ein Mare Nostrum 2, mit mindestens neun Millionen Euro Budget pro Monat. Viel wichtiger ist für ihn aber der Kern des Problems. Europa könne sich nicht einfach abschotten, von Problemen, deren Mitverursacher die europäischen Staaten sind. Die meisten Menschen wollen ihre Heimat nicht verlassen, so Gysi, aber Hunger, Kriege, Vertreibung und wirtschaftliche Ausplünderungen von ausländischen Unternehmen lassen ihnen keine Wahl. Momentan stehen Profitinteressen über der Verhinderung des Hungertodes – ein nicht vertretbarer Zustand. Eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung sei unverzichtbar für die langfristige Verbesserung der Lebenssituation in Entwicklungs- und Schwellenländern.4)

„Terre des hommes“, ein internationales Kinderhilfswerk fordert für die schnell anwachsenden Flüchtlingsströme humanitäre Korridore und einen sicheren Zugang nach Europa. »Das Mittelmeer wird in diesen Tagen zu einem Friedhof für verzweifelte Menschen auf der Suche nach Sicherheit in Europa«, erklärte Danuta Sacher, Vorstandsvorsitzende des Kinderhilfswerks. Die Kampagne „Destination Unknown“ wurde von „Terre des hommes“ ins Leben gerufen, um mit Partnerorganisationen rund 250.000 UMF zu schützen.5)

„Insel Europa“

Und wieder ist er da, der Ruf nach Veränderung. So wie nach dem Unglück im Jahr 2013. Der Name Lampedusa ist seitdem mit hunderten toten Flüchtlingen verknüpft. Doch hat sich seitdem etwas Grundlegendes verändert? Die Operation Mare Nostrum wurde letztes Jahr im Oktober beendet. Darauf folgte die Operation „Triton“, unter der Führung von Frontex. Der Schwerpunkt dieser Operation liegt allerdings in der Sicherung europäischer Grenzen.
Auf unserer „Insel Europa“ teilen wir den Wohlstand nur in Maßen. Nach dem erneuten Flüchtlingsunglück werden wieder Vorwürfe laut, was Europa alles falsch mache und was man hierzulande tun müsste, um etwas an der Situation zu verändern. Doch dienen diese Veränderungen dem Schutz der Hilfesuchenden, oder nur der Beruhigung des europäischen Gewissens? Es gibt für die Flüchtlingsproblematik keine einfache Lösung. Zu viele Faktoren treiben die Menschen zur Flucht. Aber klar ist, dass wir auf unserer Insel nur begrenzt bereit sind, das „einfache“ Leben zu teilen, in dem man sich Sorgen macht über den neuen Arbeitsauftrag des Chefs, der einen zu überfordern scheint, oder sich über den Stau ärgert, in dem man morgens 15 Minuten feststeckt. Die Toten werden auch in Zukunft der Preis bleiben, dass wir unsere Trauminsel behalten können und unser Leben so leben, wie wir es uns wünschen.6)

  1. Welt: Die Tragödie der Kinder-Flüchtlinge – Stand 28.04.2015 []
  2. Bundesregierung: Deutschland verstärkt Seenotrettung – Stand 28.04.2015 []
  3. Grüne: Mittelmeer: Das Sterben nimmt kein Ende – Stand 28.04.2015 []
  4. Youtube: Gregor Gysi: Flüchtlinge, Krieg und Hunger – Umdenken gefordert – Stand 28.04.2015 []
  5. Terre des Hommes: Humanitäre Korridore und sicheren Zugang nach Europa für Flüchtlinge – Stand 28.04.2015 []
  6. Der Spiegel Nr. 17/18.4.2015: Unsere Toten – Stand 24.4.2015 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
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