Die Verantwortung bleibt bei den Verbrauchern

Bild: © Benjamin Pütter / Misereor -

Über die gesundheitlichen Folgen an denen die tausenden von Kindern leiden, die in Indiens Steinbrüchen arbeiten müssen, wurde bisher mehr als ausführlich berichtet. Von der niedrigen Lebenserwartung der im Staub schuftenden Kinder, von denen viele ihr 35. Lebensjahr nicht erleben werden, bis zu den Gefahren, die in den Steinbrüchen lauern. Abgetrennte Gliedmaßen sind keine Seltenheit. Sollten die Kinder die Unfälle überleben, sind sie häufig nicht mehr arbeitstauglich, und deshalb eine zusätzliche Belastung für die Familien, die oftmals hoch verschuldet sind und ihre Kinder deshalb zum Schuften in den Steinbruch schicken mussten.1)

Dass Kinderarbeit in Indien, speziell in der Textilindustrie und den Steinbrüchen, an der Tagesordnung ist, sollte weithin bekannt sein. Seit Jahren kämpfen private Organisationen wie „XertifiX“ gegen die Kinderarbeit in Indiens Steinbrüchen. Hauptmittel dieser Gruppen ist vor allem das Ausstellen von Siegeln, die belegen sollen, dass die Steine aus streng kontrollierten Steinbrüchen stammen.

In Deutschland kam es zum Glück zu einem regen Diskurs über die Bedingungen unter denen wir unsere importierten Steine herstellen lassen. In der gesamten Republik gab es empörte Reaktionen, als bekannt wurde, dass an den Pflastersteinen der Städte und Gemeinden sprichwörtlich Kinderblut klebte. Überall fordern Politiker schärfere Kontrollen und wollen dafür sorgen, dass in ihrer Stadt keine Steine benutzt werden, an denen Kindern mitarbeiten mussten.2)

Was im öffentlichen Bereich schnell zu Empörung und sofortigen, eindeutigen Reaktionen geführt hat, sorgte im privaten Bereich zwar zu einer Diskussion, allerdings scheint es keine Selbstverständlichkeit zu sein, sich eindeutig gegen Kinderarbeit zu positionieren. Vor allem Steinmetze gehen rechtlich gegen auf Friedhöfen erlassene Verbote vor.3) Siegel privater Organisationen seien nicht vertrauenswürdig, heißt es. Die Tatsache, dass bei Gerichtsverhandlungen in Mannheim, bei denen ein bereits bestehendes Verbot von fragwürdigen Grabsteinen auf Baden Württembergs Friedhöfen gekippt wurde, keine der betroffenen Organisationen ihre Arbeitsweise und Standards erläutern durfte, lässt eine große Einseitigkeit der Gerichtsverhandlung vermuten.

Der Fall in Baden Württemberg steht beispielhaft dafür, wie schleppend solche Prozesse laufen können. Leidtragende hierbei sind die Kinder, die täglich harte Arbeit verrichten müssen. Die Verantwortung liegt also zunächst wieder zu 100% bei den Konsumenten. Auch wenn die Zeit in der man sich um einen Grabstein kümmern muss, eine sehr schwere und belastende ist, sollte man sich dazu durchringen, sich zu informieren, wo der Steinblock herkommt, den man erwerben will. Bei Zweifeln ist es stets besser, einen Stein zu kaufen, der nachweislich in der Region gefertigt wurde, und Importe aus China oder Indien zu vermeiden.

  1. aktiv gegen Kinderarbeit: Gastbeitrag: Noch immer arbeiten mehr als 100.000 Kinder in indischen Steinbrüchen – zuletzt aufgerufen am 24.07.15  []
  2. Allgemeine Zeitung: Fairer Handel im Bad Kreuznacher Kreishaus? – zuletzt aufgerufen am 24.07.15  []
  3. Stuttgarter Zeitung: Die Suche nach dem politisch korrektem Stein – zuletzt aufgerufen am 24.07.15  []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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