Nigeria: Kinder als Hauptziel des Terrors

Bild: © AK Rockefeller - Wikimedia Commons

Im April letzten Jahres haben Anhänger der Terrormiliz Boko Haram 276 Schülerinnen entführt, 219 gelten immer noch als vermisst, und das war erst der Anfang. Für Kinder und vor allem Mädchen spitzt sich die Lage in Nigeria immer weiter zu. 1,2 Millionen Menschen sind in Nigeria derzeit auf der Flucht vor Boko Haram, knapp 70 Prozent aller Flüchtlinge sind minderjährig.1)

Boko Haram ist eine nordnigerianische, radikalislamistische Terrororganisation, die seit 2009 versucht die Scharia als einzig wahres Gesetz und das Verbot jeglicher westlicher Bildung in ganz Nigeria durchzusetzen. Hierbei gehen die Dschihadisten Nigerias besonders gewaltsam vor. Anschläge, Selbstmordattentate, Überfälle und Entführungen stehen vor allem im Norden des Landes auf der Tagesordnung. Auch terroristische Anschläge in Nachbarstaaten wie Tschad, Niger und Kamerun bleiben nicht aus.2)  5500 Menschen fielen dieser Terrororganisation in den vergangenen sechs Jahren zum Opfer.3)

Wie immer bei Kriegen leiden die Unschuldigsten und Hilflosesten der Gesellschaft am meisten: die Kinder. In Nigeria gestaltet sich ihre Situation jedoch noch schwieriger und vor allem noch gefährlicher als in anderen Krisengebieten. Sie sind oberstes Ziel der mit dem IS verbündeten Terrororganisation Boko Haram. Durch die „Bekehrung“ der Kinder versuchen sie schnell und präzise eine rein islamistische Gesellschaft frei von westlichen Einflüssen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas zu formen.

Jegliche Menschenrechte werden außer Acht gelassen. Mädchen, aber auch Jungen werden Opfer von Mord, Entführung, Zwangsverheiratung, Versklavung oder auch Zwangsrekrutierung. Vor allem Schulen liegen im Fokus der Boko Haram-Angriffe. Über 300 Schulen wurden seit 2012 entweder komplett zerstört oder zumindest erheblich beschädigt.1)  Mit der Zerstörung von Schulen setzt diese Terrororganisation weitere deutliche Zeichen gegen die dort gelehrten „westlichen“ Inhalte. Über 500 Menschen, darunter rund 300 Kinder, fielen solchen Anschlägen schon zum Opfer. Viele der entführten Jungen werden nicht nur zu Kindersoldaten gemacht, sondern oftmals auch gezwungen sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen, somit von Boko Haram instrumentalisiert. Viel öfter als Jungen sind jedoch Mädchen die Opfer der Terroristen. Über 2000 Mädchen und Frauen wurden bisher verschleppt.3) Im Nordosten Nigerias sprengte sich vor wenigen Monaten zum Beispiel ein zwölfjähriges Mädchen in die Luft. Zehn Menschen wurden bei diesem Anschlag getötet. Eine befreite Augenzeugin, berichtet von Zwangskonvertierungen unter Peitschenhieben entführter, christlicher Schülerinnen zum Islam und der anschließenden Zwangsverheiratung.2)4) Auch von sexueller Gewalt und Sklaverei bleiben viele Mädchen laut Amnesty International nicht verschont.3)  Eine weitere Verschleppte und zur Heirat eines Boko Haram Anhängers Gezwungene berichtet noch Schlimmeres. Die Mädchen würden „Gehirnwäschen“ unterzogen und zu Kampfmaschinen bzw. Profikillern ausgebildet. Sie habe einst entführte Mädchen dabei beobachtet, wie sie Christen die Kehle durchschnitten oder diese folterten.5)

Diese skrupellose und radikale Vorgehensweise der Terroristen zwingt Menschen ihre Heimatorte zu verlassen und im Süden Nigerias, in Nachbarstaaten oder auch in Europa Zuflucht zu suchen. Doch auch die Flucht birgt Gefahren. Kinder werden oftmals von ihren Eltern getrennt und müssen sich hilflos und allein auf die Suche nach Sicherheit und Unterstützung machen. Gerade unbegleitete Kinder jedoch sind einfache Ziele für Missbrauch und Kriminalität. Amnesty International spricht in Bezug auf radikalislamistische Anschläge sowohl in Afrika als auch im nahen Osten von „der größten Flüchtlingskatastrophe seit dem zweiten Weltkrieg“.

Die Regierung Nigerias wirkt überfordert und ihre Maßnahmen sind größtenteils ineffektiv, obwohl auch immer wieder kleine militärische Erfolge zu verzeichnen sind. Schritt für Schritt, werden einige Mädchen befreit und einzelne Städte zurückerobert. Vor allem die Unterstützung der Nachbarstaaten Kamerun, Tschad und Niger tragen hierzu bei. Die Sicherheit von Zivilisten und vor allem Kindern kann jedoch, trotz jahrelanger versuchter Bekämpfung der Terrormiliz, nicht gewährleistet werden.3)

  1. UNICEF: UNICEF-Bericht – aufgerufen am 22.7.2015 [] []
  2. Zeit Online: Das Wichtigste über die nigerianische Terrorgruppe – aufgerufen am 22.7.2015 [] []
  3. Süddeutsche Zeitung: Verschleppt, versklavt, zwangsverheiratet – aufgerufen am 22.7.2015 [] [] [] []
  4. Huffington Post: The World Post: Boko Haram Has Kidnapped 2,000 Women And Girls: Amnesty International – aufgerufen am 22.7.2015 []
  5. Daily Mail Online: Brainwashed girls among the 200 kidnapped at Nigeria’s Chibok school ‚are now killing for Boko Haram and torturing the Islamist group’s prisoners,‘ say witnesses – aufgerufen am 22.7.2015 []

Über Helena / earthlink

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