Den arbeitenden Kindern eine Stimme geben: Zeit zu reden!

Bild: © Sjors737 - Dreamstime

Boliviens Präsident Eva Morales sorgte letztes Jahr für einen breiten Diskurs, als er ankündigte, dass seine Regierung ein Gesetz auf den Weg bringen will, das es Kindern ab 10 Jahren erlaubt, zu arbeiten. Die Gewerkschaft der arbeitenden Kinder in Bolivien setzte sich massiv für dieses Gesetz ein und forderte, dass man die Interessen der Kinder selbst berücksichtigt. Den letzten Punkt nimmt nun zum ersten Mal auch die internationale Gemeinschaft wahr. Auf der vierten Weltkonferenz zum Thema Kinderarbeit, 2017 in Argentinien, soll nun erstmals auch die Perspektive der Kinder mit einbezogen werden.

Bisher war es normal, dass Kinder bei den Weltkonferenzen zum Thema Kinderarbeit nicht zu Wort kamen. Auf den Treffen diskutierten bislang Größen aus den Bereichen Politik, Gewerkschaften und Wirtschaft über das Schicksal von Kindern, und wie man damit umgehen wolle, ohne auch nur ein einziges betroffenes Mädchen oder einen betroffenen Jungen um ihre Meinung gefragt zu haben. Dies soll sich nun ändern.

Dazu realisieren die Kinderhilfswerke „Kindernothilfe“, „terre des hommes“ und „Save the Children“ die Kampagne „Zeit zu reden“. Im Rahmen dieser sollen weltweit Kinder, die arbeiten, zu ihren Problemen, Zukunftsideen und ihren Lösungsvorschlägen befragt werden. Dadurch soll es erstmals ermöglicht werden, das Thema Kinderarbeit aus der Sicht der Betroffenen selbst zu sehen. Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, begrüßt diesen Ansatz eindeutig. „ [es sind] doch die Kinder und Jugendlichen, die ihre Situation am besten kennen und vielfach ganz konkrete Verbesserungsvorschläge haben.“

Konkret sollen bei der Kampagne, die auf Englisch „It’s time to talk“ heißt, bis 2017 arbeitende Kinder und Jugendliche aus Afrika, Lateinamerika und Asien über ihr Leben, ihre Probleme, Meinungen und Wünsche befragt werden. Begleitet werden die Interviewer von Kinder-Komitees, die beratend zu Seite stehen, damit die Perspektive der arbeitenden Mädchen und Jungen so unverfälscht wie möglich im Mittelpunkt steht. Sozialwissenschaftler versuchen schließlich, wiederum mit der Hilfe von Kindern, die Ergebnisse in einer Studie bis zur Weltkonferenz zu veröffentlichen.1)

Diese Vorgehensweise und das Einbeziehen der Kinder in den Diskurs könnten neue Sichtweisen auf das Thema Kinderarbeit werfen. Letztes Jahr sorgte ein Gesetz in Bolivien für Aufsehen, welches Kindern ab 10 Jahren das Arbeiten erlauben soll. Weltweit gab es Proteste und Beschwerden, obwohl die dortige Gewerkschaft der arbeitenden Kinder den Schritt des bolivianischen Präsidenten begrüßte. Sie argumentierten, dass sie nur für gute Bedingungen und ihr Recht auf Bildung kämpfen können, wenn sie ihre Tätigkeiten nicht illegal ausführen müssten. Um ihren Anliegen ein stärkeres Gewicht zu geben haben sich die Kinder in der Gewerkschaft organisiert. Die Initiative wird auch von bekannten Kinderrechtsorganisationen wie terre des hommes unterstützt.2)

Bolivien gilt als eines der ärmsten Länder Südamerikas. Offiziellen Angaben zufolge arbeiten dort etwa 850.000 Kinder, anstatt zur Schule zu gehen. Eva Morales, Präsident Boliviens, war selbst ein Kinderarbeiter.3)

Die Idee, den Kindern selbst eine Stimme zu geben, ist gewiss eine gute Sache. Dass Kinder es in vielen Regionen der Welt nötig haben zu arbeiten, um über die Runden zu kommen, dagegen eine Schande. Wie man nun am besten damit umgeht, dass die Armut Kinder dazu zwingt, schon in frühem Alter zu arbeiten, kann niemand sagen. Boliviens Ansatz könnte funktionieren, könnte aber auch dafür sorgen, dass es im Land noch normaler wird, dass Mädchen und Jungen ihre Kindheit mit Arbeit verbringen, anstatt mit ihrer Bildung und vor allem ihrer Freizeit.

  1. epo.de: Zeit zu reden: Kinderarbeitern eine Stimme geben – zuletzt aufgerufen am 27.08.15 []
  2. tdh.de: Die kleinsten Gewerkschaftler der Welt – zuletzt aufgerufen am 27.08.15 []
  3. Zeit Online: Armut – Bolivien erlaubt Kinderarbeit ab zehn Jahren – zuletzt aufgerufen am 27.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.