Agbogbloshie – größte Mülldeponie West Afrikas

Müll, Agbogbloshie, Kinderarbeit

Bild: © Lantus - Wikipedia Commons

In Agbogbloshie, einem Vorort der Millionenmetropole Accra in Ghana, leben ca. 40.000 Menschen. Der Ort ist nur wenige Kilometer vom Meer entfernt und liegt an einem ehemals fischreichen Fluss. Aber heute ist dort kein einziger Fisch mehr zu finden, der Fluss ist buchstäblich tot. Der Grund  – Massen an Elektroschrott aus den USA und Europa verseuchen den Boden, die Gewässer und vergiften die ansässige Bevölkerung. Der Ort gilt mittlerweile als eines der verseuchtetsten Gebiete der Erde.1)

Eigentlich schützt die Baseler Konvention aus dem Jahr 1989 Entwicklungsländer davor, von Giftmüll und Elektromüll aus anderen Ländern überflutet zu werden. Doch der Elektroschrott aus Europa und den USA wird als intakte Gebrauchtware deklariert und so nicht als Müll, sondern als wertvolles Gut verschifft. Doch dies ist ein Schwindel, denn die meisten Geräte, die verschifft werden, sind defekt und können nur noch zu Recycling -Zwecken gebraucht werden.2)

Die Elektrogeräte aus den USA und Europa gelangen nicht auf direktem Weg vom Verbraucher auf die Containerschiffe. Meist sammeln gewinnorientierte Subunternehmen die Elektrogeräte von privaten Haushalten und Firmen ein, um sie dann an Händler zu verkaufen und nicht – wie vorgesehen – an die Recycling-Unternehmen. In Großbritannien zum Beispiel kommen nur 25% der eingesammelten Geräte zu den Recycling-Unternehmen, der Rest wird an Händler verkauft. Diese verschiffen den Elektroschrott nach Asien, Südamerika oder in westafrikanische Länder wie Nigeria oder Ghana. Das was noch intakt und zu verkaufen ist, wird Vorort verkauft, der Rest wird auf die Müllhalden gebracht und dort von Kindern und jungen Erwachsenen im Alter von 7 – 25 Jahren zerlegt.3)

Eine unglaubliche Zahl von 500 Containern mit reinem Elektroschrott erreichen jeden Monat den Hafen Tema (Ghana) – im Oktober bis Februar steigt die Zahl der Container auf 800 an. 80% der dort ankommenden Container werden zur 30 Kilometer weit entfernten Müllhalde Abgogbloshie gebracht. Mit Steinen und einfachsten Mitteln versuchen die Kinder Computer, Handys und Fernseher aufzubrechen, um an die wertvollen Materialien (Gold, Silber, Palladium, Kobalt und Kupfer) heranzukommen. Dabei kommen sie mit giftigen Substanzen und Materialien in Kontakt, welche zu großen Schäden bei den Kindern führen. Viele von den Kindern, die auf den Müllhalden arbeiten, sterben noch vor ihrem 30. Lebensjahr an. Krebs. Vorher leiden viele Kinder zusätzlich an Atemwegerkrankungen, Augenproblemen, Rückenschmerzen, Schädigungen des Nervensystems und des Gehirns durch giftige Gase und Quecksilber.

Zahlreiche Kinder kommen aus dem sehr armen und landwirtschaftlich geprägten Norden und Westen Ghanas. Sie werden von ihrem Zuhause aus auf die Mülldeponien in den Städten geschickt, damit sie Geld nach Hause senden, um die Familie zu unterstützen. Die Kinder arbeiten von morgens bis abends für umgerechnet 2,50$ am Tag. Zuwenig, um die Familie zu unterstützen. Das Geld reicht gerade mal für das Nötigste – Essen und Medikamente.4)

Damit der eigene Elektromüll nicht auch auf Müllhalden in Afrika, Asien oder Südamerika landet, sollte man darauf achten, seine ausrangierten Geräte nicht zu großen Sammelstellen zu bringen, sondern direkt zu den recycelnden Firmen. So entsteht nicht die Gefahr, dass die Geräte in die Hände von Händlern kommen, die womöglich den größtmöglichen Profit erzielen wollen ohne Rücksicht auf Mensch und Natur.

  1. Wikipedia : Elektromülldeponie Agbogbloshie – zuletzt aufgerufen 03.09.2015 []
  2. Wikipedia: Basler Übereinkommen – zuletzt aufgerufen 03.09.2015 []
  3. Youtube: Giftige Geschäfte Der Elektromüll Skandal – zuletzt aufgerufen 03.09.2015 []
  4. prophoto-online: Kevin McElvaney – Fotoserie „Agbogbloshie“ – zuletzt aufgerufen 03.09.2015 []
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3 Kommentare zu Agbogbloshie – größte Mülldeponie West Afrikas

  1. Katharina Rink sagt:

    Hierzu empfehle ich unbedingt das Buch“ Bedrohliche Fracht“ von Hardy Pundt, bei Martin Bühler Publishing in 2016 erschienen.
    Schöne Grüße aus der Eifel
    Burgi

  2. Kathrin van Hoften sagt:

    Danke für diesen interessanten Artikel! Er führt deutlich vor Augen, mit welcher Menschenverachtung europäische und auch deutsche Firmen bei der Müllentsorgung vorgehen. Ich werde auch zukünftig versuchen, möglichst wenig Elektroschrott zu verursachen.
    Grüße aus`m Pott
    Kathrin

  3. Norbert Arbeiter sagt:

    Sehr guter Beitrag mit vielen Fakten, die deutlich machen, dass man selber hier in den Verursacherländern (besonders Deutschland) etwas dagegen unternehmen muss. Meine pesönliche Konsequenz ist nun, dass ich diesen Artikel ausdrucken werde und damit zu unserem städtischen Müll- und Entsorgungsbetrieb fahren werde, um nachzufragen, was dort mit dem Elektroschrott passiert. Habe dort einen Bekannten, mittels dem ich unter Umständen eine Aufklärungsaktion starten könnte.
    Beste Grüsse aus NRW

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