Ansätze zur Lösung des Kinderarbeitsproblems in Lateinamerika

Bolivien, Kinder, Familie Bild: © Viaje a Bolivia - Wikimedia

Wenn man die globale Ausbeutung der Kinder durch Arbeit betrachtet, gibt es verschiedene Hotspots, in denen das Phänomen häufiger auftritt und oft auch gesellschaftlich akzeptierter ist. Eines dieser Gebiete ist ein Großteil Südamerikas. Auf dem Kontinent haben sich verschiedene Taktikten etabliert, wie man mit dem Problem umgehen soll. Dementsprechend weit klaffen die Ergebnisse auseinander.

Sicherlich ist den direkt oder indirekt von Kinderarbeit betroffenen Menschen eines Landes nicht geholfen, wenn diese einfach verboten wird. Die Gründe, warum Familien ihre Kinder zur Arbeit schicken, oder Kinder von sich aus anfangen zu arbeiten, lassen sich mit einfachen Verboten nicht eliminieren. Häufig ist Armut der treibende Faktor hinter diesem Phänomen. Mütter und Väter schicken ihre minderjährigen Kinder zur Arbeit, weil die Familie sonst hungern müsste, oder sich sonstige Dinge nicht leisten könnte. Um Kinderarbeit zu verhindern, oder um vernünftig mit ihr umzugehen, müssen also viele Dinge geschehen.

Einen kontrovers diskutierten Ansatz wählte der bolivianische Präsident Eva Morales. Er erlaubte die Kinderarbeit in seinem Land schon ab einem Alter von zehn Jahren. Diese Regelung solle, sobald Bolivien es geschafft hat, sich aus seiner Armut zu befreien, überdacht werden. In Bolivien müssen Kinder aus finanzieller Not heraus häufig schon früh anfangen zu arbeiten. Der Gedanke hinter dem neuen Gesetz ist, dass minderjährige Arbeiter nur dann für ordentliche, auf sie zugeschnittene Arbeitsbedingungen kämpfen können, wenn sie nicht in die Illegalität getrieben werden. Kritiker bemängeln, dass durch diesen Ansatz die Kinderarbeit normalisiert werden würde. Sollte es in der Gesellschaft zu zu großer Akzeptanz kommen, könnte die Regelung für längere Zeit gültig bleiben.1)

Bolivien wählte diesen Weg wahrscheinlich primär wegen der schlechten Wirtschaftslage im Land. Einen völlig anderen Weg ging Ecuador. Einst ein Land Lateinamerikas mit einer der höchsten Quoten arbeitender Kinder. Inzwischen hat sich das Bild komplett gewandelt. Ecuador ist nun so etwas wie das Vorzeigeland Südamerikas beim Kampf gegen Kinderarbeit. Das wirtschaftliche Wachstum kombiniert mit der Zusammenarbeit privater und staatlicher Institutionen haben die Kinderarbeit drastisch sinken lassen. Die Kinder und Jugendlichen, die bei Razzien von Betrieben aufgegriffen oder auf der Straße gefunden werden, bekommen, soweit es die Kapazitäten zulassen, ein Dach über dem Kopf und vor allem Bildung. Die Familien werden – wenn möglich – mit einbezogen. Firmen, die unerlaubt Minderjährige beschäftigen, müssen mit Strafen rechnen. Diese Maßnahmen scheinen sich über die Jahre ausgezahlt zu haben.2)  Auch wenn Ecuador auf einem guten Weg ist, dürfen die Anstrengungen hier noch nicht nachlassen. Immer noch sind viel zu viele Kinder in der Landwirtschaft oder auf der Straße dazu genötigt, zu arbeiten. 2013 kritisierte das US-Department of Labor, dass es noch zu viele Fälle von Kinderarbeit im Land gäbe.3)

Alleine eine Kriminalisierung der Kinderarbeit wird, wie bereits erwähnt, kaum einen Erfolg bringen. Bis heute haben fast neun Millionen Kinder in Lateinamerika die Schule verlassen, um arbeiten zu können. Die ILO veröffentlichte diese erschreckende Zahl Anfang September. Vor allem Brasilien, ein Land, das eigentlich das Potential hat, effektiv gegen das Problem vorzugehen, schneidet in dem Bericht der ILO erstaunlich schlecht ab. Das Land, welches kürzlich angeboten hat Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, sollte sich, bei aller Ehrenhaftigkeit des Angebotes, vielleicht zuerst auf seine eigenen Probleme besinnen.4) In Brasilien herrscht bekanntlich große Armut in vielen Teilen der Bevölkerung.5)  Die Organisation ILO empfiehlt den Ländern vor allem einen ähnlichen Weg, wie ihn Ecuador gegangen ist.6)  Für Regionen, die wirtschaftliche Erfolge erzielen, wäre diese Lösung auf Dauer ein weiterer Katalysator für ihr Wachstum. Nur durch die Bildung der Jugend kann es einem Land gelingen, dauerhaft gegen seine Armut vorzugehen.

  1. Zeit Online: Bolivien erlaubt Kinderarbeit ab zehn Jahren – zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []
  2. Telesurtv: Ecuador Child Labor Drops through Economic and Public Policies – zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []
  3. US-Department of Labor: Ecuador – 2013 Findings on the Worst Forms of Child Labor – zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []
  4. UNHCR: Braslien erleichtert Einreise für syrische Flüchtlinge –zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []
  5. brasilien Magazin: Brasilien: Extreme Armut nimmt wieder deutlich zu – zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []
  6. Prensa Latina: Child Labour: A Problem for Latin America – zuletzt aufgerufen am 09.09.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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