Drei Jahre nach Fabrikbrand – Kik lässt seine Arbeiter im Stich

Bild: © Fahad Faisal - Wikimedia Commons

Der Brand in einer pakistanischen Textilfabrik 2012 gilt als schwerster Industrieunfall in der Geschichte Pakistans. Dabei verbrannten 254 Menschen, weil bis auf einen Notausgang alle Fluchtwege verriegelt waren. Der Textildiscounter Kik bekennt sich als Hauptkäufer bei der Fabrik Ali Enterprises, in der sich das verheerende Unglück ereignete, zu seiner „moralischen Verantwortung“1).

Unter diesem Gesichtspunkt unterzeichnete das Unternehmen zusammen mit pakistanischen Vertretern das „Memorandum of Understanding“ , im Zuge dessen Kik eine Million US-Dollar Soforthilfe zahlte. Zur Kompensation der Verdienstausfälle wären nach den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation dagegen etwa acht Millionen US-Dollar nötig.2) Die Arbeiter, die bei dem Brand ums Leben kamen oder verletzt wurden, stellten mit ihrem Verdienst die Ernährung ihrer Familie. Des Weiteren versicherte Kik, 250.000 US-Dollar für eine bessere Durchsetzung der Arbeitsnormen zu zahlen und Verhandlungen über langfristige Schadensersatzzahlungen zu führen. Dieser Zielsetzung ist Kik seitdem aber nicht nachgekommen.

Die Betroffenen warten seit drei Jahren auf langfristigen Schadensersatz, um Einkommensverluste und Arztkosten zu decken. Durch den Brand verloren viele Familien ihre Lebensgrundlage. So muss Rifit Bibi seit dem Tod ihres Ehemannes in der Textilfabrik alleine für die Ernährung ihrer vier kleinen Kinder sorgen: „Ich erhalte im Monat die bescheidene Summe von PKR 5.000 (etwa 47 US-Dollar) als Rente, die aber nicht ausreicht, um genug Lebensmittel für meine Kinder zu kaufen. Seit dem Tod meines Mannes führen wir ein erbärmliches Leben.“

Die moralische Verantwortung des Unternehmens bezieht sich demzufolge nicht auf eine nachhaltige Überprüfung und Änderung seiner Produktionsbedingungen. Der Textildiscounter bezog auch Kleidung von zwei Firmen aus Bangladesch, in denen es 2012 und 2013 zu verheerenden Unfällen mit bis zu 1.000 Toten kam. Daraufhin kündigte Kik an, vermehrt Ware in Südeuropa zu produzieren. Seitdem sind die Importe aus Asien allerdings wieder auf 67,5 Prozent gestiegen.3)

Allerdings bleibt auch die Rolle des Konsumenten weiterhin entscheidend: Seit 2012 erfuhr das Unternehmen keine nennenswerte Stagnation im Umsatz. Seit der medialen Aufmerksamkeit zu den Unfällen in Textilfabriken, fällt es als Verbraucher nicht schwer, die Hintergründe einer Hose für 15,99 Euro zu beleuchten. Kleidung wird in 14-Stunden Schichten produziert, die Arbeiter erhalten für eine Hose einige Cents.4). 2007 ließ Kik erstmals verlauten, dass es nicht zu hundert Prozent eine Produktion ohne Kinderarbeit garantieren könne. Begründet hatte das die Firma mit der Aussage, dass es schwer sei, alle Zulieferer daraufhin zu überprüfen und zu überwachen.5) 2013 enthüllte ein RTL-Team Kinderarbeit in Firmen, die für den deutschen Markt produzieren.6)

Wie ist es möglich, dass Firmen wie Kik sich der Verantwortung entziehen können? Verbindliche Regeln wären erforderlich, um Unternehmen für Vorfälle wie diese haftbar zu machen.7)

Pakistanische und internationale NGOS fordern Kik auf, Verantwortung für den Fabrikbrand in Karachi zu unternehmen. Hier geht es zum offenen Brief an Kik.

  1. Der KiK Blog: Aktuelle Pressemitteilung: Fabrikbrand Karachi – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  2. Spiegel Online: Fabrikbrand in Pakistan: Menschenrechtler drohen Kik mit Klage – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  3. Spiegel Online: Fabrikbrand in Pakistan: Menschenrechtler drohen Kik mit Klage – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  4. Spiegel Online: Brand in pakistanischer Fabrik: Kik zahlt 1930 Dollar für ein Menschenleben – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  5. Spiegel Online: Textil-Discounter Kik: Kinderarbeit nicht ausgeschlossen – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  6. Die Welt: Kinder in Bangladesch nähten für Discounter Kik – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []
  7. epo.de: Fabrikbrand- Deutscher Textildiscounter blockiert Verhandlungen zur Entschädigung der Opfer – zuletzt aufgerufen am 15.09.2015 []

Über hannah / earthlink

Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!
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