Die Textilindustrie in Bangladesh

Bild: © NaZemi - Wikimedia Commons

Am 20. Oktober strahlte Arte zwei Dokumentationen und ein Gespräch aus zu den Produktionsbedingungen in der Textilindustrie in Bangladesh. Hinter der Marke „In Extenso“ von Auchan (französische Supermarktkette) versteckt sich das Versprechen sauber produzierter Kleidung. Sogar die Marken H&M und Kik haben eigene Labels (conscious und OK), die u.a für sichere und gerechte Arbeitsbedingungen garantieren sollen. Stimmt es oder ist es nur eine Fassade, um das Gewissen der Verbraucher zu beruhigen und noch mehr Umsatz zu erwirtschaften?

Bei dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabriken im Jahr 2013 in Bangladesch, wo sehr viele Textilien produziert wurden, starben 1.127 Menschen und über 2.000 Menschen wurden verletzt. Damit zerbrachen die Illusion einer sauberen Produktion und einer Herstellung unter menschwürdigen Bedingungen.

„Die Öffentlichkeit reagierte mit Entsetzen und Empörung. Auf Druck des Internationalen Gewerkschaftsverbands unterzeichneten 200 große Firmen ein Abkommen zur Gebäudesicherheit und zum Feuerschutz in Bangladesch. Damit verpflichten sie sich, ihre Zulieferfabriken auf Sicherheitsstandards überprüfen zu lassen […] Das Abkommen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch die Bedingungen in der Textilbranche sind nach wie vor katastrophal.“1)

Hierzu zählen:

–  Marode Gebäude und Maschinen, die zu Einstürzen und Bränden führen können

–  Scheinnotausgänge, blockierte Notausgänge

– Hungerlöhne, ausbeuterische Kinderarbeit, keine bezahlte Überstunden, kein Arbeitsschutz, keine Pause während der täglichen 10 oder 12 Arbeitsstunden usw …2)

– Lebensgefährliche Herstellungsmethoden (in der Arte-Dokumentation am Beispiel der Produktion sandgestrahlter Jeans, welche zu tödlichen Lungenkrankheiten führen kann)

– kein Umweltschutz: die Chemikalien werden direkt und ohne vorherige Reinigung in Flüsse geleitet. Diese Flüsse sind aber die Hauptwasserquelle (zum Kochen, Trinken und Waschen) für die Einwohner. Nicht nur die Gesundheit der betroffenen Textilarbeiter wird beschädigt und gefährdet, sondern auch Erde und Grundwasser werden verschmutzt.

In Frankreich kämpft die Nichtregierungsorganisation Sherpa dafür, den französischen Discounter Auchan wegen seiner offensichtlich betrügerischen Werbeversprechen vor Gericht zu bringen ( dies ist nach französischem Recht möglich). Die Anklage gegen den milliardenschweren Konzern wird zum Präzedenzfall.3)

„Doch damit sich grundlegend etwas ändert, muss auf politischer Ebene Druck ausgeübt werden. In Deutschland hat Gerd Müller, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, nach Rana Plaza für ein Textilbündnis geworben. Die großen Modeunternehmen sind inzwischen zwar beigetreten, doch die ursprünglichen Ziele wurden zurückgefahren. In Frankreich hat die Nationalversammlung im März ein Gesetz verabschiedet, das große Unternehmen mit Sitz in Frankreich zu einer Sorgfaltsprüfung in der gesamten Lieferkette verpflichtet.“1)

Und was können wir als Einzelpersonen und KonsumentInnen dagegen tun? Das Gespräch im Anschluss an den Themenabend auf Arte, mit der Rechtsanwältin Marie-Laure Guislain, Mitglied der NGO Sherpa, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Menschenrechte gegenüber großen Industriekonzernen zu verteidigen, hilft hier ein bisschen weiter: 4)

Marie-Laure Guislain rät uns als KonsumentInnen, Petitionen zu unterschreiben – zur Unterstützung der Gesetzesinitiative und der Klage von Sherpa gegen Auchan 5).  Es sei wichtig, der Regierung zu zeigen, dass wir KonsumentInnen Gesetze wollen. Die Verbraucher sollen selbst die Regierung und Wirtschaftsakteure dazu auffordern, die Grundrechte einzuhalten.4)

Auf die Kleidungsetiketten zu achten, reicht nicht, da es hierbei für die Verbraucher sehr schwierig ist, durchzublicken. Zum Beispiel weiß man bei einem „Made in France“-Label  nicht, ob der Artikel in Frankreich hergestellt oder nur zusammengenäht wurde.

 

  1. Arte: Todschick die Schattenseite der Mode (Video nicht mehr verfügbar) – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 [] []
  2. Arte: giftiges Leder (Video nicht mehr verfügbar) – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 []
  3. Arte: Todschick die Schattenseite der Mode (Video nicht mehr verfügbar) – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 []
  4. Arte: Gespräch mit Marie Laure Guislain (Video nicht mehr verfügbar) – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 [] []
  5. Sherpa: Bangladesh: Effondrement de l’usine du Rana Plaza: signez la pétition! – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 []

Über Mylène / earthlink

Hallo ich heisse Mylène und bin Praktikantin bei Earthlink e.V. bis ende Oktober. Ich liebe Koalabärs, Hasen und Käse ( als Französin darf es sein ;-))
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