In Benin werden jährlich mindestens 50.000 Kinder verkauft

Bild: © Florence Devoaurd - Wikimedia Commons

Eltern, die ihre Kinder für 70 Euro an Menschenhändler verkaufen – das ist die traurige Realität in dem westafrikanischen Staat Benin. Vielen Familien fehlt das Geld, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Vor allem in ländlichen Gebieten glauben Eltern, dass sie ihrem Kind zu einem besseren Leben verhelfen, wenn sie es in die Stadt zum Arbeiten verkaufen. Allerdings sieht die Wirklichkeit anders aus: Die meisten Kinder leben wie Sklaven, arbeiten von morgens bis abends, fallen der Prostitution oder dem Organhandel zum Opfer.

Kriminelle Banden bestimmen die Wirtschaft im Land. Vor allem in der Stadt Cotonou, dem Wirtschaftszentrum Benins, läuft ein Großteil der illegalen Geschäfte ab. Die Banden schmuggeln Drogen, Waffen und Kinder, die sie oft auch von den Märkten der Stadt entführen. Die lokale Menschenrechtsorganisation Reta schätzt, dass etwa 50.000 Kinder pro Jahr verkauft werden.1)  Die luxemburgische Organisation FFL spricht von 600.000 bis 800.000 betroffenen Kindern jährlich.2)  Zum Vergleich: In dem Land leben insgesamt etwa 10 Millionen Menschen, 42 Prozent der Bevölkerung sind Kinder unter 15 Jahren.
Benin ist außerdem einer der Hauptumschlageplätze für Waffen und Drogen. Südamerikanisches Kokain wird von dort in den Norden weiter verschifft. Cotonou ist dazu ein beliebtes Ziel für Waffenimporte.

Ein Grenzübergang nach Nigeria heißt offiziell „der illegale Weg“: Um bei der Grenzüberschreitung nicht kontrolliert zu werden, verrichten Reisende an mehreren Schranken einen Wegzoll. Laut Amnesty International ist hier der Export von Kindersklaven etwas „Normales, Alltägliches“. Neben der Polizei verdient auch der Staat am Kinderhandel: Viele der Lastwagen, die mit ihrer menschlichen Ware die Grenze passieren, gehören Ministern. Ein Mitarbeiter von Amnesty International stellt resigniert fest: „Es ist der Staat selbst, der hier mit seinen Kindern handelt“. Obwohl Menschenhändlern offiziell 20 Jahre Gefängnis drohen, wird dies kaum durchgesetzt. Die massive Vernachlässigung durch den Staat, einhergehend mit fehlendem Zusammengehörigkeitsgefühl und Staatsverständnis sowie der weitverbreiteten Korruption erleichtert kriminellen Gruppen massiven Menschen-, Waffen- und Drogenhandel.

Viele der Kinder landen im Nachbarland Nigeria. Dort arbeiten sie als Haussklaven, in Minen, in Steinbrüchen und auf Feldern. Jungen werden von dort aus in die Golfstaaten weiterverkauft, Mädchen fallen oft der Prostitution zum Opfer und werden von Nigeria aus nach Europa geschmuggelt. Einige fallen auch dem Organhandel zum Opfer.1)

In der beninischen Gesellschaft gibt es aber auch Ansätze, gegen diese Form der modernen Sklaverei vorzugehen: Einige Mönche starten Aufklärungskampagnen, betreiben Heime und kümmern sich um Kinder auf der Straße. Beninische NGOS versuchen, Kindern, die verkauft oder in die Arbeit gezwungen wurden, eine Ausbildung und eine Rückführung in ihre Familien zu ermöglichen.3)  Die Bestrebungen sollen einen Ausweg aus dem Teufelskreis der strukturellen Armut und Ausbeutung bieten.

Die Chefs der Schmugglerbanden sind oft selbst Opfer einer gestohlenen Kindheit. Somit formt sich in der ganzen Gesellschaft eine Spirale von Armut und Gewalt. Ohne eine Verbesserung der Lebensumstände vor allem für die ländliche Bevölkerung, wird die Perspektivlosigkeit in dem westafrikanischen Staat wohl weiter dazu führen, dass Eltern ihre Kinder verkaufen.

  1. Zeit Online: Die Kinder von Benin – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 [] []
  2. Fondation Follerau Luxembourg: Verkaufte Seelen: FFL bekämpft Kinderhandel in Nord-Benin – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 []
  3. DW: Wenn Kinder arbeiten – zuletzt aufgerufen am 26.10.2015 []

Über hannah / earthlink

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Ein Kommentar zu In Benin werden jährlich mindestens 50.000 Kinder verkauft

  1. Gudrun Leberle sagt:

    Liebes Team – In dem Buch von Hannes Jaenicke bin ich auf diese Seite aufmerksam gemacht worden. Falls es einen Newsletter von Ihnen gibt, würde ich den gerne beziehen.
    Viele Grüße aus Hamburg – Gudrun Leberle.

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