Joseph Kony – Anführer der Kindersoldaten

Bild: © Oxfam East Africa - Wikimedia Commons

Kony 2012“, ein Video, das um die Welt ging. Bis jetzt haben es mehr als 100 Millionen Menschen gesehen. Ins Leben gerufen wurde es von der NGO Invisible Children. Sinn der Aktion war: der Welt vor Augen zu führen, wie grausam die „Lord’s Resistance Army“ (LRA), Gottes Widerstandsarmee, vorgeht und mit welchen Mitteln – Kindersoldaten.

Die LRA wurde 1987 von Joseph Kony gegründet. Sie kämpfte gegen die ugandische Regierung, um nach ihrem Willen einen Gottesstaat, auf den 10 Geboten basierend, zu errichten. Wie bei vielen radikalen Gottesmilizen wird auch hier daran herumgebastelt, bis es einem ins Weltbild passt. „Du sollst nicht töten“, lautet das fünfte Gebot, trotzdem tötet die LRA – mehr als 100.000 Menschen sind schon ermordet worden. Die Miliz soll bis zu 70.000 Kinder verschleppt haben. Viele Jungen wurden zu Kindersoldaten ausgebildet und die Mädchen zwangsverheiratet oder zu Sexsklavinnen gemacht. Die LRA bestand zu 80 Prozent aus Kindersoldaten.1)

Doch nicht nur in dieser Krisenregion werden Kindersoldaten eingesetzt, auch in Syrien, im Irak, in Pakistan, in Somalia, im Sudan und Südsudan oder in Eritrea. Diesen Kindern Asyl zu gewähren und sie somit zu resozialisieren, ist ein wichtiger Punkt, dennoch wurden nur 2.922 von 14.439 Asylanträgen 2015 in Deutschland bewilligt. Viele haben auch einfach Angst, dass, wenn sie angeben, für ein Militär gekämpft zu haben, der Geheimdienst oder die Miliz sie aufspürt und bestraft.2)

Auch wenn sich die Zahlen verringert haben, kam es in den letzten Jahren vermehrt zu Vorfällen. Im letzten Jahr gab es laut dem LRA Crisis Tracker 612 Entführungen und somit sogar eine kleine Verminderung der Zahl von 2014. Aber ein immenser Unterschied zu 2013, in welchem Jahr es gerade einmal 474 Entführungen gab. Bei den Entführungen sind sowohl die von Erwachsenen und Kindern zusammengefasst. Es lässt sich daher nicht sagen, wie viele Kinder die LRA bereits wieder unter ihrem Kommando hat.

Heute besteht die einstige Armee nur noch aus Splittergruppen. Und letztes Jahr gab es mit der Festnahme von Dominic Ongwen, dem Stellvertreter Konys, eine entscheidende Entwicklung. Ansonsten wäre er wohl von seinem Anführer ermordet worden. Vielleicht gewährt er tiefere Einblicke in die LRA, das ist jedoch zu bezweifeln. Im Januar dieses Jahres wird ihm der Prozess vor dem internationalen Strafgerichtshof gemacht. Doch die Aufmerksamkeit der Welt liegt auf anderen Gebieten. Da Kony noch nicht gefasst wurde, wird es vielleicht bald wieder eine Miliz aus Kindern geben.3)

  1. n-tv: Kindersoldaten von Uganda: Gezeichnet für ihr Leben – Stand: 16.02.2016 []
  2. SZ: Wenn Kindersoldaten nach Deutschland fliehen – Stand: 16.02.2016 []
  3. Spiegel: Massenmörder: Was wurde aus dem Warlord Joseph Kony? – Stand: 16.02.2016 []
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