Kinder und Flucht – ein doppeltes Risiko

mädchen, Missbrauch, Abuse, alleine, girl, Kind, Bild: © NinoAndonis - MorgueFile

Die Gefahren auf der Flucht aus den Ländern Afrikas nach Europa sind weitgehend bekannt. Schlepper, die die Not der Menschen ausnutzen, sie ausbeuten, verkaufen oder wieder zurück in die autokratischen Regime schicken, um die Erlöse einzustreichen, sind immer wieder Teil der Berichterstattung. Dabei ist die Situation der vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge umso prekärer.

Bei dem Versuch, Schutz bei Erwachsenen zu finden, ist die Gefahr groß, an die falschen Personen zu geraten und von diesen misshandelt oder zu Zwangshandlungen gedrängt zu werden. Gerade in den Ankunftsländern Europas scheint die Masse an Menschen Flüchtlingskinder immer wieder zu verschlucken. Auch die Jugendlichen – meist männliche unbegleitete Minderjährige – versuchen sich auf eigenen Wegen in das gewünschte Land durchzuschlagen und verschwinden immer wieder aus den Aufnahmeeinrichtungen, wie jüngst über Flüchtlingskinder in Italien berichtet wurde.1)

Zunächst ist dies keine beunruhigende Situation. Einige melden sich sogar ab und werden zum Bahnhof begleitet. Jedoch kommt es oft vor, dass die Kinder von dem einen auf den anderen Tag verschwinden und niemand weiß, wohin. Denn es ist keineswegs sicher, dass sie irgendwo in Europa von einer offiziellen Stelle so schnell wieder registriert bzw. geortet werden. Daher liegt die Befürchtung nahe, dass etwas auf dem weiteren Weg schief gelaufen sein könnte.2)

Klar ist ebenso, dass die Jugendlichen bzw. deren Familien für die Überfahrten und generell für die Flucht nach Europa eine große Summe bezahlen müssen. Dafür verschulden sich einige der Flüchtlinge, wodurch sie in ein schwieriges Abhängigkeitsverhältnis geraten. Kinder und Jugendliche laufen dabei Gefahr, Menschenhändlern zum Opfer zu fallen, oder für niedrigste Löhne jegliche Arbeit anzunehmen, um die Schulden zu bezahlen.3)

Wichtig wäre es jedoch, den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, ein gesichertes Umfeld und einen geregelten Alltag in den Aufnahmeländern zu bieten, um sie nicht immer wieder lediglich als Zahlen aus dem System Verschwundener verbuchen zu müssen. Denn so kann es passieren, dass die Kinderarbeit in Europa wieder steigt. Für die Türkei meldeten Menschenrechtler eine beträchtlich hohe Zahl an illegalen Arbeitern in der Textilbranche. Kinder sollen dabei auch erfasst worden sein und große Firmen wie H&M rücken wieder in den Fokus des Interesses. Wobei sich die Firma – im Gegensatz zu anderen – dazu geäußert und den Verdacht bestätigt hat.4)

Für Mädchen aus Nigera beispielsweise ist die Gefahr groß, als Sexsklaven für Schmuggler arbeiten zu müssen. Sobald sie in den Fängen ihrer Peiniger sind, sind sie quasi unerreichbar. Das effizient strukturierte System des Menschenhandels greift hier besonders gut. Auch die Abhängigkeit wegen der Verschuldung der Familien lässt den Kindern oft einfach keine Wahl, als das zu tun, was ihnen vorgeschrieben wird. Hilfsorganisationen wie Save the Children fordern mehr Aufnahmeplätze für Kinder bereitzustellen und sie stärker auf ihren Wegen zu begleiten, damit sie nicht einfach verschwinden können und somit die Zukunft der Kinder geschützt werden kann.2)5)

  1. Deutschlandradio Kultur: Kinderhandel in Italien. Verschleppt, versklavt, ausgebeutet – Stand 03.02.2016  []
  2. Bayrischer Rundfunk: Helfer schlagen Alarm. Flüchtlingskinder – verschwunden und versklavt – Stand 03.02.2016 [] []
  3. ARD Aktuell /Tagesschau: In Italien spurlos vermisst. Warum Flüchtlingskinder verschwinden – Stand 03.02.2016 []
  4. ARD Aktuell / Tagesschau: Umfrage zu Illegalen als Arbeitskräften. Flüchtlingskinder schuften für H&M und Next – Stand 03.02.2016 []
  5. Entwicklungspolitik-Online: Straßenkinder. Kinderflüchtlinge brauchen mehr Schutz – Stand 03.02.2016 []
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