Bittere Delikatessen: Meeresfrüchte aus Kinderarbeit

Kinderarbeit in der Fischereiindustrie. Bild: © Divya Manian [CC BY 2.0] - Wikimedia Commons

Jedes fünfte Kind in Myanmar geht nicht in die Schule, sondern arbeiten, um seine Familie zu unterstützen. Seit sich die Wirtschaft Myanmars dem Weltmarkt geöffnet hat, ist der Bedarf an Arbeitskräften stark gestiegen. Das gilt auch für die Fischerei. Gerade in diesem Sektor arbeiten besonders viele Kinder. Teilweise dauern ihre Schichten zwölf Stunden.1)  Kinder sind an jedem Produktionsschritt in der Fischerei beteiligt: sie fangen die Meeresfrüchte, reinigen sie, verarbeiten sie weiter und frieren sie ein. Auch beim Verkauf und Transport der Ware müssen sie mithelfen.2)  Arbeitsgesetze für Kinder in Myanmar müssen also dringend verbessert werden.

Doch nicht nur in diesem Land werden Kinder in der Fischereiindustrie ausgebeutet. Auch in Thailand ist Kinderarbeit keine Seltenheit. Besonders davon betroffen sind Kinder von Migranten, zum Beispiel aus Myanmar, Kambodscha und Laos. Häufig schuften sie in sogenannten Lhongs, oft sechs Tage in der Woche. Lhongs sind Hütten, in welchen Shrimps geschält werden. Schätzungen der Menschenrechtsorganisation terre des hommes zufolge waren 2012 etwa 6.000 bis 8.000 Kinder unter 15 Jahren und 20.000 bis 30.000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren in der Garnelen verarbeitenden Industrie in Thailand beschäftigt. Manche geben auch vor, älter zu sein, um eine Stelle zu finden. Arbeitszeiten von über zehn Stunden am Tag sind der Normalfall; Arbeitsverträge werden in der Regel  nicht ausgestellt. All das geschieht, obwohl Kinderarbeit auch in Thailand verboten ist. Die Kinder finden deshalb keine Stellen bei großen, regulierten Unternehmen, sondern arbeiten oft für kleine, nicht registrierte Betriebe.

Mit dem Geld tragen sie ihren Teil zum Familieneinkommen bei. Die Eltern unterstützen damit Familienangehöre in ihren Heimatländern oder erhoffen sich, mit dem Geld eine Existenz in der Heimat aufzubauen. Die Kinder haben gelernt, dass sie nützlich für ihre Familien sein sollen. Darum werden sie von ihren Eltern meist schon früh zum Arbeiten mitgenommen, oft arbeiten Familienmitglieder Seite an Seite. Es ist eine durchaus gefährliche und sehr anstrengende Beschäftigung: Häufig verletzen sich die Menschen, Überstunden und Nachtschichten sind an der Tagesordnung und Pausenzeiten werden nicht eingehalten.

Viele der Kinder finden keine Zeit mehr, in die Schule zu gehen. Im Auftrag von terre des hommes hat das Labour Rights Promotion Network Anfang 2015 arbeitende Migrantenkinder im thailändischen Samut Sakhon befragt. 92 Prozent von ihnen gaben an, keinerlei Bildungseinrichtung zu besuchen. Für sie ist die Wahrscheinlichkeit niedrig, jemals einen Job außerhalb der Fischindustrie zu finden. Sie bleiben arm – und das wiederum birgt die Gefahr, dass ihre eigenen zukünftigen Kinder auch  kaum Zugang zu Bildung bekommen.

Auf den internationalen Handel mit Garnelen hat die EU einen großen Einfluss, denn sie ist mit einem Import von 650.000 Tonnen der Schalentiere der größe Abnehmer weltweit. Etwa 13 Prozent davon stammen aus Thailand, die EU ist also ein wichtiger Handelspartner. Ein mögliches Handelsabkommen zwischen der EU und Thailand sollte, so fordert terre des hommes, nur unter der Bedingung zustande kommen, dass die die bisher inakzeptablen Arbeitsbedingungen in der thailändischen Garnelenproduktion substanziell verbessert sowie die Rechte der Migrantenkinder gewahrt werden.3)

  1. zeit.de: Die Kinderfischer von Myanmar – Artikel vom 25.04.2016 []
  2. greenpeace.de: Kinderarbeit in der Fischerei – Stand: 27.04.2016 []
  3. suedwind-institut.de: Kinderarbeit in der Thai Shrimp-Industrie – Stand: 27.04.2016 []
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