Mehr Tourismus – mehr Entwicklung?

Bild: © drklops - Wikimedia Commons

Urlaub: Sonne, Strand und Meer, das ist das, was sich viele Leute von den Tagen Entspannung im Jahr erhoffen. Dabei werden viele in Tunesien fündig – obwohl nach den Anschlägen 2015 die Branche einen starken Rückgang erfahren musste, erholt sich die Wirtschaft langsam wieder.1) Dies hat aber nicht unerhebliche Folgen. Besonders in den nordafrikanischen Ländern wie Tunesien oder Ägypten ist zu beobachten, dass der Fokus auf den Tourismus nicht der Bevölkerung, sondern eher ausländischen Tourismusunternehmen und Eliten zugutekommt.

Elitenbildung und Ungleichheit zwischen Arm und Reich werden durch die Monopolstellung des Tourismus als stärkster Wirtschaftszweig oft verschärft.Meist kommen die Profite ausländischen Reiseveranstaltern und den lokalen Eliten, die damit ihre Machtbasis stärken, zugute. So maximieren sich die Gewinne für ausländische Investoren, während oft nur ein geringer Teil der Einnahmen im Land verbleibt.2) Wenn ausländische Unternehmen das Management besetzen, während die lokale Bevölkerung nur die kleinen Jobs wie Putzdienste verrichtet, bleibt von dem Geld der wohlhabenden Touristen wenig im Land.3)  Die Aufstiegschancen für Tourismusbetreibende im Land selbst sind gering. Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen sind an der Tagesordnung. Somit bleibt für die Ortsansässigen wenig von den hohen Profiten, die die Tourismusindustrie erzeugt. Die schlechten Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten verhindern eine nachhaltige Entwicklung.4)

Die riesigen Hotelanlagen haben einen enormen Wasserverbrauch – das ist zynisch in Ländern, die an erheblicher Wasserknappheit leiden. Viele Touristen erwarten einen Luxusurlaub mit Swimmingpools und grüne Rasenflächen – diese Ressourcen können nur durch das Grundwasser gedeckt werden. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt an vielen Touristenhochburgen empfindlich.5) Beispielsweise sind in Tunesien zwei Drittel des Landes Wüste oder Halbwüste. Überall herrscht Wassermangel, Kleinbauern versuchen, sich der steigenden Anzahl an Dürren anzupassen, um ihre Heimat nicht verlassen zu müssen. Somit erproben viele Bauern alternative Anbaumethoden, um dem Wassermangel gewachsen zu sein. Manche erwägen aber auch, die Landwirtschaft aufzugeben – und anders wohin zu ziehen.6) Viele wandern dann in die Städte ab: Dort herrschen wegen Unzufriedenheit über die fehlenden Erwerbsmöglichkeiten soziale Spannungen.7)

2015 kamen rund 26.000 Menschen aus den Maghreb-Staaten nach Deutschland.8) Die häufigsten Fluchtgründe aus Tunesien sind die Perspektiv- und Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote liegt bei 15 Prozent, bei Akademikern sogar bei 32 Prozent.9) In einer Umfrage von 2015 gaben die meisten jungen Tunesier an, dass die größte Bedrohung in ihrem Leben die Arbeitslosigkeit ist.7)

Die enorme Perspektivlosigkeit, die fehlende Mitbestimmung und Umweltschädigungen für einen großen Teil der Bevölkerung bedingen die Gefahr der Radikalisierung: Viele Menschen suchen Anerkennung oder einfach eine Erwerbsmöglichkeit und sind so anfälliger, sich einer terroristischen Gruppe anzuschließen. Soziale Gegensätze sind besonders für diejenigen, die tagtäglich mit dem Luxus der modernen Hotelanlagen konfrontiert sind, während sie für einen Hungerlohn arbeiten, deutlich spürbar. Allerdings kann der Tourismus auch eine Chance sein. Tunesien bewegt sich in Richtung einer funktionierenden Demokratie, die Investitionen in Bildung und Gesundheit steigen. Durch einen verantwortungsvollen Tourismus könnte so ein großes Potential an Perspektiven entstehen: Mehr Einnahmen, die im Land bleiben und Arbeitsplätze fernab des Tellerwäschers könnten das nordafrikanische Land auf einem hoffnungsvollen Weg begleiten. Durch fairere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen könnte die Kinderarbeit eingedämmt werden. Immer mehr Reisende legen Wert auf einen nachhaltigen Tourismus –  Tourismus ist ein Wohlstandsphänomen, somit sollte er die Entwicklung eines Landes unterstützen, statt sie zu schmälern.10)

  1. Süddeutsche Zeitung: Erst die Katastrophe, dann das Desaster – Stand 14.04.2016 []
  2. Eduvinet: Auswirkungen des Tourismus in einzelnen Ländern – Stand 14.04.2016 []
  3. Focus Online: Toursismus nutzt Schwellen- und Entwicklungsländern – Stand 14.04.2016 []
  4. Fair Unterwegs: Tourismus und Arbeitsbedingungen – Stand 14.04.2016 []
  5. Tourism Watch: Tourismus in wasserarmen Gebieten – Stand 14.04.2016 []
  6. Welt-Sichten: Tropfen auf den heißen Sand – Stand 14.04.2016 []
  7. LIPortal: Tunesien – Stand 14.04.2016 [] []
  8. Zeit Online: Tunesien und Deutschland starten Pilotprojekt für Abschiebungen – Stand 14.04.2016 []
  9. Zeit Online: Tunesien erlebt schlimmste Unruhen seit Sidi Bouzid – Stand 14.04.2016 []
  10. Entwicklungspolitik Online: Nachhaltig Reisen für mehr Entwicklung – Stand 14.04.2016 []

Über hannah / earthlink

Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!
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