Kolumbien: Der steinige Weg der Kindersoldaten zurück in die Gesellschaft

Kolumbianischer Soldat

Für ehemalige Kindersoldaten sind umfassende Re-Integrationsprogramme besonders wichtig, um ein Leben außerhalb der Kriminalität führen zu können. Bild: © Sgt. Samuel R. Beyers [Public Domain] - Wikimedia Commons

Vergangene Woche gab die FARC bekannt, ihre Kindersoldaten freizulassen. Dies ist Bestandteil der laufenden Friedensverhandlungen zwischen der ehemals mächtigsten Guerrillagruppe Kolumbiens, die sich hauptsächlich durch Kokainhandel finanziert, und der kolumbianischen Regierung. Nach mehr als fünfzig Jahren soll der Konflikt in diesem Jahr beendet werden. Der nun angekündigte Schritt wird von internationalen Beobachtern als Versuch seitens der FARC gewertet, einen glaubwürdigen Beitrag für anhaltenden Frieden in Kolumbien zu leisten.

Zunächst sollen die Kinder, die unter 15 Jahre alt sind, wieder in Freiheit gelangen. Diesem Thema schenkt die kolumbianische Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit: Wie werden Regierung, FARC und UNICEF dafür sorgen, die ehemaligen Kindersoldaten in die Gesellschaft zu reintegrieren? Auch über die Strafen, die den FARC-Mitgliedern für den Einsatz von Kindersoldaten auferlegt werden sollen, wird viel diskutiert.

Berichten zufolge wurden etwa die Hälfte aller FARC-Kämpfer als Minderjährige rekrutiert – seit 1975 waren es etwa über 11.500 Kinder. Teilweise werden sie gezwungen, so jung mit dem Kämpfen zu beginnen. Viele von ihnen aber haben einfach keine andere Option, als den Guerrillas beizutreten, denn sie sind sozial und ökonomisch besonders schlecht gestellt. Das gilt insbesondere in ländlichen Regionen, wo viele Indigene leben. Obwohl die Kinder früh indoktriniert werden, wünschen sich viele von ihnen später, die bewaffnete Gruppenzu verlassen. Dementsprechend hart ist die Strafe der FARC: Deserteure müssen mit dem Tod rechnen.

Zu den Aufgaben der Kindersoldaten zählen unter anderem, Wache zu halten, Minen zu legen, die Teilnahme an Überfällen und in Kämpfen sowie auch das Kochen. Etwa die Hälfte der jungen Kämpfer sind auch bei Erpressungen, Entführungen und Morden dabei. Mädchen werden vor allem dazu eingesetzt, Informationen zu beschaffen und sich in feindliches Gebiet einzuschleusen. Als Folgeschäden ihrer Tätigkeiten für die Guerrillas tragen die Kinder psychische Schäden davon: Sie haben Schlaf- und Angststörungen und konsumieren teilweise psychoaktive Substanzen.

Passende Reintegrationsprogramme sind deshalb besonders wichtig. Mag die FARC auch auf dem Rückzug sein, andere kriminelle Gruppen in Kolumbien – wie etwa die BACRIM – werden mächtiger. Werden die ehemaligen Kindersoldaten nicht wieder vollständig in die Gesellschaft aufgenommen, könnten sie leicht in die Kriminalität zurückfallen. Insbesondere dürfe ihre Vergangenheit nicht einfach totgeschwiegen, sondern Möglichkeiten geboten werden, sie zu verarbeiten und zu trauern, so ein anonymer früherer Kindersoldat.

Dem kolumbianischen Gesetz nach werden Kämpfer, die unter 18 sind, als Opfer illegaler Organisationen betrachtet. Folglich können sie nicht für Verbrechen, die den Guerrillas oder Paramilitärs zur Last gelegt werden, belangt werden.

Ob die Verantwortlichen der FARC für den Einsatz von Kindersoldaten wegen schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden, ist dagegen noch ungewiss. Präsident Juan Manuel Santos hat mehrmals erklärt, dass vor Beendigung der Friedensverhandlungen keine Einzelheiten an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Denn einzelne Elemente würden oft auf Widerstand stoßen. „Deshalb ist nichts beschlossen, bis wirklich alles beschlossen ist.“1)

  1. insightcrime.org: The FARC and Child Soldiers: A Question of Reinegration – Artikel vom 25.05.2016 []
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