„Kinder“-Schokolade – Ist da drin, was draufsteht?

Junge beim Kakao - Trocknen

Junge beim Trocknen der Kakao-Ernte Bild: © Bread for the World [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Viele Erwachsene hierzulande kennen weder die Farbe der Kakaobohne noch wissen sie wie Kakao eigentlich wächst. Anders ist das bei den Kindern aus der Elfenbeinküste. Sie kennen die Frucht sehr gut. Die Côte d’Ivoire, wie das Land offiziell heißt, ist der größte Kakaoproduzent der Welt. Jede dritte auf der Welt gehandelte Kakaobohne wächst dort und jeder vierte Einwohner lebt vom Kakaoanbau. Trotzdem liegt die Armutsrate in der Elfenbeinküste laut Statistik bei 43 Prozent. Die Kleinbauern haben ein durchschnittliches Tageseinkommen von gerade einmal 50 US-Cent pro Kopf. 1)

Das veranlasst viele Familien, die eigenen Kinder in die harte Arbeit mit einzubinden. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF arbeiten über 1,15 Millionen Kinder unter erbärmlichen Bedingungen auf den Kakaoplantagen. Geld oder Zeit für Schule ist nicht vorhanden. Die Umweltorganisation Greenpeace, die vor Ort recherchiert hat, spricht von alarmierenden Zuständen. Nach Angaben der Umweltorganisation sind die Kinder durch die harte Arbeit ständig müde, wirken gealtert und leiden unter Hautkrankheiten und schweren Verletzungen. 2)

Denn die Ernte der kostbaren Frucht ist alles andere als einfach. Der Kakaobaum wird bis zu zwölf Meter hoch und ist am Stamm mit Samen übersät, aus denen schließlich die Kakaofrucht hervorgeht. Die Früchte werden mit Macheten abgeschlagen und anschließend mit Steinen oder Holzscheiten geöffnet, um die Kakaobohnen samt Fruchtfleisch herauszulösen. Ohne Schutzkleidungen hantieren die Kinder bei sengender Hitze mit den gefährlichen Werkzeugen und müssen danach die schweren Körbe und Säcke zur sogenannten Fermentation bringen. Dort wird die Kakao-Ernte mit Bananenblättern abgedeckt und erhält schließlich durch die Wärme und andere chemische Prozesse ihre braune Färbung und das typische Aroma. 3)

„Wer Kinderarbeit bekämpfen will, muss die Bauern aus der Armut holen“, sagt eine ivorische Gewerkschafterin, die als kleines Mädchen oft selbst nicht zur Schule gehen konnte, weil sie ihren Eltern bei der Ernte der Kakaofrüchte helfen musste. Die Bauern können von ihrem Kakao kaum leben geschweige denn die Löhne für Plantagenarbeiter bezahlen. Deswegen werden immer wieder Kinder aus den Nachbarländern Burkina Faso und Mali verschleppt. Bis zu 200.000 Jungen und Mädchen sollen es sein. Offiziell regelt der Staat, wie viel die Bauern beim Verkauf ihrer Bohnen mindestens bezahlt bekommen. Doch in der Region sind libanesische Zwischenhändler am Werk, die ihnen weit weniger bezahlen als vorgeschrieben. Da die Bauern mangels Fahrzeugen keine Möglichkeit haben, ihre Ernte selbst an den Hafen zu bringen, sind sie den Machenschaften dieser Händler ausgeliefert. 4)

Der kleine ivorische Kakaobauer kann das System und die multinationalen Konzerne nicht bezwingen – der Verbraucher jedoch schon! Denn „faire Schokolade“ ist längst keine Utopie mehr: Selbst im Discounter gehört sie längst zum Standardsortiment. Dass der Kauf von Fairtrade-Produkten durchaus Wirkung auf die Menschen in den Anbaugebieten hat, zeigt das Dorf Tiemokokro. Noch vor einigen Jahren passten in die Schlaglöcher der Dorfstraßen ganze Kühe. Das hat sich inzwischen geändert. Besonders stolz sind die Dorfältesten auf ihre neue Schule. In einem Land, in dem laut Schätzungen knapp die Hälfte der Bevölkerung Analphabet ist, keine Selbstverständlichkeit. Errichtet werden konnte sie aus Geldern der Fairtrade-Kooperative.

700 Bio-Bauern zählt die Region inzwischen. Sie erhalten unter anderem Gummistiefel, die sie vor Schlangen schützen und Zugang zu neuen Spritzmitteln, die ihren Ertrag steigern. Die Schokoladen-Fans in den Konsumentenländern können anhand von Siegeln und Zertifikaten erkennen, ob sie dem Bauer die Gummistiefel mitfinanzieren. So sind es eben manchmal schon die kleinen Entscheidungen im Alltag, die das Leben der Bauern und Kinder in anderen Teilen der Erde retten können. 5)

  1. kurier.at : Elfenbeinküste: Leben, wo der Kakao wächst – Artikel vom 12. Dezember 2015 []
  2. vernetzte-er.de: „Kinder“ Schokolade – im wahrsten Sinn des Wortes – Stand: 29. Juni 2016 []
  3. regenwald-schuetzen.org: Die Arbeitsschritte der Kakaoernte – Artikel vom 29. Juni 2016 []
  4. tagesspiegel.de: Schokolade ist unfair – Artikel vom 18. Dezember 2015 []
  5. kurier.at : Elfenbeinküste: Leben, wo der Kakao wächst – Artikel vom 12. Dezember 2015 []

Über Marleen / earthlink

Nach meiner Ausbildung zur Investmentfondskauffrau in Frankfurt habe ich mich entschlossen für ein Praktikum die Seiten zu wechseln und entwicklungspolitische Probleme zu untersuchen. Dafür bin ich ins wunderschöne München gereist und unterstütze von nun an für sechs Wochen das Earthlink-Team. Ich freue mich auf spannende Themen und die Analyse internationaler Beziehungen und Konflikte :)
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