Welttag gegen Kinderarbeit – Das Leiden geht weiter, doch die Zahlen geben Grund zur Hoffnung

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„Kinderarbeit sind laut Definition Formen der Arbeit, für die Kinder zu jung sind – weil sie gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt die Mädchen und Jungen ihrer Kindheit und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.“1) Ein Kind wird immer dann als arbeitend bezeichnet, wenn es wirtschaftlich aktiv, also erwerbstätig ist. In Deutschland gibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz, das ganz genau regelt was zu den legalen Beschäftigungen für Kinder zählt und vor allem ab welchem Alter diese erledigt werden dürfen. Leichte Arbeiten wie Zeitungsaustragen dürfen schon jüngere Jugendliche erledigen, den meisten Tätigkeiten kann man dann ab 15 nachgehen.1) Nicht überall auf der Welt gibt es allerdings solche Gesetze, oder es gibt sie und sie werden nicht beachtet.

Dank des Engagements vieler Non-Profit-Organisationen, neuer Reglementierungen und zunehmendem öffentlichen Bewusstsein ist es in den vergangenen 15 Jahren gelungen, zahlreiche Fortschritte auf dem Gebiet zu erzielen. Immer weniger Kinder müssen weltweit arbeiten. Im Vergleich: seit 2000 sind laut Schätzungen die offiziellen Zahlen der Kinderarbeiter um 30% zurückgegangen. Damals arbeiteten 246 Millionen, heute sind es nach Schätzungen der ILO noch etwa 168 Millionen. Es handelt sich dabei allerdings trotzdem noch weltweit um ganze 11 Prozent der Kinder zwischen fünf und 17 Jahren. 120 Millionen von ihnen sind jünger als 15 Jahre. All diese Kinder müssen auf elementare Rechte und Chancen verzichten, sie haben schlechtere Entwicklungsmöglichkeiten und kaum Aussicht auf Bildung. Mehr als 85 Millionen diese Kinder leiden sogar unter gefährlichen und ausbeuterischen Maßnahmen.1)

Die am meisten betroffenen Regionen sind  Subsahara-Afrika, wo mit 21,4 Prozent jedes fünfte Kind arbeitet, Asien und der Pazifikraum (9,3 Prozent),  Lateinamerika und der Karibik-Raum (8,8 Prozent) sowie Nahost und Nordafrika (8,4 Prozent).2)

Generell kann Kinderarbeit ganz unterschiedlich aussehen, von wenigen Stunden die Woche bis 14 Stunden pro Tag, von der Herstellung von Waren, über die Ausführung von Dienstleistungen bis hin zur sogenannten „gefährlichen Arbeit.“ Knapp die Hälfte der arbeitenden Kinder (85 Millionen) verrichtet gefährliche Arbeiten, zu denen unter anderem die Arbeit mit gefährlichen Maschinen und Werkzeugen, schwere Transporte, Arbeit mit gefährlichen Stoffen und Substanzen sowie Nachtarbeit zählen. Ganz generell  handelt es sich dabei um Arbeiten, „in denen Kinder physischer, psychischer und sexueller Misshandlung ausgesetzt sind.“2) Problematisch ist, dass besonders hier eine genaue Erfassung schwierig ist, weil solche Tätigkeiten oft illegal oder in Extremsituationen wie bewaffneten Konflikten ausgeübt werden (z.B. Zwangsprostitution, Zwangsrekrutierung).2)

Auf Tabak-Plantagen werden indonesische Kinder ausgebeutet

Ein solches Beschäftigungsfeld, in dem Kinder unter extremen Bedingungen leiden, ist beispielsweise die Tabakproduktion. Dort arbeiten tausende von Kindern, manche erst 8 Jahre alt, unter schwierigsten Bedingungen, kritisierte Human Rights Watch in einem kürzlich erschienenen Bericht. Nicht nur lokale, sondern auch multinationale Tabakkonzerne kaufen diesen Tabak ohne sich Gedanken über Kinderarbeit auf den Plantagen zu machen.3)

Arbeit auf der Tabak-Plantage macht jedoch krank. Täglich sind die Kinder Nikotin, giftigen Chemikalien, scharfen Werkzeugen, extremer Hitze und schweren Lasten ausgesetzt. Ihre Gesundheit und Entwicklung wird dadurch dauerhaft beeinträchtigt. Schätzungen der ILO zufolge arbeiten allein in Indonesioen über 1.5 Millionenen Kinder zwischen 10 und 17 Jahren im landwirtschaftlichen Sektor. Unzählige von ihnen auf  den 500.000 Tabak-Plantagen des Landes. Human Rights Watch hat diese Kinder befragt und dabei herausgefunden, dass die Folgen bereits jetzt spürbar sind. Über die Hälfte der Kinder leide unter Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen, Symptome, die für eine akute Nikotin-Vergiftung sprechen. Andere Kinder erzählten, dass das Abmischen und Anwenden von Pestiziden zu ihrem Tätigkeitsbereich gehöre. Atemwegserkrankungen, Krebs, Depressionen, und andere Gesundheitsbeeinträchtigungen können die Auswirkung sein. Die Eltern seien sich solcher Risiken nicht bewusst, es fehle massiv an Aufklärung in der Bevölkerung, kritisierte Human Rights Watch.3)

Es sei die Aufgabe der Tabak-Konzerne, die Produzenten dazu anzuhalten auf Kinderarbeit zu verzichten und sie anderenfalls zu sanktionieren. Außerdem müsse die indonesische Regierung endlich den Industriezweig regulieren, damit Produzenten zur Rechenschaft gezogen werden könnten, sagt Margaret Wurth, Menschenrechtsaktivistin bei Human Rights Watch. Aber keine der beiden Maßnahmen scheint zu funktionieren. Die Konzerne sind sich oftmals nicht darüber im Klaren, von welchen Produzenten der Tabak stammt – ob jener auf Kinderarbeit setzt, ist somit nicht nachvollziehbar. Auch die indonesische Regierung zeigt kaum Interesse, etwas an der Situation zu ändern. Zwar ist laut indonesischem Gesetz gesundheitsschädliche Arbeit für Kinder unter 18 Jahren verboten, die Arbeit mit Tabak wird aber nicht als solche angesehen. Als eines von wenigen Ländern weigert sich Indonesien auch die Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs  zu unterzeichnen.3)

Auf dieses und unzählige andere Beispiele für die Ausbeutung und Gefährdung von Kindern soll der Welttag gegen Kinderarbeit jedes Jahr am 12. Juni aufmerksam machen. Erst wenn wir uns die Bedingungen, unter denen Kindern weltweit ihr überleben sichern müssen, kritisch ins Bewusstsein rufen, können wir anfangen, etwas zu verändern. Wie jeder einzelne einen Beitrag leisten kann, erfahrt ihr auf unserer Seite. Dort findet Ihr auch Auflistungen mit fairen Handelshäusern und Zertifikaten, an denen ihr Euch orientieren könnt um kritische Produkte zu vermeiden.

  1. Unicef: Kinderarbeit: Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten; 09.06.2016 [] [] []
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Internationaler Tag gegen Kinderarbeit; 12.06.2015 [] [] []
  3. Human Rights Watch: Indonesia: Child Tobacco Workers Suffer as Firms Profit; 25.05.2016 [] [] []

Über Alexa / earthlink

Mein Name ist Alexa Lenz, ich bin 23 und Studentin der Politikwissenschaft. Besonders interessiere ich mich für Internationale Politik und für den Raum Lateinamerika. Auch Entwicklungspolitik finde ich sehr spannend, weshalb ich momentan als Praktikantin bei Earthlink arbeite.
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Ein Kommentar zu Welttag gegen Kinderarbeit – Das Leiden geht weiter, doch die Zahlen geben Grund zur Hoffnung

  1. Anna sagt:

    Es ist wichtig auf diese Thema aufmerksam zu machen. Denn Kinderarbeit schadet nicht nur den Kindern, sondern der gesamten Gesellschaft. Kinder, die arbeiten, können nicht zur Schule gehen, ihre Chancen im Leben verbessern und dazu beitragen, gesellschaftliche Probleme zu lösen.

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