Brasilien: Kinderprostitution überschattet die Olympischen Spiele in Rio

Symbolbild Bild: © Luci Correia [CC BY 2.0] - Flickr

Vergangenen Donnerstag sprengte die Polizei in Rio einen Kinderprostitutionsring. Besonders erschreckend ist: Dieser befand sich in unmittelbarer Nähe zum Olympischen Park. Nur eine Woche trennte die brasilianische Metropole davon, die diesjährigen Sommerspiele neben einem unaussprechlichen Verbrechen stattfinden zu lassen.

Nach Informationen der Polizei lockten zwei zu diesem Zeitpunkt noch flüchtige Männer Minderjährige in eine Wohnung im Stadtteil Barra da Tijuca. Ihnen wurden, beworben in sozialen Netzwerken, Perspektiven als Model, Schauspielerin oder als Moderatorin versprochen. Doch als die Jugendlichen die Wohnung betraten, wurden diese eingesperrt und gezwungen ihren Körper an Freier zu verkaufen. Der Plan der beiden flüchtigen Zuhälter sah es vor, weiterer Kinder für den Zeitraum der Olympischen Spiele habhaft zu werden, um sogenannte „Sexprogramme“ der Minderjährigen für die zahlreichen Besucher organisieren zu können.

Während der erfolgreichen Aktion der Sicherheitskräfte konnten nach bisherigen Informationen sechs Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren befreit werden.((BILD: Kinderprostitutions-Ring vor Olympiapark hochgenommen; Artikel vom 29.07.2016)) Staatsanwalt Marcio Mothé mutmaßte „Es besteht der Verdacht auf Verbindung zum internationalen Kinderhandel“. Der entscheidende Tipp zur Zerschlagung des Rings wurde von Nachbarn gegeben, die mutmaßten, in der Wohnung würde herkömmlicher Prostitution nachgegangen.((Spiegel Online: Polizei deckt Kinderprostitutionsring am Olympiapark auf; Artikel vom 29.07.2016))

Bereits das letzte Großereignis in Brasilien, die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, wurde von Fällen von Kinderprostitution überschattet. Im vergangenen Jahrzehnt verzehnfachte sich die Zahl der brasilianischen Prostituierten und das Land wird immer mehr zum Ziel von sogenannten „Sextouristen“, die für ein paar Euro den Sex mit Minderjährigen suchen.((Welt: Der Kinderstrich boomt im Schatten der Fußball-WM; Artikel vom 28.05.2014)) In Rio wird das unmenschliche Geschäft von den lokalen Kartellen kontrolliert, die nach einer Studie der UN über eintausend Kinder zwischen 8 und 15 Jahren verfügen: erschreckende Zahlen. Doch international ist die Lage noch wesentlich schlimmer.  Weltweit werden geschätzte 1,8 Millionen Kinder zur Prostitution oder Pornographie gezwungen: Das sind mehr Minderjährige als Hamburg über Einwohner verfügt.((Straßenkinderreport: Kinderprostitution; Stand: 01.08.2016))

Die Befreiung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Kinderprostitution in Brasilien, doch ist es nur ein kleiner Erfolg. Solange das organisierte Verbrechen nicht effektiv bekämpft werden kann, wird auch der kommerzielle Missbrauch von Kindern kein Ende finden.

Über Domenick / earthlink

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.
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