Jordanien: Trotz neuer Gesetze – Kinderarbeitszahlen verdoppeln sich im letzten Jahrzehnt

Symbolbild Bild: © Photo Unit [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Einer neuen Studie der ILO zufolge gibt es einen drastischen Anstieg der Kinderarbeit in Jordanien. Zwischen 2007 und 2016 soll sich die Zahl der arbeitenden Kinder nahezu verdoppelt haben. Besonders schwerwiegend sind die teils hochgefährlichen Umstände unter denen die zwischen fünf und 17-Jährigen zu arbeiten haben. „Wir sind zutiefst besorgt über den starken Anstieg der Kinderarbeit in Jordanien“, sagte Insaf Nizam, oberster technischer Berater des ILO Projekts „Moving towards a Child Labour Free Jordan”. „Aber wir fanden außerdem heraus, dass die Anstrengungen aller Akteure einige Fortschritte hervorgebracht haben, sozioökonomisch bedingte Kinderarbeit einzugrenzen“. Trotzdem offenbarte der Bericht den vermehrten Einsatz von Kindern nicht nur in leichten Arbeiten wie dem Verkauf, sondern besonders in gefährlichem Umfeld wie in der Landwirtschaft, der Fischerei und der Forstwirtschaft. Im Durchschnitt soll die Arbeitszeit der Minderjährigen um die 33 Stunden in der Woche betragen haben.1)

Bereits im Juni 2016 sorgte eine Studie des Phenix Instituts for Economics and Informatics in Amman für Aufsehen. Diese sprach gar von einer Verdreifachung der Zahl der Kinderarbeiter in den letzten zehn Jahren.2) Doch welche Zahlen auch immer näher an der Wahrheit liegen, sind diese Entwicklungen nichtsdestoweniger überraschend. Jordanien ratifizierte im Jahre 2011 etliche von der ILO begrüßte Gesetze, welche die Kinderarbeit im Land eindämmen sollten. Das Problem liegt aber vor allem in der Umsetzung.3) „Die Untersuchung zeigt, dass mit mehr Nachdruck an der Implementierung des gesetzlichen Rahmenwerkes gearbeitet werden muss, um eine signifikante Reduzierung der Kinderarbeit im Königreich erreichen zu können.“, kommentierte Nizam das Phänomen.

Einen weiteren Faktor für die stark angestiegene Kinderarbeitsstatistik bilden die zahlreichen syrischen Flüchtlinge, die in Jordanien Zuflucht gesucht haben. Deren Nachwuchs ist aufgrund der schlechten Versorgungslage und ihrer Armut gezwungen, in gefährlichen Bedingungen und für oft noch schlechtere Bezahlung als vergleichbare jordanische Kinder zu schuften. Die Quote der arbeitenden syrischen Kinder in Jordanien liegt dabei doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.1)

Die ILO und die internationale Gemeinschaft müssen weiter Druck auf das arabische Königreich ausüben, die bestehenden Gesetze effizient umzusetzen und neue Reglementierungen zu schaffen. Andernfalls wird der steigende Trend der arbeitenden Kinder mit der grassierenden Armut im Land immer weiter zunehmen.

  1. ILO: Child labour doubles in Jordan since 2007 – Survey; Artikel vom 16.08.2016 [] []
  2. Jordan Times: ‚Child labour tripled in Jordan over past decade‘; Artikel vom 11.06.2016 []
  3. U.S. Department of Labour: 2014 Child Labour and Forced Labour Reports – Jordan; Stand: 23.08.2016 []

Über Domenick / earthlink

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.
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