Menschenrechtsverletzungen im täglichen Einkaufskorb: Brandrodung und Kinderarbeit für Pizza, Kosmetika & Co.

Kinderarbeit auf Palmölplantage, Indonesien

Bild: © ILO in Asia and the Pacific [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Was verbindet Magnum-Eis, Colgate-Zahnpasta, Dove Kosmetikprodukte, Ariel Waschmittel und einen KitKat Schokoriegel? All diese Produkte enthalten das derzeit meist produzierte Pflanzenöl: Palmöl.1) Es zeichnet sich vor allem durch seinen niedrigen Weltmarktpreis aus.2) Doch um diesen zu erhalten und dennoch die enorme Menge von 66 Millionen Tonnen pro Jahr produzieren zu können, lassen Großkonzerne Mensch und Natur leiden.

Einen solchen Großbetrieb stellt auch Wilmar International dar. Dabei handelt es sich um ein in Singapur ansässiges Agrarunternehmen, welches riesige Nutzflächen insbesondere in Malaysia und Indonesien besitzt. Das Unternehmen ist derzeit führender Produzent von Palmöl und Biodiesel weltweit. Zu den wichtigsten Kunden des Konzerns gehören beispielsweise Nestlé, Kellogg’s, Colgate und Unilever.3)4)

Seit mehreren Jahren wird das Unternehmen jedoch immer wieder, sowohl mit nachlässigem Umweltschutz, als auch mit der massiven Missachtung von Menschenrechten in Verbindung gebracht. So bedroht der Konzern durch die großflächige Rodung von Primärwaldflächen zur steten Ausweitung seiner Produktion das einmalige Ökosystem der Länder und damit auch die in ihm lebenden indigenen Gemeinschaften.5) 2015 wurde dabei  in Indonesien durch kontrollierte Waldbrände täglich mehr CO2 ausgestoßen als in allen EU-Ländern zusammen. In Folge verursachte die hohe Luftverschmutzung bei hunderttausenden in Indonesien lebenden Menschen, schwere Atemwegserkrankungen.1)

Hinzu kommt, dass der Konzern auch mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht wird. Dabei berichtet Amnesty International in einem letztjährigen Bericht, dass Zulieferer und Tochtergesellschaften von Wilmar Kinder – oft nicht älter als acht Jahre – auf Plantagen beschäftigen. Dabei müssen die Kleinen körperlich schwere Arbeiten ohne Sicherheitsausrüstung verrichten und sind oft giftigen Pestiziden ausgesetzt.6) Doch auch viele volljährige Arbeiter leiden unter diesen Bedingungen, werden weit unter dem, ohnehin schon geringen, gesetzlichen Mindestlohn bezahlt und müssen täglich oft unerreichbare Erträge leisten. Frauen sind zudem häufig starker Diskriminierung ausgesetzt.4)

Ungeachtet dessen, ist Wilmar seit 2005 Mitglied des „Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) und seine Kunden vermarkten ihre Produkte unter dem Siegel der versprochenen Nachhaltigkeit.4) Zertifizierungen scheinen also keine Garantie für die Einhaltung von Menschenrechten und nachhaltiger Produktion zu bieten. Wichtiger wäre es daher, dass eine gesetzliche Bindung der Unternehmen durch den Staat an deren Sorgfaltspflichten nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte stattfindet.7)

Denn auch der Druck humanitärer Organisationen auf die Unternehmen scheint ohne gesetzliche Verpflichtungen oft im Sande zu verlaufen. So versicherte Wilmar bereits 2016 auf verschärfte Nachfrage der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die interne Struktur auf Missstände hin zu überprüfen. Diese Prüfung hat jedoch bis heute nicht stattgefunden. Vielmehr wird sogar berichtet, dass Arbeiter dazu genötigt werden, herrschende Missstände auf den Plantagen abzustreiten, was Wilmar jedoch revidiert.8)9)10)

Fraglich bleibt jedoch, wieso es den Großkonzernen trotz des Wissens über die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Plantagen nicht möglich ist, selbst bei einem jährlichen Ertrag von mehreren Hundert Millionen US-Dollar die Arbeitsbedingungen auch für die lokalen Plantagenarbeiter sicher, gerecht und wertschätzend zu gestalten.8)

  1. Facing Finance: Dirty Profits 5; Stand vom 16.03.17 [] []
  2. Rettet den Regenwald e.V.: Palmöl – ein umstrittenes Alltagsprodukt; Stand vom 16.03.17 []
  3. Facing Finance: Wilmar International Limited; Stand vom 16.03.17 []
  4. Amnesty International: Palm Oil: Global brands profiting from child and forced labour; Artikel vom 30.11.16 [] [] []
  5. Facing Finance: Beschwerde gegen Wilmar – RSPO gibt indigener Gemeinschaft Recht; Artikel vom 21.02.17 []
  6. Amnesty International: Indonesia: The Great Palm Oil Scandal: Labour abuses behind big brand names: Executive summary; Bericht vom 30.11.16 []
  7. Amnesty International: Globale Konzerne profitieren von Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen; Artikel vom 30.11.16 []
  8. Facing Finance: Kritik an Wilmar hält an: Amnesty International beklagt Arbeitsrechtsverletzungen und Einschüchterungen; Artikel vom 13.03.17 [] []
  9. Wilmar International: Wilmar Seeks Collaboration for Labour Transformation in Palm Oil; News Report vom 29.11.16 []
  10. Reuters: Palm oil giant denies covering up labor abuses in Indonesia; Artikel vom 07.03.17 []

Über Verena / earthlink

Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften im Master und bin nun für 6 Wochen Praktikantin bei Earthlink. Ich freue mich besonders mich in dieser Zeit intensiv mit aktuellen entwicklungspolitischen Themen zu beschäftigen und mich hierfür sozial zu engagieren.

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