Schatten der Wegwerfgesellschaft – Wie unser Müll Kinder vergiftet

Die Mülldeponie Agbogbloshie in Ghana gehört zu den giftigsten Orten der Welt Bild: © Fairphone [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Armut ist die Hauptursache, dass Mädchen und Jungen unter 18 Jahren zum Arbeiten gezwungen werden. Etwa 152 Millionen Kinder schuften jeden Tag unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Sie ruinieren ihre Gesundheit und können nicht in die Schule gehen. Das Arbeiten auf den Abfallbergen von Mülldeponien ist für viele die einzige Chance, etwas Geld für das tägliche Überleben zu verdienen. Bis zu 45 Millionen Tonnen Elektroschrott wurden im Jahr 2017 weltweit produziert. Allein die deutschen Haushalte sind für 1,9 Millionen Tonnen verantwortlich und gehören somit zu den Hauptverursachern. Nach EU-Richtlinie muss der Elektroschrott fachgerecht entsorgt und wiederverwertet werden. Doch in der Realität läuft es anders ab. Der Großteil der Geräte landet auf einer der unzähligen illegalen Müllkippen in Afrika, China oder Indien. Diese befinden sich in den bedürftigen Gegenden in den von Armut geprägten Ländern. Unter Lebensgefahr müssen Jugendliche und Kinder die Reste nach verwertbaren Materialien durchsuchen.1) 2) 3)

Neben Plastik gehört der Elektroschrott zu den am meisten produzierten Müllarten, die aus Europa kommen. Giftige Stoffe wie Arsen oder Blei aus den Geräten geraten dabei ins Grundwasser, was für Mensch und Umwelt lebensgefährliche Auswirkungen hat. Die naheliegenden Flüsse und Seen werden vergiftet und lösen einen Rückgang der Wasserlebewesen aus. In den giftigen Müllhalden suchen Kinder nach Spuren von wertvollen Rohstoffen wie Gold, Coltan oder Kupfer. Sie schmelzen das Kunststoffgehäuse von Fernsehern oder Kabelisolierungen, um an die Rohstoffe zu gelangen. Dabei kommen die Kinderarbeiter mit bloßen Händen in Kontakt mit giftigen Substanzen wie Quecksilber und Chrom. Beim Verbrennen von Kupfer werden krebserregende Stoffe wie Dioxine und Furane freigesetzt. Dabei entstehen toxische Dämpfe, die stark gesundheitsschädlich sind und die die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen können. Die Dämpfe lösen neben Krebs aber auch Hautkrankheiten aus und schädigen Lunge, Leber und Nieren. Doch das Auseinanderbauen der Geräte würde zu viel Zeit verbrauchen. Die Kinder setzen sich der Schadstoffbelastung aus und verbrennen den Schrott, um möglichst viele Rohstoffe aus den Endgeräten zu gewinnen. Nach der Tagesarbeit verkaufen die Kinder und Jugendlichen das gewonnene Metall an die Händler aus der Nähe. Für einen Tag Schwerstarbeit verdienen sie höchstens ein paar Euro. Die Metalle sind begehrte Rohstoffe auf dem globalen Markt. Ihre Nachfrage steigt stetig an. Die von Kinderhand recycelten Rohstoffe gelangen somit wieder in die Industriestaaten. Dieses sogenannte „Urban Mining“, die Gewinnung von Ressourcen durch Recycling, ist in den Verbraucherländern zu teuer. Es ist kaum rentabel, da die wiederverwertbaren Metalle nur eine sehr geringe Menge aufweisen. Somit wird der Elektroschrott in die Entwicklungsländer als angebliche Second-Hand-Ware abgeschoben.4) 5)

In der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist verankert, dass jedes Kind vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt werden und nicht zu einer mit Gefahren verbundenen Arbeit gezwungen werden soll. Ebenso hat es das Recht, keine Arbeit zu verrichten, die seine Gesundheit sowie seine körperliche, seelische und soziale Entwicklung beeinträchtigen kann. Doch trotz der Konvention schieben die Industrieländer ihren Müll in die Entwicklungsländer ab. Mit dem klaren Wissen, dass vor Ort Kinderarbeit betrieben wird. Es ist das traurige Resultat unserer Wegwerfgesellschaft. Den Recyclingfirmen ist eine saubere Entsorgung zu teuer, eine illegale Ausfuhr ist weitaus kostengünstiger. Oft stoppen die Entwicklungsländer die Einfuhr nicht, da der Schrott für viele Menschen die Lebensgrundlage bildet. Im Moment profitiert die Wirtschaft der Entwicklungsländer noch davon. Doch die eher geringen Mengen an kostbaren Metallen stehen nicht im Verhältnis zu der Tatsache, dass die Kinder auf den Müllhalden zugrunde gehen.6) 7) 8)

  1. Technology Review: Statistik der Woche: So viel Elektromüll produzieren wir; Artikel vom 19.12.17 []
  2. Stern: Kinderarbeit in der Schrotthölle; Artikel vom 22.02.14 []
  3. Plan International: Grüne Woche: Aktiv gegen Kinderarbeit; Artikel vom 19.01.18 []
  4. Planet Wissen: Giftiger Elektromüll; Stand vom 09.03.18 []
  5. Helles Köpfchen: Elektroschrott und Kinderarbeit: Geschäft auf Kosten der Ärmsten; Artikel vom 11.02.13 []
  6. UN-Kinderrechtskonvention: Kinderarbeit; Stand vom 09.03.18 []
  7. UN-Kinderrechtskonvention: Ausbeutung; Stand vom 09.03.18 []
  8. Naturwelt: Unser Elektromüll in Afrika; Artikel vom 14.11.14 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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