Fujitsu

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Coltan - Kobalt - Kupfer -
Branchenzuordnung: Elektronik -

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Das Unternehmen legt großen Wert auf seine europäischen Standorte, in denen ebenfalls geforscht, entwickelt und auch produziert wird.2)
  • Woher die Rohstoffe und Vorprodukte kommen, ist uns nicht bekannt.
  • Im Jahr 2005 wurden 85 Prozent der Fujitsu Produkte in Asien gefertigt.3)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit/CSR?/:

  • Das Unternehmen ist Mitglied des UN Global Compact.4) Zu den zehn Prinzipien des Global Compact in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung gehört auch die Abschaffung von Kinderarbeit.
  • Es gibt einen firmeneigenen Verhaltenskodex (The Fujitsu Way Code of Conduct), in dem (unter anderem auf Basis von ILO-Standards) Arbeitsstandards festgeschrieben sind. Fujitsu spricht sich explizit gegen Kinderarbeit aus.5) Das Unternehmen bemüht sich eigenen Angaben zufolge, seine Firmenpolitik bzgl. Kinderarbeit so gestalten, wie es die Kinderarbeitsvorschriften in der ILO-Konvention vorschreiben.4)
  • Laut dem Code of Conduct sind Zulieferer dazu angehalten, Mechanismen anzuwenden, die Kinderarbeit (definiert durch nationale Gesetze oder internationale Standards) in ihren Fabriken verhindern und aufspüren. Sollte Kinderarbeit in einer Firma entdeckt werden, soll der Zulieferer Maßnahmen ergreifen, um eine Entlassung der Kinder mit einer „angemessenen Unterstützung und rentablen Alternativen für die Kinder und ihre Eltern“ einzuleiten. Der Code of Conduct fordert die Zulieferer dazu auf, die Arbeitsbedingungen der erwachsenen ArbeiterInnen so zu gestalten, dass sie nicht auf die finanzielle Unterstützung Ihrer Kinder angewiesen sind.6)
  • Das Unternehmen stellt Möglichkeiten zur Verfügung, darunter z.B. ein e-Learning Programm, mit denen sich alle Angestellten weltweit mit den Richtlinien der Unternehmenspolitik („the Fujitsu Way“) und mit den sozialen Standards vertraut machen können.7)
  • Das Kinderarbeitsverbot ist Teil der Beschaffungspolitik:8) Auch alle Zulieferer müssen sich durch das Unterschreiben des Global Procurement Agreement (GPA) zu den ILO-Arbeitsnormen und den Standards des UN Global Compact bekennen.4) Das Unternehmen veröffentlichte 2006 seine CSR Procurement Guidelines, in denen auch die Zulieferer zur Einhaltung von Sozialstandards, unter anderem das Verbot von Kinderarbeit, bei der Beschaffung angehalten werden.9)10)
  • Das Unternehmen orientiert sich an den Handlungsempfehlungen der ISO 26000, die auch die Achtung der Menschenrechte und ein ethisches Verhalten vorsehen.11)4)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Fujitsu bietet mehrere Systeme, die es ermöglichen sollen, eine Verletzung der Fujitsu Arbeitsstandards an das Unternehmen zu melden (Bsp.: „Fujitsu Alert“)4)
  • Das Unternehmen lässt schriftliche Befragungen (Selbst-Einschätzungen) bei den Zulieferern durchführen, die den Fortschritt einiger CSR-Aktivitäten des Unternehmens feststellen sollen. Die Befragung umfasst detaillierte Fragen über die Arbeitspraktiken der Zulieferer, auch in Bezug auf Kinderarbeit. Auch die Beschaffung der für die Produktion verwendeten Mineralien wird dabei beleuchtet.4) Im Jahr 2012 hat das Unternehmen außerdem 117 Fujitsu Group Unternehmen, orientiert an den Handlungsempfehlungen der ISO 26 000, schriftlich befragt. In dem Zusammenhang wurden auch Informationen über Initiativen gegen Kinderarbeit eingeholt.12)13)
  • Auch interne und externe Audits werden nach Angaben der Organisation „Fair Computer“ durchgeführt. Keine Angaben zu den externen Auditunternehmen, zu der Regelmäßigkeit, der Unabhängigkeit und der Vertrauenswürdigkeit der Audits.14)
  • Im Falle eines Verstoßes der Fujitsu-Richtlinien behält sich das Unternehmen das Recht vor, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, z.B. eine Überprüfung der künftigen Zusammenarbeit mit dem Lieferanten oder auch eine Kündigung des Liefervertrags. Da jedoch die Kündigung eines Liefervertrages oft zur Folge hat, dass der Lieferant seinerseits Mitarbeiter entlässt, versucht das Unternehmen eigenen Angaben zufolge vorrangig, einen positiven Einfluss in Bezug auf die Arbeitsverhältnisse bei seinem bestehenden Lieferanten auszuüben.  Das Kündigungsrecht eines Vertrages soll als Druckmittel zur Erreichung dieses Zieles dienen.2)
  • Das Unternehmen kontrolliert (nach unserer Einschätzung) nicht alle relevanten Produktionsschritte. Um ausbeuterische Kinderarbeit für ein Endprodukt möglichst ausschließen zu können, müssen alle relevanten Produktionsschritte kontrolliert werden. Relevant sind Produktionsschritte in Ländern oder Regionen, für die bekannt ist, dass ausbeuterische Kinderarbeit in diesem Bereich regelmäßig vorkommt. Dies betrifft auch Vorprodukte über die gesamte Produktions- und Lieferkette hinweg, die das Unternehmen von Zulieferern bezieht.

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Yonghong Electronics ist eine chinesische Fabrik, die unter anderem für Fujitsu fertigte. Bei einer Untersuchung der Organisation Students and Scholars against Corporate Misbevaviour (SACOM) im Jahr 2006/2007 wurden dort Kinderarbeiter entdeckt. SACOM gab an, sieben der zu jungen ArbeiterInnen selbst interviewt zu haben. Nach Angaben der Organisation bestätigten alle befragten ArbeiterInnen, dass unter 16 jährige in der Fabrik arbeiteten. SACOM bemerkt auch, dass Arbeitsrechte der Kinder verletzt wurden.15) Yonghong Electronics stellte daraufhin keine Kinderarbeiter mehr ein, wie ein Folgebericht der Organisation 2008 feststellte.16)

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Studie 2006/07 widerlegte Fujitsu diese Vorwürfe: Fujitsu Siemens Computers (damals ein Joint Venture mit Siemens) war zwar Kunde des Yonghong Electornics Mutterkonzerns FSP gewesen, hatte jedoch kein Lieferantenverhältnis mit Yonghong Electronics. Die Produkte, die Fujitsu Siemens Computers bei FSP einkaufte, wurden nicht von Yonghong Electronics gefertigt. (( E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 24. Juli 2014 ))

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Es liegen uns hierzu keine aussagekräftigen Informationen vor.

Bemerkenswertes

  • Fujitsu wurde in der Vergangenheit des Öfteren angeklagt, in mehreren Zulieferfabriken Menschenrechte und Arbeitsrechte bei der Herstellung seiner Produkte zu missachten. In mehreren Fabriken von Fujitsu beklagen die Organisation Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) und Brot für Alle 2007 in einem Firmenprofil Fujitsus die Missachtung von Arbeitsrechten.17) 2005 kritisiert SOMO außerdem, das Unternehmen würde zu wenig Verantwortung für die Zustände in Zulieferfabriken übernehmen.18) Im Jahr 2008 erschien eine Studie „The Dark Side of Cyberspace“ der Kampagne Clean-IT: Auf Grundlage von Interviews mit ArbeiterInnen wurde mehreren Computerunternehmen (auch Fujitsu) vorgeworfen, grundlegende Arbeitstandards zu missachten. Fujitsu Siemens (Firmenname damals), das Produkte in der miserabel bewerteten Firma Excelsior Electronics herstellen ließ, reagierte auf die Vorwürfe besonders negativ: Während sich andere Firmen kooperativ zeigten, hielt sich Fujitsu zurück. Auch die Schritte, die Fujitsu gedachte, als Reaktion auf die Vorwürfe zu unternehmen, wurden von der Kampagne als kontraproduktiv verurteilt.19)20) 2013 berichtete ein Report europäischer Organisationen (Danwatch, Centrum CSR.PL, People & Planet, SETEM, Südwind und Weed), dass Arbeiterrechte in der Firma Taida Electronics in Guangdong in China, die auch für Fujitsu produziere, missachtet würden.21)
  • Zu Ausbeutung in der Elektronikindustrie veröffentlichte die australische NGO Baptist World Aid am 19. Mai 2014 ihren Bericht „Electronics Industry Test“. Zwei Jahre lang untersuchte die NGO 39 der weltweit größten Elektronik-Konzerne hinsichtlich ihrer Unternehmenspolitik und unter anderem der Arbeitsbedingungen in den eigenen Produktionsstätten und denen ihrer Zulieferer sowie hinsichtlich Transparenz. Die teilnehmenden Unternehmen konnten die Noten A bis F erhalten, wobei A die Bestnote war. (siehe unseren Blogbeitrag) Fujitsu erreichte lediglich die Bewertung D+. Bericht und Erklärung hier.22)

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Links

  1. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 27. Juni 2014 []
  2. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 24. Juli 2014 [] []
  3. Fair Computer: Fujitsu Siemens CSR profile – nicht mehr aufrufbar 20.2.15 []
  4. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 27. Juni 2014 [] [] [] [] [] []
  5. Fujitsu: Global Business Standards; aufgerufen am 02. Juli 2014 []
  6. Fujitsu: Supplier Code of Conduct; aufgerufen am 09. Juli 2014 []
  7. Fujitsu: Csr – Vision – Activity; aufgerufen am 03. Juli 2014 []
  8. Fujitsu: Procurement policy; aufgerufen am 02. Juli 2014 []
  9. Fujitsu: Procurement; aufgerufen am 08. Juli 2014 []
  10. Fujitsu: Pprocurement: Policy; aufgeurfen am 08.07.2014 []
  11. BMAS: Die DIN ISO 26000: „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen“; aufgerufen am 26.01.2017 []
  12. Fujitsu: Human Rights; aufgerufen am 08.07.2014 []
  13. Fujitsu.com: Iso26000; aufgerufen am 08.07.2014 []
  14. Fair Computer: Fujitsu-Siemens Computers – CSR Company Profile; erschienen – nicht mehr aufrufbar 20.2.15 []
  15. Sacom: “Clean up your Computer” Campaign: Yonghong Electronics; erschienen Februar 2007; aufgerufen am 09.Juli 2014 []
  16. realtid.se: Summary Report:Child Labor, Forced Labor,and Forced Child Labor in ChinaM erschienen Juli 2009; nicht mehr verfügbar []
  17. Fair Computer: Fujitsu-Siemens Computers – CSR Company Profile; erschienen – nicht mehr aufrufbar 20.2.15 []
  18. Greenamerica.org: Sweatshop News; erschienen Dezember 2005; aufgerufen am 09. Juli 2014 []
  19. Clean-IT: Südwind Agentur.at; Computerfirmen reagieren auf Vorwürfe zu schlechten Arbeitsbedingungen; erschienen am 15.06.2009; aufgerufen am 26.01.2017 []
  20. Sacom: The dark side of cyberspace; erschienen Dezember 2008; aufgerufen 09.07.2014 []
  21. Danwatch.dk: It workers still pay teh price for cheap computers; erschienen November 2013; nicht mehr aufrufbar 27.03.2015 []
  22. Baptistworldaid.org.au: BehindtheBarcode: Electronics Industry Trends Report Australia; erschienen 19. Mai 2014; aufgerufen am 08.07.2014 []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

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