Inditex

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Leder - Schuhe - Textilien -
Branchenzuordnung: Mode, Bekleidung, Textilien -

Die Firma Inditex verkauft ihre Artikel unter den Markennamen:

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Nach Auskunft von Inditex werden rund 50% der Produkte, die das Unternehmen vertreibt, in Spanien, Portugal und Marokko produziert. Weitere 15% stammen aus anderen europäischen Ländern, inklusive der Türkei. Die restlichen 35% werden in Asien und anderen Ländern gefertigt.1)
  • Der Inditex Jahresbericht 2012 gibt insgesamt 1.434 Zulieferer für das Unternehmen an, davon 672 in Asien, 446 in EU-Staaten, 136 in europäischen nicht EU-Staaten (einschließlich Russland und Türkei), 112 in Afrika und 68 in Nord- und Südamerika.2)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

  • Inditex verfügt über zwei Verhaltenskodize: einen für interne Hersteller und einen für externe Hersteller sowie Zulieferer. Diese wurden nach dem Beitritt von Inditex zur Ethical Trading Initiative (ETI) zu einem gemeinsamen Code of Conduct zusammengeführt und 2007 und 2012 modifiziert.3)
  • Laut dieses Kodex ist Kinderarbeit verboten. Als Kinder gelten bei Inditex Minderjährige unter 16 Jahren. Sollte die lokale Gesetzgebung ein höheres Mindestarbeitsalter vorschreiben, übernimmt Inditex dieses.3)
  • In Übereinstimmung mit der Empfehlung 138 der ILO, dürfen außerdem Jugendliche unter 18 Jahren nicht in Nachtschichten arbeiten oder zu gefährlichen Tätigkeiten herangezogen werden.3)
  • Sollte Kinderarbeit innerhalb der Wertschöpfungsketten ihrer Produkte aufgedeckt werden, ist der betroffene Zulieferer dafür verantwortlich, dass das Kind Bildung erhält, finanziell unterstützt wird und beim Erreichen des notwendigen Mindestalters muss dem Kind ein Arbeitsplatz angeboten werden. Inditex überprüft diesen Prozess.4)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

Inditex gibt die Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit bei über 90% der Zulieferer in allen Regionen an. (( Inditex Annual Report 2012, S. 72 – aufgerufen am 22.05.2014 )) Sozialaudits überprüfen die Konformität der Zulieferer mit dem Verhaltenskodex der Firma. Im Jahr 2012 wurden nach Angaben der Firma 3.513 solcher Audits durchgeführt, davon knapp die Hälfte in Asien.5) Die Audits werden größtenteils intern durchgeführt, es gibt aber auch externe Kontrollen. Externe Kontrolleure werden allerdings von Inditex selbst weitergebildet. Inditex-Kontrolleure sind SA8000 zertifiziert.6)

Im Zuge dieser Audits werden den Zulieferern Noten zugesprochen: Die Note A bedeutet, dass es keine Konflikte mit dem Code of Conduct gibt, Note B, dass es geringfüge Probleme bei der Umsetzung der Standards gibt und Note C, dass der Zulieferer wichtigen Punkten des Code of Conduct nicht entspricht. Laut dem Jahresbericht von 2012 haben über 91% der Zulieferer die Noten A oder B erhalten. Inditex hat es sich zum Ziel gesetzt, dass alle Zulieferer dieses Ziel erreichen.7)

Zusätzlich kann ein Zulieferer auch den CAP-Status erhalten. CAP steht für „Corrective Action Plan“ (Korrektur-Maßnahmen-Plan) und wird dann benutzt, wenn schwere Verstöße gegen den Code of Conduct festgestellt worden sind. In diesem Fall wird zusammen mit dem Zulieferer ein Verbesserungsplan erstellt. Sollte dieser Plan abgelehnt werden oder die in dem Plan festgelegten Ziele nicht rechtzeitig erreicht werden, beendet Inditex die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Hersteller.8) Momentan befinden sich 471 Zulieferer in einem Verbesserungsprozess, und 70% haben bereits Fortschritte erzielt.9)

 

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Zwei Vorfälle bei Zara wurden bekannt: im Jahr 2011 bei einer brasilianischen Zulieferfirma AHA, welche 90% ihrer Kleidungsstücke an Zara vertreibt, sowie im Jahr 2006 Fälle von Kinderarbeit in Portugal, die von zu Hause aus Schuhe für einen Zulieferer Zaras herstellten.10)
  • 2013 berichtete die argentinische Arbeiterschutz-NGO “La Alameda” Sklaven- und auch Kinderarbeit11) in mehreren Fabriken in Argentinien entdeckt zu haben. In diesen Fabriken sollen unter anderem Zara-Produkte gefunden worden sein.12)  13)

Siehe dazu die Seite der Marke Zara.

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

Vorfälle Brasilien:

  • Inditex äußerte sich per E-Mail14)  und in einer Pressemitteilung zu den Vorwürfen und gab bekannt, nichts von der illegalen Beschäftigung der Minderjährigen im Zulieferbetrieb gewusst zu haben. Dieser habe demnach gegen den Code of Conduct des Unternehmens verstoßen.4)

Folgende Schritte wurden unternommen:

  • Die Zulieferfirma AHA übernahm die Verantwortung, dennoch wurde ein Strafverfahren gegen Inditex eingeleitet. Inditex sollte 8,2 Mio. Euro Strafe zahlen, in einer außergerichtlichen Einigung mit dem brasilianischen Arbeitsministerium wurde die Summe auf 1,4 Mio. Euro reduziert. Dies wurde von Journalisten auch als Schuldeingeständnis von Inditex gewertet.15)
  • Die Arbeitsbedingungen in der Zulieferfirma werden überprüft und gemäß den für Inditex gültigen Code of Conduct angepasst.16)

Folgende Schlussfolgerungen wurden gezogen:

  • Inditex wird in Zukunft zusammen mit der brasilianischen Arbeits- und Beschäftigungsbehörde strengere und lückenlosere Kontrollen durchführen.
  • Das brasilianische Arbeitsrecht soll strikt umgesetzt werden.16)

Vorfälle Portugal:

  • In Kooperation mit der spanischen Gewerkschaft CC.OO, dem Verband der Textil-, Leder-, Chemie- und verwandter Industrien (FITEQA) und dem Gewerkschaftsbund der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie (FESETE-CGTP) aus Portugal wurde sich den Vorwürfen angenommen.

Folgende Schritte wurden unternommen:

  • Die Betriebe des beschuldigten Zulieferers wurden besucht
  • Angestellte wurden befragt
  • Die Umsetzung der Arbeitsrechte wurde überprüft. Insbesondere die Thematik “Arbeit zu Hause”, die in der Branche durchaus üblich ist. Denn darauf bezog sich der Vorwurf.
  • Die Familien der betroffenen Kinder wurden besucht und befragt
  • Die Schulen der betroffenen Kinder wurden besucht und ihre Lehrer befragt

Folgende Schlussfolgerungen wurden gezogen:

  • In den Betrieben gab es keine Anzeichen auf Kinderarbeit
  • Die Kinder der besuchten Familien besuchten regelmäßig eine Schule
  • Die Arbeitsbedingungen in dem Zuliefererbetrieb sind akzeptabel und die Richtlinien des Code of Conduct umgesetzt
  • Offenbar gab es eine Familie, bei der im Rahmen der “Arbeit zu Hause” der Sohn des Arbeiters gelegentlich mithalf Schuhe zu nähen
  • Inditex ist deshalb der Meinung, dass die Kontrollen noch strenger und lückenloser werden müssen und das portugiesische Arbeitsrecht strikt umgesetzt wird17)18)

Vorfälle in Argentinien von 2013:

  • Inditex betont, mit den betroffenen Produktionsorten nicht direkt in Verbindung zu stehen und sieht keine Beweise, dass dort wirklich Zara-Produkte hergestellt worden sind. Sie bieten der NGO „La Alameda“ allerdings ihre Kooperation bei der Untersuchung der Vorwürfe an.19)

Siehe auch Seite der Marke Zara.

 

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Es liegen uns hierzu keine aussagekräftigen Informationen vor.

 

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen?

Negatives:

  • Die niederländische Clean Clothes Campaign kaufte 2001 Aktien von Inditex, um hierdurch einfacher an Informationen gelangen zu können.20) Sie veröffentlichte eine Studie über die Arbeitsbedingungen in marokkanischen Fabriken und berichteten über schlechte Bezahlung der Angestellten und Misshandlungen.21)

Positives:

  • Inditex hat seit 2001 einen CSR-Aspekt in die Unternehmensstrategie aufgenommen. Diese umfasst neben der Umweltstrategie auch die finanzielle Unterstützung sozialer Programme in über 20 Ländern weltweit (gesellschaftliche Verantwortung). Im Jahresbericht 2012 gibt Inditex an, über 20 Millionen Euro in soziale Projekte investiert zu haben.22)

 

Stand: Mai 2014

Links und Quellen

  1. Auskunft durch Inditex per E-Mail am 5. Juli 2011 []
  2. Inditex Annual Report 2012, S.63 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  3. Inditex Code of Conduct for Manufactors and Suppliers – aufgerufen am 22.05.2014 [] [] []
  4. Inditex Annual Report 2012, S. 73 – aufgerufen am 22.05.2014 [] []
  5. Inditex Annual Report 2012, S. 68 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  6. Inditex Annual Report 2012, S. 70 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  7. Inditex Annual Report 2012, S. 69 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  8. Inditex Annual Report 2012, S. 71 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  9. Inditex Annual Report 2012, S.72 – aufgerufen am 22.05.2014 []
  10. Bericht in El Mundo: Un semanario de Portugal denuncia que una empresa subcontratada de Zara explota a niños (27.05.2005 auf Spanisch) []
  11.  Zara Accused Of Using Sweatshops – erschienen am 04.04.2013 – aufgerufen am 14.07.2014 []
  12. Forbes.com: Zara Accused of Slave Labor – aufgerufen am 23.05.2014 []
  13. stern.de, 28.03.2013: Aufstand gegen Zara – aufgerufen am 23.05.2014 []
  14. E-Mail von Inditex vom 22.08.2011 []
  15. Die Süddeutsche: Arbeitsbedingungen in Brasilien: Zaras Sklaven (22.12.2011) []
  16. E-Mail von Inditex vom 22.08.2011 [] []
  17. Inditex Pressemitteilung 1 27.05.2006 – Link zum Artikel nicht mehr abrufbar am 21.03.2014 []
  18. Inditex Pressemitteilung 2 02.06.2006 – Link zum Artikel nicht mehr abrufbar am 21.03.2014 []
  19. Forbes.com: Zara Accused of Slave Labor – aufgerufen am 23.05.2014 []
  20.   CCC-Spain buys shares in Inditex – Clean Clothes Campaign – Artikel vom 01.09.2001 – nicht mehr verfügbar []
  21. The responsibility of Spanish garment retailers for the social and working conditions in Northern Morocco – Clean Clothes Campaign – Artikel vom 01.03.2002 – nicht mehr verfügbar []
  22. Inditex Annual Report 2012, S.110 – aufgerufen am 23.05.2014 []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

Ein Kommentar zu Inditex

  1. Christine sagt:

    In einer TV-Dokumentation über Inditex wurde vor einer Weile gezeigt, wie ein französisches Reporterteam sich in Indien und Bangladesh auf die Suche nach Subunternehmen und Zulieferern machte. Was mit teilweise versteckter, teils offener Kamera gefilmt wurde, verschlug mir den Atem: 10jährige Kinder, die in verdreckten, barackenähnlichen Verschlägen an der Nähmaschine standen und, damit nicht genug, dort auf dem Betonboden direkt unter der Nähmaschine schliefen. Diese Kinder werden wie Sklaven gehalten. Gegenüber den Reportern trauten sich die meisten nicht zu reden. Wer sich traute, erzählte verstört von 12-stündigen Arbeitstagen ohne freien Tag, von Schlägen, Verbot während der Arbeit aufs Klo zu gehen und dergleichen mehr.
    Im Gespräch mit dem Manager eines Produktionsbetriebes erzählt dieser vor laufender Kamera, Inditex-Vertreter hätten ihn einen Vertrag unterschreiben lassen, in dem sich der Nähbetrieb von Kinderarbeit usw. distanzieren müsse, so wie es dem Code of Conduct entspricht, aber die Einhaltung dieser Reglementierungen wurde in seinem Betrieb seit Jahren noch nie kontrolliert. Dabei sei er offizieller Produzent von Zara-Bekleidung. Von all den kleinen Sub-Firmen und Hintergassen-Zulieferern ganz zu schweigen. Seiner Meinung nach interessiert Inditex sich aber gar nicht für die tatsächlichen Arbeitsbedingungen, sondern nur für Qualität der Ware und Preis.
    Als das französische Reporterteam den Inditex-Pressesprecher mit den Filmaufnahmen konfrontierte, beteuerte dieser natürlich, nichts von alldem gewusst zu haben und versprach baldiges Eingreifen. Klar.
    Erwähnt wurden in der Doku übrigens auch H&M, die unter den selben Bedingungen produzieren, sowie Primark und andere bekannte Händler von Billigkleidung.
    Seit dem Tag haben meine Familie und ich beschlossen, nie mehr einen Fuß in eine Filiale von Inditex, H&M, C&A, Primark und Konsorten zu setzen.

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