Zwangsheirat

Als Zwangsheiraten gelten jene Ehen, die gegen den Willen mindestens eines der beiden Partner geschlossen werden. Die Kinderheirat kann ebenso als Form der Zwangsehe bezeichnet werden, da sie nicht durch Entscheidung mündiger Ehepartner zustande kommt.1)

Betroffene Länder

In welchen Länder gibt es Zwangsehen?

In Art. 16 Abs. 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt es:
“Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.“2) Zwangsheirat ist also theoretisch weltweit verboten, wird in einigen Ländern jedoch trotzdem stillschweigend hingenommen, so dass nach wie vor mehrere Millionen Mädchen davon betroffen sind. Zu diesen Ländern gehören gemäß der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes:
Albanien, Bangladesh, China, Griechenland, Indien, Italien, Jordanien, die Republik Kongo, der Kosovo, Marokko, Nigeria, Sri Lanka, die Türkei und der Vietnam.

Ursachen

Warum werden Mädchen und Frauen zwangsverheiratet?

Fallbeispiel
Schicksal von Aischem aus der östlichen Türkei
„Ich habe alles falsch gemacht! Mein Hochzeitstag ist mein Todesdatum. Ehrlich, es ist mein Todestag. An diesem Tag bin ich gestorben, das ist die Wahrheit. Sie haben mich verkauft. Normalerweise hätten sie 1.250 Euro Brautgeld zahlen müssen. Aber für 250 Euro gaben meine Eltern mich nach Deutschland weg.
Ich kam mit 16 Jahren nach Deutschland. Am Anfang musste ich im Haushalt arbeiten wie eine Sklavin und durfte die Wohnung nicht verlassen. Deutsch habe ich nicht gelernt. Die Familie hatte Angst, dass ich auf dumme Gedanken kommen könnte.“

Ihr Mann schlägt, vergewaltig und demütigt sie zwölf Jahre lang. Als Aischem es nicht mehr aushält, zeigt sie ihren Mann bei der Polizei an. Jetzt lebt sie versteckt, aus Angst vor der Rache der Familie ihres Mannes.

Gemäß dem Kinderhilfswerk UNICEF sind Zwangsehen nur in einem patriarchalischen Umfeld, das Mädchen und Frauen benachteiligt und diskriminiert, möglich.
Die Gründe für Zwangsehen sind vielschichtig:

  • Kulturelle/religiöse Gründe:
    Kinder werden einander oft schon im frühen Kindesalter „versprochen“. Die Familie versucht, die Kinder so zu verheiraten, dass sie ihre gesellschaftliche oder wirtschaftliche Lage hierdurch möglichst verbessern. Zwangsehen kommen oft bei Migrantenfamilien vor, die versuchen, durch die erzwungene Heirat zweier Personen mit gleicher Herrkunft in einem fremden Land, die eigene Kultur und Identität zu sichern.
  • Finanziellen Gründe:
    In einigen Kulturen ist es Brauch, dass die Familie des Mannes einen Brautpreis für die Heirat entrichten muss. Dieser ist meist niedriger, je älter das Mädchen bei der Hochzeit ist. Gerade für ärmere Familien ist dies ein Grund, die Tochter so früh wie möglich zu verheiraten. Außerdem muss dann eine Person weniger versorgt werden.
  • Jungfräulichkeit:
    Die Jungfräulichkeit wird meist als sehr wichtig angesehen, daher werden Mädchen sehr früh verheiratet, um ihre Jungfräulichkeit zu gewährleisten. Wenn ein Mädchen droht, auf die „schiefe Bahn“ zu geraten, wird die Zwangsheirat oft als Disziplinierungsmaßnahme eingesetzt.
  • Erzwungene „Aufenthaltsehe“:
    Ein weiterer Grund ist die Erlangung einer Aufenthaltsgenehmigung durch die Heirat für den Ehepartner im Immigrationsland.

Konsequenzen

Wie wirkt sich Zwangsheirat auf die Mädchen/Frauen aus?

Unter Zwangsehe haben überwiegend Mädchen zu leiden. Zwangsverheiratet findet hauptsächlich in den Ländern, in denen Mädchen und Frauen in Bezug auf Bildung und Durchsetzung ihrer Rechte stark benachteiligt sind, statt. Jungen/Männer können sich oft frei für ihre zukünftige Partnerin entscheiden.

Meistens werden die Mädchen vorher nicht über die anstehende Heirat informiert.
Wenn sich ein Mädchen weigert, eine solche Ehe einzugehen, wird es starken Repressionen durch die eigene Familie ausgesetzt. Diese reichen von Beschimpfungen und Drohungen über Prügel bis hin zum „Ehrenmord“. Erzwungene Ehen bringen für die Mädchen und Frauen die ständige Angst vor sexueller Gewalt und ungewollten Schwangerschaften mit sich.
Besonders in Migrantenfamilien wissen die Mädchen oft nichts von ihrer anstehenden Hochzeit. Sie fahren in den Sommerferien in das Heimatland der Eltern. Dort wird ihnen dann ihr Pass und ihr Geld abgenommen und sie werden zwangsverheiratet.

In Deutschland wurden in den letzten Jahren in verschiedenen Städten Umfragen zum Thema Zwangsehen gemacht: Eine Untersuchung von 2004 geht in Berlin von 300 Zwangsheiraten pro Jahr aus. Baden-Württemberg hatte 215 Fälle im Jahr 2005. In Hamburg waren es 2006 210 Fälle. Man muss davon ausgehen, dass es in Deutschland jedes Jahr wahrscheinlich mehr als 1.000 Mädchen sind. Die Dunkelziffer könnte noch weitaus höher liegen.3)4)

Hilfe/Beratung

Unterstützung für Betroffene:

Wenn Sie selbst von Zwangsheirat oder Gewalt im Namen der Ehre betroffen sind oder Ihre FreundIn/Bekannte oder Verwandte, finden Sie im Hilfsleitfaden von Terre des Femmes konkrete Ratschläge oder persönliche Hilfe im Jugendportal Zwangsheirat, ebenfalls von Terre des Femmes.

Quellen + Links

  1. amnesty international []
  2. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte []
  3. Der SPIEGEL []
  4. Der SPIEGEL []

5 Kommentare zu Zwangsheirat

  1. Celine sagt:

    Ich habe eine Frage bezüglich der Liste der Länder in denen Zwangsheirat durchgeführt wird. Ist diese Liste ganz sicher vollständig? Von anderen Quellen habe ich nämlich Informationen die besagen, dass beispielsweise Niger auch Zwangsheiraten ausführt.

  2. nataly24024 sagt:

    ach die armen mädchen die haben doch noch ihr ganzes leben vor sich . andere mädels in deren alter lachen,gehen mit freunden in die disco , und denken noch garnicht an das heiraten ,sie genießen den tag und gehen ihren hobbys nach. und das ist garnicht ok wenn kinder im alter von 14-17jahren schon eigende kinder bekommen . an alle mädels in nigeria lasst nicht den kopf hängen irgendwo auf der welt giebt es einen mann der euch liebt wie ihr selber seid

  3. Kalbrecht Ulrich sagt:

    M.E. enthält der Artikel zwei sachliche Fehler:
    1. Die Familie des Mannes muss der Familie der Braut einen Brautpreis bezahlen, nicht umgekehrt (als Ausgleich für die verlorene Arbeitskraft der Frau, weil sie ja zur Familie des Mannes geht)
    2. Der Brautpreis ist höher, je jünger die Braut ist!

    • Mathias / EarthLink sagt:

      Hallo Ulrich,

      danke für deinen Beitrag. Du hast tatsächlich Recht – der Brautpreis wird von der Familie des Bräutigams entrichtet. Wir korrigieren das auf der Seite.

      Beste Grüße,
      Mathias.

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