Vorwürfe gegen israelische Siedler im Westjordanland

Bild: © n.v. -

Zur Zeit rätseln die Zeitungen über das Schicksal des Gefangenen X, einem ehemaligen Mossad Agenten, der in einem israelischen Gefängnis Selbstmord begangen haben soll.1) Viel weniger Aufmerksamkeit aber bekamen Berichte der letzten Woche, nach denen die Arbeit palästinischer Kinder in israelischen Siedlungsgebieten „unkontrollierbar“ geworden sei.

Mitarbeiter der palästinensischen Autonomiebehörde hatten Israel vorgeworfen, die Kinder „zu ihrem Vorteil auszunutzen“ und in Kauf zu nehmen, dass sie „die Schule verlassen, um auf israelischen Farmen zu arbeiten“.2) Andere Organisationen behaupten schon länger, dass israelische Siedler Subunternehmen anstellten, welche wiederum Kinder unter Vertrag nähmen. Arbeitsrechtliche Bestimmungen würden so umgangen, sowohl die gegen Kinderarbeit als auch allgemeine Schutzbestimmungen wie z.B. Mindestlöhne. Angeblich gehe Israel nicht gegen solche Praktiken vor.3)

In den autonomen Regionen des Westjordanlandes  ist die Arbeit für unter 15- Jährige verboten, darüber ist sie eigentlich nur im Rahmen einer Berufsausbildung erlaubt. Dennoch sind manche Kinder aufgrund der hohen Armut gezwungen, zum Familienunterhalt beizutragen. Genaue Zahlen sind kaum verfügbar. Doch Berichten zufolge arbeiten Kinder dort nicht nur in der Landwirtschaft und als Straßenverkäufer, sondern auch in Steinbrüchen, als Geröll- oder Müllsammler, oder sie müssen Drogen und Waffen über die israelische Grenze schmuggeln.4)

Arabische Berichterstatter weisen oft darauf hin, dass der Grenzwall und die israelische Besatzungspolitik die Palästinenser noch tiefer in die Armut getrieben haben.5) Auch Human Rights Watch beklagte in einem Bericht vom 14.02.2013, dass aufgrund der Umsiedlungspolitik Israels zahlreichen Palästinensern der Zugang zu ihrem Land verwehrt wurde. Außerdem habe die Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten die wirtschaftliche Erholung des Gebiets verhindert.6) In den Tunneln zwischen dem Gazastreifen und Ägypten werden, um die Blockade zu umgehen, Konsumgüter geschmuggelt, wozu ebenfalls Kinder eingesetzt werden. Die Arbeitsbedingungen sind hart, was den Drogenmissbrauch unter den Kindern fördert. Zudem sind sie ständig einer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt, da die israelische Armee versucht, den heimlichen Handel zu unterbinden.7)

Die ganze Schuld auf die Israel zu schieben ist zu einfach, denn die Durchsetzung der Kinderschutzgesetzte in den autonomen Gebieten lässt zu wünschen übrig. Außerdem herrscht gerade in traditionell geprägten Kreisen der palästinensischen Gesellschaft die Überzeugung, dass es das Recht der Eltern sei, zu entscheiden, ob ein Kind die Schule besuchen darf. Vor allem Mädchen aus Beduinenfamilien können deshalb oft nicht zur Schule gehen8) und müssen stattdessen arbeiten.

Die Sprecher der Palästinenserbehörde haben angekündigt, über das Organ des „Palestinian-Israeli Civil Affairs Liaison Coordination Office“ mit den Israelis über das Problem der Kinderarbeit zu sprechen.9) Falls dabei die Kinder im Streit über die Siedlungspolitik nicht vergessen werden, kann dadurch vielleicht die Ausbeutung der Kinder durch beide Seiten verhindert werden.

  1. „Der “Gefangene X” – mit dem Laken erhängt“ – Tagesschau.de – aufgerufen am 20.02.2013 – Link nicht mehr abrufbar: 21.02.2014 []
  2. „Palestinian child labour in Israel ‘uncontrollable’“ – gulfnews.com – aufgerufen am 20.02.2013 []
  3. „Palestinian Child Labour in Illegal Israeli Settlements“ – Middle East Children´s Alliance – aufgerufen am 20.02.2013 []
  4. „2011 Findings on the Worst Forms of Child Labour – Non-Independent Countries and Territories” –  United States Department of Labour – aufgerufen am 20.02.2013 []
  5. Israel policies pushing Palestinians deeper into poverty: U.N.“ – Al Arabiya News – Link nicht mehr verfügbar []
  6. HRW Report 2012 – aufgerufen am 20.02.2013 []
  7. „2011 Findings on the Worst Forms of Child Labour – Non-Independent Countries and Territories” –  United States Department of Labour – aufgerufen am 20.02.2013 []
  8. „2011 Findings on the Worst Forms of Child Labour – Non-Independent Countries and Territories” –  United States Department of Labour – aufgerufen am 20.02.2013 []
  9. „Palestinian child labour in Israel ‘uncontrollable’“ – gulfnews.com – aufgerufen am 20.02.2013 []

Über Katharina / earthlink

Ich studiere im 5. Semester Politik und Recht an der LMU München. In meinem Semesterpraktikum bei earthlink recherchiere ich zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitik.
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