Subventionen auf Kosten von Entwicklungsländern

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Manch einer würde es scheinheilig nennen. Die USA propagieren in Person des IWF und der Weltbank seit Jahrzehnten eine neoliberale Weltwirtschaftsordnung, halten sich aber oft, genauso wenig wie die Europäische Union, nicht an die vorgegebenen Maßnahmen. Besonders Entwicklungsländer, die durch Strukturanpassungsprogramme den Richtlinien des Washington Consensus folgen müssen, leiden unter den Verzerrungen des Weltmarkts, die durch die ausufernden Subventionspolitken der westlichen Industrienationen verursacht werden. Am Beispiel der US Baumwollindustrie soll aufgezeigt werden, welche Auswirkungen eine unfaire Subventionspolitik auf die Baumwollproduzenten der „Cotton-4-Länder“, Benin, Burkina Faso, Chad, und Mali, hat.

Diese Länder zählen zu den ärmsten Ländern der Welt und zeichnen sich durch extrem hohe Armutsquoten sowie durch die weitverbreitete Kinderarbeit aus. Aufgrund der geringen Personalkosten und des optimalen Klimas produzieren diese Länder eine qualitativ hochwertige Baumwolle, deren Export eine wichtige Einnahmequelle für viele Menschen darstellt. Allein in Burkina Faso leben etwa zwei Millionen Menschen von der Baumwollproduktion, die Hälfte von ihnen unterhalb der Armutsgrenze.

Doch die USA, weltweit drittgrößter Baumwollproduzent hinter China und Indien, aber viel entscheidender, der weltgrößte Exporteur, zerstören den Weltmarktpreis für Baumwolle, indem sie jedes Jahr Milliarden an Subventionen für ihre 25.000 amerikanischen Baumwollfarmer bereitstellen. Das Argument, dass Baumwollsubventionen kleinen US Farmen helfen, muss zurückgewiesen werden. 2004 erhielten gerade einmal 10% der größten Baumwollfarmen in den USA sagenhafte 73% der gesamten Subventionen. Eigentlich wären diese auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähig, denn trotz der vollautomatisierten Ernte sind die Produktionskosten mehr als doppelt so hoch wie in West- und Zentralafrika. Doch da die USA pro Jahr ungefähr dreimal mehr Geld zur Stützung ihrer heimischen Baumwollindustrie ausgeben als für die gesamte Entwicklungshilfe für Afrika in einem Jahr, wird der eigentliche Wettbewerbsvorteil der „Cotton-4-Länder“ zunichte gemacht. Die Subventionen stimulieren die amerikanische Überproduktion und tragen somit entscheidend zum Verfall der Weltmarktpreise für Baumwolle bei.

Für Millionen von Afrikanern hat das fatale Folgen. Berechnungen der Weltbank zufolge müssen die west- und zentralafrikanischen Regierungen allein durch die US Subventionen Mindereinnahmen von mindestens 250 Millionen Dollar jährlich hinnehmen. Verschiedenen Schätzungen zu Folge könnte sich der Weltmarktpreis für Baumwolle um 10% – 25% erhöhen, würde die USA ihre ausgeprägte Subventionspolitik einstellen.

Die Organisation „Malian Organic Movement“ (Mobiom) konnte in einem Fair Trade Pilotprojekt im Süden Malis, bei dem 8.000 Baumwollfarmer aus verschiedenen Regionen teilnahmen, zeigen, dass sich mit Hilfe höher Baumwollpreise die Lebensumstände der Betroffenen deutlich verbessern lassen. In den jeweiligen Regionen wurden vermehrt Gesundheitszentren gebaut. Außerdem verbesserte sich die Einschulungsquote deutlich. Kinder von Baumwollfarmern mussten nicht mehr dauerhaft als billige Arbeitskraft auf den Feldern helfen, sondern konnten stattdessen regelmäßig die Schule besuchen. In einigen Gebieten im südlichen Mali stieg die Einschulungsquote auf 95 Prozent, bei einem nationalen Durchschnitt von 45 Prozent.1)2)

Heute, über 10 Jahre nachdem Brasilien einen internationalen Handelsdisput vor der WTO gewinnen konnte, gibt es Hoffnung für die „Cotton-4-Länder”. Nachdem Brasilien über eine Dekade lang internationalen Druck auf die USA ausgeübt hat, einschließlich der Androhung von Sanktionen, die Entscheidung des WTO Streitschlichtungsorgans zu respektieren, Exportsubventionen für amerikanische Landwirte zu beenden, kommt Bewegung in die Sache. Das im letzten Jahr verabschiedete US-Agrargesetz reformiert die Höhe und die Verteilung der Baumwollsubventionen. Während vor dem Erlass des Gesetzes der Baumwollsektor die höchsten Subventionen aller Feldfruchtproduzenten zugeteilt bekam, wird er nun den kleinsten Teil ak­qui­rie­ren.3)

Dieser historisch einmalige Prozess kann durchaus als Hoffnungsschimmer für Entwicklungsländer gewertet werden. Es ist zwar weiterhin unmöglich, dass sich gering entwickelte Länder wegen unfairer Handelsbedingungen auf internationaler Ebene gegenüber westlichen Industrienationen durchzusetzen vermögen. Aber aufgrund der wachsenden ökonomischen Bedeutsamkeit von Schwellenländern, deren Interessen sich bezüglich der Beendigung der westlichen Dominanz innerhalb der Weltwirtschaft meist mit denen von Entwicklungsländern überschneiden, könnte es in Zukunft deutlich öfter gelingen westliche Handelsmonopole zu durchbrechen.

  1. The Impact of U.S. Subsidies on West African Cotton Production []
  2. The Great Cotton Stich-Up []
  3. US farm bill promises reduced cotton subsidies as Brazil pressure pays off []

Über timothy / earthlink

ich bin 21 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft B.A. an der Universität Mannheim. Aufgrund meines großen entwicklungspolitischen Interesses habe ich mich dazu entschieden ein Praktikum bei Earthlink e.V. zu beginnen.
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