6 000 Kindersoldaten in der Zentralafrikanischen Republik

Bild: © Meul - Wikimedia Commons

Charly, heute 16 Jahre alt, zeigt auf seine Flip Flops: sie sind zerlöchert. Er sagt, als er noch bei den Rebellen war, hatte er Schuhe, eine Uniform und eine Waffe. Nun ist er wieder nur ein Kind in dem andauernden Krieg in der Zentralafrikanischen Republik – wieder machtlos, ohnmächtig.1)

Seit einem Coup 2012 kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen den meist christlichen Anti-Balaka und den muslimischen Séléka Rebellen. In den letzten drei Monaten allein sind bei Gefechten der beiden Gruppen 2 000 Menschen zu Tode gekommen.2) Zurzeit befinden sich rund 7 000 Truppen  im Land und im September soll nun eine noch größere Einheit zur Friedenssicherung in das Land entsendet werden.3)

Trotzdem wird die Situation nicht besser. Der Anführer der Séléka, der durch den Putsch an die Macht kam, musste zwar im Januar dieses Jahres das Amt des Präsidenten wieder aufgeben, dennoch kontrolliert die Rebellengruppe noch immer große Teile im Norden des Landes.4) Zudem sind 600 000 Menschen auf der Flucht und 2,2 Millionen brauchen humanitäre Hilfe.3) Die Gesundheits- und Sozialsysteme sind zusammengebrochen.5) Die Vereinten Nationen schätzen, dass bis Jahresende mehr als 360 000 Menschen in die Nachbarländer geflohen sein werden. Die Anrainerstaaten sind verarmt oder kämpfen selbst mit Gewalt. Für sie ist es schwer mit einer großen Anzahl von Flüchtlingen umzugehen.3)

Und es besteht die Gefahr einer Hungersnot. Die Vereinten Nationen warnen, dass Getreide und Gemüse wegen der Gewaltausschreitungen nicht ausgesät bzw. angepflanzt werden konnten.3) Viele Kinder sind wegen des andauernden Konflikts schon jetzt unterernährt.5)

Ein Großteil der Kinder kann auch nicht zur Schule gehen. Zwei Drittel der Schulen im Land bleiben wegen des Konfliktes geschlossen. Eltern haben Angst ihre Kinder in Bildungseinrichtungen zu geben – wegen der Gewalt. Und auch die Lehrer bleiben Zuhause, denn ihre Gehälter werden nicht mehr gezahlt.2)

Und dann gibt es Kinder wie Charly – sie werden zwangsrekrutiert oder treten manchmal auch selbst bewaffneten Gruppen bei, da es für sie der einzige Weg ist, an Essen zu kommen. Ihre Aufgaben sind das Kämpfen und Tragen von Waffen und Lasten. Sie werden oft gezwungen grausame Dinge zu tun. Mädchen werden auch als Sexsklavinnen gehalten.6)

Die Vereinten Nationen schätzten die Zahl der Kindersoldaten im Januar dieses Jahres auf über 6 000.2) UNICEF konnte bereits einige von ihnen befreien und hat vor, dieses Jahr die Freilassung von insgesamt 1 500 Kindersoldaten zu erreichen.5)

Aber auch wenn die Kinder, wie Charly, erst einmal frei sind, hat sich ihr Leben für immer verändert. Sind sie erst einmal Kindersoldaten oder haben das Stigma, eine „Ehefrau“ eines Rebellen gewesen zu sein, ist es für die Kinder sehr schwer wieder in ihr altes Dorf und zu ihrer Familie zurückzukehren. Sie haben oft schlimme Gewalttaten in ihren alten Gemeinden begangen und werden deshalb nicht immer zurück in die Gemeinschaft aufgenommen. So überrascht es kaum, dass ein Kind aus fünf nach seiner Befreiung wieder zu einer bewaffneten Gruppe zurückkehrt.6)

Auch Charly wurde schon wieder von Rebellen angesprochen, die ihn in ihren Reihen wollen. Für viele der Kinder ist der Weg nach vorn ein Kampf. Es ist schwer, sich eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. Charly sagt dazu: „Mit einer Waffe hast du immer Geld.“1)

  1. Los Angeles Times, 11.05.14: Ex-child soldiers live with scars of war – aufgerufen am 23.05.14 [] []
  2. All Africa: Central African Republic: Extreme violence in Central African Republic disrupts education – nicht mehr verfügbar [] [] []
  3. New York Times, 05.05.14: Ethnic cleansing in Africa – aufgerufen am 22.05.14 [] [] [] []
  4. BBC, 20.05.14: Central African Republic’s Seleka rebels reorganise – aufgerufen am 23.05.14 []
  5. All Africa: Central African Republic: Unicef – C.A.R. a fragile country – nicht mehr verfügbar [] [] []
  6. NPR, 18.05.14: Child soldiers freed in Central African Republic struggle to adapt – aufgerufen am 23.05.14 [] []

Über Carina / earthlink

Mein Name ist Carina und ich bin 24 Jahre alt. Ich habe im April 2014 mein Bachelorstudium der Politikwissenschaften (Nebenfach Rechtswissenschaft) abgeschlossen und mache nun ein Praktikum bei earthlink e.V.
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